Eichsfelder Frauen, die ordentlich zufassen

Heiligenstadt  Beim Feuerwehrworkshop in Heiligenstadt geht es nicht nur um praktische Übungen, sondern auch um die Frage der Gleichberechtigung.

Beim Frauenworkshop, der auf dem Heiligenstädter THW-Gelände

Beim Frauenworkshop, der auf dem Heiligenstädter THW-Gelände

Foto: Sigrid Aschoff

„Feuerwehrfrauen können viel, man muss es ihnen nur zutrauen.“ Diejenige, die das sagt, ist eine von ihnen: Dagmar Blacha, Frauenbeauftragte des Kreisfeuerwehrverbandes und aktiv in der Fernaer Wehr. Sie hat den Workshop organisiert, bei dem sie und ihre Mitstreiterinnen ganz praktische Dinge aus dem Feuerwehralltag üben. Schließlich heißt es nicht umsonst: Übung macht den Meister. Und die Frauen, die an diesem Tag auf das Gelände des Technischen Hilfswerks (THW) im Heiligenstädter Pferdebachtal gekommen sind, wollen bei Einsätzen zufassen.

Fünfzehn Frauen und zwei Männer nehmen diesmal an dem Workshop teil. Sie kommen aus Bernterode/Wipper, Kirchworbis, Worbis, Gerterode und Ferna. Mit dabei sind außerdem zwei THW-Frauen. Es ist die vierte Aktion dieser Art, die Dagmar Blacha auf die Beine gestellt hat. Mit Spreizer und Schere waren die Damen schon zu Gange und zerlegten ein Auto, um eine eingeklemmte Person nach einem Unfall zu befreien. Sie übten die Schaumlöschung auf einem Firmengelände und informierten sich im Heidkopftunnel über die Sicherheitstechnik und Notfallpläne. Gern hätte Dagmar Blacha daher diesmal noch ein paar mehr Eichsfelderinnen begrüßt.

Rettung aus bergigem Gelände

Zeit für lange Gespräche ist nicht, denn an den Stationen soll in Gruppen gearbeitet werden. Doch erst einmal geht es um die Technik, die das Technische Hilfswerk bereithält. „Es ist gut zu wissen, womit man hier ausgestattet ist. Vielleicht muss bei einem Einsatz kooperiert werden“, sagt Dagmar Blacha und erzählt, dass die Fachgruppe in Heiligenstadt für den Elektrobereich zuständig ist und über Großaggregate verfügt. Der Workshop soll letztlich auch dazu dienen, die Kontakte zwischen beiden Organisationen zu vertiefen.

An der ersten Station sind mittlerweile Feuerwehrfrauen dabei, eine Person aus bergigem Gelände zu retten. „Das ist durchaus ein Beispiel, mit dem wir in unserer Arbeit konfrontiert werden“, sagt Dagmar Blacha und beobachtet, wie sich die Frauen langsam an dem Hang abseilen und von ihren Teamkolleginnen gesichert werden. Eine solche Situation zu üben, bringt nicht nur Sicherheit für den Ernstfall, sondern schafft auch Selbstvertrauen.

Derweil ist die zweite Gruppe dabei und hebt mit einem Hebekissen einen Lastwagen an. „Hier ist Feingefühl gefragt, das haben die Frauen.“ Das Wissen um die Handgriffe ist wichtig und sie müssen sitzen. „Ein Hebekissen kann man beispielsweise auch bei einem Arbeitsunfall einsetzen, wenn Paletten von einem Fahrzeug gestürzt sind und es Verletzte gibt“, erklärt die Fernaerin und ergänzt: „Wenn man etwas regelmäßig übt, beherrscht man es auch.“ Allerdings weiß sie, dass nur große Wehren Hebekissen haben, diese nicht zur Standardbeladung gehören.

Im Eichsfeld gibt es rund 200 Feuerwehrfrauen

An der dritten Station sprühen die Funken, und es qualmt. Das Thema: Der richtige Einsatz von Sägen. Ob eingestürzte Gebäudeteile oder das Entfernen von Bäumen, die nach einem Unwetter auf die Straße gestürzt sind – mit Sägen haben die Feuerwehrleute oft zu tun. Die Frauen aus Bernterode lassen sich nicht lange bitten, greifen zu und legen los. Sie trauen sich etwas zu. „Berechtigterweise“, meint Helmut Möller, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes, der eigens vorbeigekommen ist, um sich über den Workshop zu informieren. Und einmal mehr hört Dagmar Blacha an diesem Tag den Satz: „Das ist ja viel leichter als gedacht.“

Im Landkreis gibt es derzeit knapp 200 Feuerwehrfrauen. Das sind rund zehn Prozent der Wehrmitglieder. Damit liegt die Region über dem Bundesdurchschnitt. „Doch es sind noch zu wenig, schließlich haben wir Gleichberechtigung“, meint Helmut Möller. In Bernterode, so berichten die Kameradinnen, sind zu Einsätzen Frauen schon allein ausgerückt. „Es müsste mehr Frauen in Führungspositionen geben“, sagt Dagmar Blacha. Dem stimmt der Kreisfeuerwehrverbandschef zu – auch mit Blick darauf, dass Frauen heute in vielen Männerberufen arbeiten. „Wir müssen weg von Klischees“, erklärt er unumwunden. Helmut Möller wie Dagmar Blacha wissen jedoch auch, dass es ab und an in Feuerwehren Autoritätsprobleme gibt.

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