Durchhaltevermögen seit 165 Jahren in Bischofferode

Bischofferode  Die Bodemühle Redemann arbeitet in der sechsten Generation. Zum Mühlentag wird ein eigener Laden eröffnet und es gibt ein Fest.

Ingolf Böhme ist in der Bodemühle für die Produktion verantwortlich. In dem Familienbetrieb, zu dem auch eine Spedition gehört, arbeiten derzeit 14 Beschäftigte, drei davon sind Müller.

Ingolf Böhme ist in der Bodemühle für die Produktion verantwortlich. In dem Familienbetrieb, zu dem auch eine Spedition gehört, arbeiten derzeit 14 Beschäftigte, drei davon sind Müller.

Foto: Sigrid Aschoff

In Märchen, Sagen und Erzählungen begegnet man ihnen: den Müllern und ihren Mühlen. Und wer kennt nicht die Lieder „Das Wandern ist des Müllers Lust“ oder „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“? Ein Lied davon singen, wie es heute in einer Mühle zugeht, das können derweil Ute und Ingolf Böhme.

Ihnen gehört die Bodemühle Redemann in Bischofferode. Kommendes Jahr wird sie 165 Jahre alt, seit 1855 ist sie in Familienbesitz. „Mein Ururgroßvater Augustin hat sie damals erworben“, erzählt Ute Böhme, die in der fünften Generation mit ihrem Mann das Müllerhandwerk pflegt. Und die sechste Generation steht mit Schwiegersohn Benedikt Daubel bereits in den Startlöchern. Der junge Mann hat seine Ausbildung zum Müller abgeschlossen und will nun ein Meister seines Fachs werden. „Das Rüstzeug ist wichtig“, weiß Ute Böhme. Sie selbst ist mit der alten Handwerkstradition aufgewachsen. Da wundert es nicht, mit wie viel Leidenschaft sie von ihr spricht und von dem Haus, das die Mühle beherbergt und das älteste in Bischofferode ist. Komplett saniert haben sie und ihr Mann es jetzt, viel investiert – und noch so manchen Traum, den sie sich rund das schmucke Fachwerk und den Beruf erfüllen wollen.

Müllerfamilie setzt auf Regionalität

Der Markt, auf dem sich die ­Familie bewegt, ist kein ein­facher. „Den Müllerstatus zu erhalten, ist schwer“, sagt Ute Böhme mit Blick auf die Großmühlen, die für den Familienbetrieb eine Konkurrenz darstellen. In den Jahren haben Böhmes erlebt, dass viele Müller im Land aufgegeben haben. Doch das tun sie nicht. Zu kämpfen, das hat Ute Böhme von Vater Karl Redemann gelernt, der seinen Beruf liebte und nach der Wende mit Bernhard Senft den Mitteldeutschen Müllerbund ­gegründet hat. „Es brauchte einen Neuanfang für das Traditionshandwerk, das schwer zu bewahren ist, aber es ist eine Verpflichtung“, so die Eichs­felderin, die keine Müllerin ist, ­sondern Betriebswirtschaft studierte.

Zu DDR-Zeiten, erzählt sie, habe ihr Vater Glück gehabt, dass der Betrieb nicht verstaatlicht wurde und in privater Hand weitergeführt werden konnte. Heute sei es die „Geiz-ist-geil-Mentalität“, die den Müllern und Bäckern das Leben schwer mache. „Mit Mehl haben wir alle jeden Tag zu tun. Doch viele schätzen es nicht. Das ist sehr schade.“

Und so müssen sich die Böhmes auch heute einiges einfallen lassen, um auf dem umkämpften Markt bestehen zu können. Sie setzen auf Flexibilität und Qualität. „Eine unserer Stärken ist es, für den Kunden da zu sein“, sagt Ute Böhme und meint damit unter anderem auch nachts zur Stelle zu sein, wenn bei einem Bäcker das Silo kaputt ist. Und bei der Qualität geht es der Müllerfamilie um Regionalität. „Und um unsere Verpflichtung der Umwelt gegenüber“, wirft die Chefin ein. „Das Getreide wächst hier, wir mahlen es hier, und es wird hier verbacken.“ Da die Bodemühle eine eigene Spedition hat, wird das Getreide von Landwirtschaftsbetrieben aus der Region geholt, die Bäcker des Umlands beliefert. Die weitesten Getreidetransporte kommen aus dem Bereich Erfurt und dem Raum Querfurt und werden nur als Rückladungen mitgenommen. Über die hohen Spritpreise und Energiekosten will Ute Böhme erst gar nicht nachdenken. „Wer Müller ist, braucht eine gute Portion Idealismus. Wer das und die Leidenschaft nicht hat, ist fehl in dem Beruf“, meint sie und weiß genau, wovon sie spricht. Einen Acht-Stunden-Tag kennen sie und Ingolf Böhme nicht. Was sie erwartet, wusste die Bischofferöderin allerdings, ist sie doch mit der Arbeit groß geworden und lernte früh mit anzufassen. „Und mein Mann kommt aus der Landwirtschaft.“

In 24 Stunden könnten in der Bodemühle heute 100 Tonnen Getreide gemahlen werden, wenn die Nachfrage da ist. Seit 2008 wird wegen der Lärmbelästigung aber dort nicht mehr in der Nachtschicht gearbeitet.

14 Mitarbeiter gibt es derzeit, davon sind drei Müller. Auch ein junger Afghane ist bei Böhmes beschäftigt. Mit seinem kleinen Sohn wohnt er im Dorf, die Chefin kümmert sich gerade darum, dass er deutsch lernt. Gern würde man ihn auch ausbilden. Ob das etwas wird, muss sich zeigen. Nachwuchs zu finden, noch dazu in einem aufwendigen Handwerk wie diesem, ist schwer. Allein acht Stunden braucht das Getreide, um gereinigt und abstehen zu müssen. Erst dann kann die eigentliche Mühle ihren Dienst tun. „Bei Investitionen sind für uns Förderungen wichtig, es wäre gut, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern würden“, sagt die Frau, die für das Büro verantwortlich ist, derweil sich ihr Mann um die Produktion kümmert. Vermahlen wird in der ­Bodemühle zu rund 80 Prozent Weizen, der Rest ist Roggen.

Als 2008 der Betrieb komplett umgekrempelt wurde, wurde auch das zweite System für Roggen angeschafft. „Wir haben viel investiert in den Jahren. Die Technik ist speziell und daher teuer. Das ist wie ein Maßanzug vom Schneider“, erklärt Ute Böhme. Doch es braucht den Fortschritt, um Weizenmehl, Roggenvollkornmehl und verschiedene Roggenmehltypen anbieten zu können. „In zehn Jahren soll die Bodemühle auf jeden Fall noch auf dem Markt mitmischen. Doch am Ende steht und fällt alles mit den Bäckern.“

Böhmes haben noch viel vor

Viel Zeit haben Ute und Ingolf Böhme nun nicht mehr. Der neue Mühlenladen muss fertig werden. Die verschiedenen Mehlsorten aus der eigenen Mühle, Backschrote, Nudeln und Müsli und Co müssen noch fertig einsortiert werden. Pfingstmontag, am Mühlentag, wird der Laden eröffnet, und zwar, wie es sich für den Tag gehört, mit einem Fest, mit Blasmusik, Führungen, Speis, Trank und Unterhaltung für die Kinder. Der Laden war schon immer Ute Böhmes Traum. Nun soll er sich erfüllen. Und es gibt noch einen, den vom Mühlen café. Auch der soll noch diesen Sommer wahr werden. Bei Rundgängen wird Ingolf Böhme den Gästen dann die Technik erläutern und sicher so manche interessante Geschichte erzählen.

Was: Mühlentag Wann: Pfingstmontag, 10. Juni, 10 bis 18 Uhr

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