Hautarztsuche wird zur Ochsentour

Sondershausen.  Ein Mann aus Sondershausen erhält selbst in Nordhausen keinen Hautarzttermin. Mit einer Praxis in Artern gilt der Kyffhäuserkreis aber offiziell nicht als Mangelregion.

Um sich von einem Hautarzt untersuchen zu lassen, müssen Sondershäuser weite Wege auf sich nehmen – wenn sie überhaupt einen Termin bekommen.

Um sich von einem Hautarzt untersuchen zu lassen, müssen Sondershäuser weite Wege auf sich nehmen – wenn sie überhaupt einen Termin bekommen.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

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Der Ärztemangel im Kyffhäuserkreis treibt einen jungen Familienvater aus Sondershausen auf eine seit Wochen andauernde Odyssee. Dass er in seiner Heimatstadt gar nicht erst nach einem Hautarzt zu suchen brauchte, wusste der 33-Jährige, der seinen Namen nicht öffentlich genannt sehen will, bereits, bevor er selbst Hilfe bei einem Hautleiden benötigte. Er will sogar erfahren haben, dass absichtlich verhindert werde, wieder einen Dermatologen anzusiedeln, schimpft er im Telefongespräch mit dieser Zeitung.

Als haltloses Gerücht stuft das Veit Malolepsy, der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Thüringen, ein. Wahr dagegen sei, dass es im Kyffhäuserkreis nur einen einzigen Hautarzt mit Praxis in Artern gibt. Leider auch, dass es seit Jahren nicht gelinge, einen Dermatologen zu finden, der sich in Sondershausen und Umgebung niederlassen wolle. Eine weitere kassenärztliche Hautarztpraxis könne problemlos zugelassen werden, so Malolepsy. Dort dürfte sogar noch ein zweiter Mediziner halbtags angestellt werden, die Quote für den Kyffhäuserkreis liege bei 2,5 Hautärzten.

WirklichkreisfremdesRechenspiel

Akuter Mangel an Hautspezialisten besteht nach Berechnung der KV allerdings im Kyffhäuserkreis nicht. Nach Formel der Vereinigung fällt die Praxis in Artern so ins Gewicht, dass die Quote zu etwa 54 Prozent erfüllt sei. Der Wert liege über der Hälfte, rein rechnerisch sei alles im grünen Bereich, so Malolepsy. In der Realität sei der Mangel an Hautärzten in der Region Sondershausen allerdings nicht zu übersehen, räumt er ein. „Wir können aber keinen Arzt in die Gegend zwingen. Und weil es offiziell keinen Mangel gibt, besteht auch keine Möglichkeit, eine Ansiedlung besonders zu fördern.“

Ohnehin schon genervt, weil er am eigenen Wohnort keinen Hautarzt findet, empfand es der hilfesuchende Sondershäuser wie einen Schlag ins Gesicht, als er in zwei Praxen in Nordhausen schon bei der Frage nach einem Termin abgewiesen wurde. „Ich wurde gar nicht gefragt, was mir fehlt“, ärgert er sich. Auch bei seinen Versuchen, telefonisch eine hautärztliche Untersuchung zu vereinbaren, sei er bislang abgeblitzt, berichtet der Sondershäuser. Selbst am Servicetelefon der Kassenärztlichen Vereinigung in Thüringen, das extra eingerichtet ist, um Patienten und Fachärzte zueinander zu bringen, bekam er nach eigener Aussage keinen Termin vermittelt.

Viele Stundenfür einen Arztbesuch

Auch nur aus Gesprächen mit Bekannten habe er irgendwann von der Hautarztpraxis in Artern erfahren, erzählt der junge Mann weiter. Da sich sein Leiden bisher nicht so verschlimmert habe, dass es ihn im Alltag zu sehr beeinträchtigt und er dringend Hilfe bräuchte, hat er den Weg aus Sondershausen in den Ostkreis bisher noch nicht auf sich genommen. „Nach Artern und wieder zurück zu gurken, dauert doch Stunden.“ Zeit, die er lieber mit seinen zwei Kindern und seiner Frau verbringen möchte. Weil er in drei Schichten arbeite, gelinge das ohnehin schon seltener, als er es sich wünsche, die Gemeinsamkeit in der Familie zu genießen. Wegen seiner unregelmäßigen Arbeitszeiten, sei es außerdem schwierig, einen Arzttermin auf lange Zeit im Voraus einzutakten. In der nächsten Zeit werde er aber wohl mal den freien Vormittag vor einer Spätschicht nutzen, um in Erfurt den Versuch zu starten, einen Hautarzttermin zu ergattern.

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