Drittklässler in Thüringen sind gut entwickelt

Erfurt/ Jena.  Seit 2017 läuft in Thüringen das Präventionsprojekt „Bewegte Kinder = Gesündere Kinder“. Zwei Drittel sind sportlich aktiv.

Drittklässler unterziehen sich mehren Test der Uni Jena für das Präventionsprojekt „beki=geki“. 

Drittklässler unterziehen sich mehren Test der Uni Jena für das Präventionsprojekt „beki=geki“. 

Foto: Kerstin Keding-Bärschneider

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Pro Jahr entstehen durch Diabetes und seine Folgekrankheiten Kosten von rund 35 Milliarden Euro für Behandlung, Pflege, Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung. So steht es im Deutschen Gesundheitsbericht von 2017. Durch Übergewicht bei Kindern und die Zunahme von Diabetes mellitus Typ 2 ist außerdem mit weiteren Folgekosten von etwa 5000 Euro pro Jahr und Kind zu rechnen. Deshalb wird Prävention längst als gesamtgesellschaftliche Aufgabe angesehen, die 2015 in einem Präventionsgesetz festgeschrieben wurde. Das Ziel: Gesundheitsförderung in allen Lebensphasen und -bereichen. Ein solches Thüringer Präventionsprojekt ist seit 2017 „bewegte Kinder = gesündere Kinder“ unter der Trägerschaft der gesetzlichen Krankenkassen, die Unfallkasse Thüringen und des Landessportbundes. Ziel ist es, alle Kinder der dritten Klasse und deren Eltern zu gesunder Lebensweise und Ernährungsverhalten zu motivieren, Erkrankungen im Erwachsenenalter somit vorzubeugen.

Doch zunächst musste der Ist-Zustand der Kinder erhoben werden, wofür man die Friedrich-Schiller-Universität Jena gewinnen konnte. Die gute Nachricht vornweg: Thüringer Drittklässler sind sensomotorisch ihrem Alter entsprechend normal entwickelt. Sie weisen überwiegend ein gesundes Verhältnis von Körpermasse zu Körperhöhe (BMI) auf. Nur circa fünf Prozent der Mädchen und Jungen sind stark untergewichtig, der gleiche Teil stark übergewichtig. Zwei Drittel nutzen bereits sportliche Angebote sowohl in der Schule als auch im Verein, erklärt Florian Bähr, Projektverantwortlicher vom Lehrstuhl für Sportmedizin und Gesundheitsförderung an der Uni Jena. Thüringenweit nehmen jährlich circa 200 Schulen an den Gesundheitschecks teil, insgesamt liegen somit aus den vergangenen drei Jahren Ergebnisse von 13.000 Kinder vor. Getestet wurden Einbeinstand, Medizinballwurf, Standweitsprung, ein 6-Minuten-Lauf, ein 20-Meter-Sprint und ein Sternlauf, um die sensomotorische Leistungsfähigkeit der Drittklässler zu beurteilen. „Der anstehende Eintritt der Kinder in die Pubertät ist assoziiert mit einem rasanten Wachstum sowie tiefgreifenden Veränderungen des Körpers“, erklärt der Wissenschaftler. Daraus resultieren eine instabilere Koordination, Veränderungen der Interessen, Suche nach neuen Vorbildern und Verhaltensänderungen. Kurzum, der ideale Zeitpunkt, um den Gesundheitszustand der Kinder einzuschätzen, aber auch deren Selbstwahrnehmung und Selbstvertrauen zu stärken und ihnen Handlungsempfehlungen mitzugeben. „Wichtig ist bei dem Projekt, jedem Kind in jeder Schule ganz individuell eine Empfehlung mitzugeben. Es geht nicht darum, der Beste zu sein, sondern darum, dass die Kinder verstehen, dass es wichtig ist, sich das gesamte Leben lang ausreichend zu bewegen um Gesundheitsrisiken entgegenzuwirken“, erklärt der Wissenschaftler.

Übergewicht und Bewegungsarmut setzen meist erst später ein. Deshalb soll das Projekt „bewegte Kinder = gesündere Kinder“ präventiv davor ansetzen, Eltern und Lehrer als Motivatoren einbeziehen, Bewegungsmuffel für Sport begeistern und ihnen konkrete Sportangebote empfehlen. Generell empfiehlt Florian Bähr eine moderate bis anstrengende körperliche Aktivität von mehr als 60 Minuten pro Tag. „Und dabei kann man ruhig schnaufen und schwitzen.“

Natürlich soll das Projekt mit den riesigen Datenmenge auch nachhaltig sein, weshalb derzeit ein Multimediaportal mit Videos für Kinder und Eltern sowie Lehrmaterialen für Schulen und Lehrer zusammen mit dem Bildungsministerium erarbeitet wird.

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