Emotionale Diskussion zum Caravanplatzin Dittelstedt

Dittelstedt Die Investoren stellten im Café Sonja ihre Pläne vor und trafen auf Skepsis und Zustimmung

Die Erfurter Investoren Patrick (stehend) und Kerstin List (vorn) diskutieren mit den Bürgern im Dittelstedter Café Sonja über ihren geplanten Caravanplatz. Foto: Holger Wetzel

Die Erfurter Investoren Patrick (stehend) und Kerstin List (vorn) diskutieren mit den Bürgern im Dittelstedter Café Sonja über ihren geplanten Caravanplatz. Foto: Holger Wetzel

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Der geplante Caravanplatz bleibt das beherrschende Thema in Dittelstedt. Das hat gestern Abend eine Bürgerversammlung gezeigt, für die der Saal im Café Sonja kaum ausreichte. Das Investorenpaar Kerstin und Patrick List hatte mit Unterstützung des Tourismusvereins zu dem Infoabend eingeladen.

Die Stimmungslage ist nach der emotionalen, doch zumeist auch sachlichen Diskussion weniger eindeutig. Wie ein Dittelstedter am Ende feststellte, handelte es sich bei den überzeugtesten Fürsprechern des Vorhabens mehrheitlich nicht um Bewohner des Ortsteils. Doch äußerten sich auch mehrere Dittelstedter, die dem Platz für rund 100 Wohnmobile zumindest neutral gegenüberstehen.

Die Investoren betonten, dass sie einen eingezäunten 4-Sterne-Platz mit hohem touristischen Anspruch im Sinn haben – mit Spielfläche, viel Grün, Hundedusche und Stellplatzkosten ab 25 Euro die Nacht. Die Bedenken, dass von der Zielgruppe der wohlhabenden Städtetouristen ab 40 eine Lärmbelästigung ausgehen könnte, konnten sie wohl erfolgreich zerstreuen.

Dafür äußerten Anwohner neue Sorgen. Etwa zur Kanalisation, die nicht einmal für die erfolgten Neubauten und schon gar nicht für einen Caravanplatz ausgelegt sei. Oder zur engen Einfahrt aus Richtung Süden. Oder zum Bauen im Außenbereich, das Dittelstedtern verwehrt worden sei, nun aber erlaubt werden solle.

Investorin: Maximal 15 Anfahrten pro Tag

Beim Thema Verkehr rechnete Kerstin List vor, dass bei der geschätzten Auslastung des Platzes von 20 bis 40 Prozent in der Anfangsphase sieben bis 15 Wohnmobile pro Tag den Platz anfahren würden. Nicht jeden Dittelstedter konnte sie damit vollends beruhigen.

„Ich wünsche den Investoren viel Erfolg“, sagte Lars Fischer von Gemüse Fischer, der neben der umstrittenen Fläche Felder bewirtschaftet. „Aber für uns als Gärtner ist es schlicht Wahnsinn, dass 25 Jahre nach der Wende in der Geburtsstadt des Gartenbaus ein denkbar hochwertiger Boden zur Gewerbefläche umgewidmet werden soll.“

Der mit dem Flächenverkauf beauftragte Makler machte sich wenig Freunde, als er mit einer Moschee als Alternative zu den Caravans drohen wollte. Er habe auch dem Gemüsebetrieb die Fläche angeboten, meinte er. „Fern jedes Ackerlandpreises“, stellte Lars Fischer klar.

Ortsteilbürgermeister Dietrich Hagemann nannte den Erhalt des dörflichen Charakters das wichtigste Ziel des Ortsteils. Während Flächen für einen Caravanplatz auch anderswo zur Verfügung stünden, sei weder im städtischen Entwicklungskonzept noch im Flächennutzungsplan ein Erholungsgebiet in Dittelstedt vorgesehen. „Keiner versteht, dass der Platz unbedingt hierher muss“, sagte er.

Vehement verwahrte sich Hagemann gegen Aussagen des Tourismusvereins-Chefs Karl-Heinz Kindervater, der die Diskussion vor einigen Wochen eine „Dorfposse“ genannt und dem Ortsteilrat vorgeworfen hatte, seine Entscheidung zur Ablehnung des Vorhabens uninformiert getroffen zu haben.

Kindervater nahm seine Worte nicht zurück, sondern erklärte sie mit einem vom Ortsteilrat abgelehnten früheren Gesprächsangebot. Er erkenne zudem kein echtes Argument gegen den Caravanplatz, meinte er. Worauf Lars Fischer auf die Unterschriftensammlung mit den Argumenten verwies, auf der mehr als die Hälfte der Dittelstedter ihre Ablehnung deutlich gemacht hätten.

Ob der Abend Meinungen verändert hat, wird sich erst noch erweisen. Dass der direkte Austausch der Positionen zur Versachlichung der Debatte beigetragen hat, wird aber wohl kaum ein Besucher bestreiten. Deutlich wurde auch, dass sich der Protest aus Dittelstedt nicht gegen die Investoren und ihre Pläne richtet, sondern ausschließlich gegen den Standort an der Rudolstädter Straße.