Finanzielle Unterstützung und der Kampf um eine Begegnungsstätte in Heiligenstadt

Heiligenstadt  Heiligenstädter „Café Vielfalt“ erhält 170.000 Euro Förderung. Helferkreis findet dort Räumlichkeiten zum Arbeiten.

Das „Café Vielfalt“ in Heiligenstadt wird von der Aktion Mensch unterstützt – 170.000 Euro fließen für die kommenden drei Jahre. Das Café ist von Mittwoch bis Sonntag ab 14 Uhr geöffnet. Daniele Töpfer, Gabi Schindler und Ellen Hesse helfen dort ehrenamtlich mit.

Das „Café Vielfalt“ in Heiligenstadt wird von der Aktion Mensch unterstützt – 170.000 Euro fließen für die kommenden drei Jahre. Das Café ist von Mittwoch bis Sonntag ab 14 Uhr geöffnet. Daniele Töpfer, Gabi Schindler und Ellen Hesse helfen dort ehrenamtlich mit.

Foto: Eckhard Jüngel

Es ist ein Geldsegen für das Heiligenstädter „Café Vielfalt“. Die Einrichtung erhält 170.000 Euro Förderung von der Aktion Mensch. Träger des Cafés ist die Caritasregion Eichsfeld/Nordthüringen.

Die Leiterin Stefanie Schmerbauch freut sich natürlich über das Geld. Allerdings sei die sechsstellige Summe eine Förderung für die kommenden drei Jahre. „Damit werden Personal- und Mietkosten anteilig gedeckt“, erklärt sie. Wie es danach weiter geht, wüsste sie erst einmal noch nicht. Denn parallel zur Förderung stellt die Caritas einen Antrag bei der Stadt Heiligenstadt und beim Landkreis Eichsfeld zur Bezuschussung der Miete. Denn die Stadt habe die finanzielle Unterstützung der Einrichtung nach einem Jahr erst einmal eingestellt und den Vertrag gekündigt, so Stefanie Schmerbauch

„Die finanzielle Unterstützung habe ich im vergangenen Jahr durchgesetzt“, sagt Bürgermeister Thomas Spielmann (BI). Dabei habe es diverse Diskussionen gegeben. „Nun stellt die Caritas einen ordentlichen Antrag, der durch den Stadtrat beschlossen werden muss“, so Thomas Spielmann. Dabei betont er, dass die Stadt für solche sozialen Einrichtungen gar nicht zuständig ist, sondern der Landkreis. „Und die Betreuung der Flüchtlinge läuft in Heiligenstadt nur so gut, weil die Ehrenamtlichen und die Stadt sich um sie kümmern“, meint Thomas Spielmann, der noch einmal deutlich macht: „Die Verantwortung liegt aber klar beim Landkreis.“

Ein entscheidender Aspekt für den Stadtchef, das „Café Vielfalt“ im vergangenen Jahr zu unterstützen, war das Unterkommen des Helferkreises. Die dort ehrenamtlich arbeitenden Eichsfelder nehmen sich seit Herbst 2015 der Flüchtlinge an, helfen ihnen und unterstützen sie. Anfänglich seien sie in den Wohnblöcken der Theodor-Storm-Straße in Heiligenstadt tätig gewesen, erzählt Helferin Katrin Propf. Denn dort war in zwei Wohnblocken die Gemeinschaftsunterkunft. Durch ihren festen Platz dort konnten sie eng mit den Familien zusammenarbeiten und waren vor Ort. Allerdings sei die dortige Unterkunft im Februar vergangenen Jahres durch den Landkreis geschlossen worden, so die ehrenamtliche Helferin. „Und danach wurden uns keine Räumlichkeiten seitens des Kreises wieder zur Verfügung gestellt“, erinnert sich Katrin Propf. „Wir waren auch sehr enttäuscht, weil seitens der Faktionen kaum Unterstützung kam“, gibt die Helferin ehrlich zu, denn diese wurden durch die Ehrenamtlichen angesprochen.

Suche des Helferkreises erfolgreich beendet

Dabei unterstützt der Helferkreis die Sozialarbeiter des Kreises. Die 15 engagierten Eichsfelder sind kein Verein, sie haben sich einfach zusammengetan. „Wir haben uns gesucht und gefunden“, meint Katrin Propf. Denn der lose Zusammenschluss von Ehrenamtlichen bietet Sprachkurse und Seminare zu bestimmten Themen an. Außerdem würde es Treffen mit anderen Ehrenamtlern geben, sogar aus Mühlhausen würden einigen anreisen, um sich auszutauschen.

Um ihre Arbeit aber fortzusetzen, brauchten sie dringend eine Unterkunft. Die Ehrenamtlichen seien zunächst in der Frauenbildungs- und Begegnungsstätte „ko-ra-le“ und im evangelischen Gemeindehaus „St. Martin“ untergekommen, erzählt Katrin Propf. Die Finanzierung dafür liefe auch über den evangelischen Kirchenkreis.

Die Suche hatte im Frühjahr 2018 – mit der Eröffnung des Cafés Vielfalt“ – ein Ende. Denn der Helferkreis kam „unter die Fittiche der Caritas“, wie Katrin Propf es nennt. Und seitdem treffen sich die Ehrenamtlichen dort. Es sei toll, einen festen Ort zu haben, um sich auszutauschen. Das Besondere: Die Flüchtlinge würden dann auch alleine in das Café gehen. Denn dann habe die neuen Mitbürger die Möglichkeiten mit Einheimischen, Heiligenstädtern wie Eichsfeldern, ins Gespräch zu kommen, über Erfahrungen zu berichten. „Und die Erzählungen der Geflüchteten sind aus erster Hand.“ Dadurch könne das Gerede vermindert werden. Und für Katrin Propf sei das ein voller Erfolg. Denn das Ziel des Helferkreises sei es, den neu angekommenen Menschen zu helfen, ganz gleich wie lange sie bleiben.

Aber nicht nur die Ehrenamtlichen treffen sich im „Café Vielfalt“ regelmäßig. Es gibt verschiedene Kurse für Jung und Alt, auch an junge Mütter mit Kindern ist gedacht. Ebenso können sich Mitglieder von Selbsthilfegruppen in angenehmer Atmosphäre austauschen. Die Palette ist breit gefächert. Das Besondere: Am Nachmittag können sich Menschen aller Bevölkerungsschichten und jeder Herkunft dort zum Kaffee treffen, plaudern und sich begegnen, wie es Stefanie Schmerbauch nennt. Denn das Konzept des Café besteht darin, dann zu öffnen, wenn andere Einrichtungen geschlossen haben: nämlich am Wochenende. „Uns ist es wichtig, dass die Menschen auch Samstag und Sonntag einen Ort zur Begegnung haben“, erklärt sie. Und weil es so gut läuft, öffnet die Einrichtung bereits am Mittwoch. „Bei uns ist jeder herzlich willkommen.“

„Café Vielfalt“ ist in Schlachthofstraße 8a in Heiligenstadt, öffnet mittwochs bis sonntags von 14 bis 17 Uhr und zu den Veranstaltungen vormittags ab 9 Uhr

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