Diabetesberatung für Lehrer: Keine leichte Aufgabe

Jena.  Diabetesberaterin Sabine Eckstein schult in ganz Thüringen Lehrer und Erzieher. Mehr Verantwortung und Betreuung für erkrankte Kinder ist nötig.

Sabine Eckstein vom Verein „Diabeteszentrum für Kinder und Jugendliche Jena“.

Sabine Eckstein vom Verein „Diabeteszentrum für Kinder und Jugendliche Jena“.

Foto: Conni Winkler

Wenn Sabine Eckstein in die Schule geht, dann unterrichtet sie keine Kinder, sondern Lehrer. Sie ist Diabetesberaterin und erklärt Lehrern und Horterziehern den Umgang mit Kindern, die an Diabetes Typ 1 erkrankt sind. Das tut sie auch in Kindergärten. Keine leichte Aufgabe. Denn ob Lehrer und Erzieher diese Kinder beim Umgang mit der Krankheit unterstützen, liegt ganz in deren Ermessen. Es ist eine freiwillige Leistung, die Betreuer erbringen können, aber eben nicht müssen. „Ich muss viel Überzeugungsarbeit leisten. Ich erkläre ihnen erst einmal, was es für ein Kind heißt, an dieser Stoffwechselstörung zu leiden“, sagt die 40-Jährige. „Diese Krankheit wird die Kinder ein Leben lang begleiten. Sie erfordert ständige Blutzucker-Überwachung rund um die Uhr. Das können Kindergartenkinder und Grundschulkinder bei Weitem noch nicht alleine leisten.“

Wenn ein Kind in einer Einrichtung an Diabetes erkrankt, wird Sabine Eckstein vom Verein „Diabeteszentrum für Kinder und Jugendliche Jena“ gebeten, dort anzurufen. Denn der Verein ist es auch, der Angehörige und Kinder im Krankenhaus diesbezüglich berät, nachdem die Diagnose gestellt wurde. Beim Erstkontakt mit Schule oder Kindergarten muss die Diabetesberaterin erklären, warum das Betreuungspersonal eine solche Schulung benötigt. „Der normale Alltag muss schnell wieder möglich und das Kind dabei gut beobachtet werden.“ Dadurch steige der Betreuungsaufwand und die Verantwortung.

Kindern mehr Sicherheit im Alltagermöglichen

Es gebe Einrichtungen, die sich deswegen weigerten, ein solches Kind aufzunehmen. Sabine Eckstein versucht, mit vielen Beispielen und praktischen Übungen zu zeigen, dass man das durchaus leisten kann. Um den Kindern mehr Sicherheit im Alltag zu ermöglichen, müsse das Betreuungspersonal wissen, was zu tun sei, wenn es zu einer Über- oder Unterzuckerung komme. Sie erklärt ihnen den Umgang mit Blutzuckermessgerät, Insulinpen oder -pumpe, was bei sportlicher Betätigung oder bei Wandertagen zu beachten ist und wie der Tagesablauf der Kinder aussieht. „Das ist kein Hexenwerk“, sagt sie.„Leider ist die Gesetzeslage unklar.“ Schulungen für Lehrer und Erzieher bei Diabetes Typ 1 seien nicht vorgeschrieben.

Sabine Eckstein wünscht sich, dass sich die Landespolitik der Sache annehme und diese Weiterbildung zur Pflicht mache. Denn manchmal stößt sie auf taube Ohren bei den Einrichtungen. „Das verstehe ich. Lehrer und Erzieher stehen sowieso permanent unter Druck und die Personaldecke ist sehr dünn.“ Dennoch ist so eine Schulung wichtig. Denn die Inklusion stehe sehr wohl im Bildungsauftrag, betont die 40-jährige. „Lehrer oder Erzieher wird man doch auch wegen der sozialen Komponente und weil einem die Entwicklung von Kindern am Herzen liegt.“

Daher versteht Sabine Eckstein die Haltung mancher Lehrer nicht. Sie würden so ein Kind nur als Zusatzbelastung sehen und nicht als den kleinen Menschen, der mehr Hilfe benötige, als andere. Aber der größte Teil sei schon sehr engagiert und wolle helfen. „Hinterher zu sehen, wie die Betreuung gut funktioniert, das ist das Schönste. Dann weiß ich, warum ich diese Arbeit mache“, sagt die Diabetesberaterin, die derzeit wegen Corona keine Schulungen in Gruppen machen kann.

An staatlichen Schulen werden Sabine Ecksteins Dienste direkt vom Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien bezahlt. Das Schulbudget wird dabei nicht belastet. Das hat die Leiterin vom Diabeteszentrum für Kinder und Jugendliche Conny Bartzok so ausgehandelt. Schulungen in Schulen in privater Trägerschaft und in Kindergärten werden aus der Vereinskasse gezahlt. Bartzok sagt, dass diese Gelder aus Spenden generiert werden. Daher ist der Verein beständig auf Spendenwillige angewiesen.

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