Mehr Landkreise mit niedriger Lebenserwartung in Thüringen

Erfurt.  Gesundheitsbericht geht Frage nach, wie sich die Gesundheit in Deutschland seit dem Fall der Mauer entwickelt hat und welche Unterschiede bleiben

In Thüringen rauchen mehr Frauen und Männer als in einigen westlichen Bundesländern.

In Thüringen rauchen mehr Frauen und Männer als in einigen westlichen Bundesländern.

Foto: Jan-Philipp Strobel / dpa

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30 Jahre nach dem Mauerfall gehört Thüringen neben Sachsen-Anhalt und Brandenburg zu den Bundesländern mit vergleichsweise vielen Kreisen und kreisfreien Städten, in denen es eine eher niedrige Lebenserwartung gibt. In Bayern und Baden-Württemberg ist es umgekehrt, dort gibt es viele Landstriche mit hoher Lebenserwartung. Das ist das Ergebnis eines gemeinsamen Gesundheitsmonitorings des Robert-Koch-Institutes (RKI) und des Statistischen Bundesamtes (StBA). Untersucht wurde, wie sich die Ost-West-Unterschiede bei Gesundheit und Lebenserwartung 30 Jahre nach der Wende entwickelt haben. Demnach ist in Gegenden mit niedriger Lebenserwartung die soziale und ökonomische Ungleichheit am größten. Im Extremfall liegt die Differenz zwischen niedriger und hoher Lebenserwartung bei etwa fünf Jahren. Länderübergreifend werden Männer im Osten im Schnitt 77,2 und im Westen 78,6 Jahre alt. Bei Frauen haben sich die Unterschiede aufgelöst: In Ost wie West leben sie 83,2 Jahre.

Mit dem Bericht knüpfen RKI und StBA an Untersuchungen vergangener Jahrzehnte an. Gegenstand des Monitorings sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebserkrankungen und psychische Störungen. Neben der subjektiven Gesundheit werden zudem als wichtige Einflussfaktoren der Tabakkonsum, die Adipositas sowie die sportliche Inaktivität herangezogen. Dabei war bereits in der Vergangenheit eine zunehmende Angleichung in vielen Bereichen festgestellt worden. Dies gelte zum Beispiel für die subjektive Gesundheit und auch für viele chronische Erkrankungen. Oft hätten sich positive Entwicklungen in den neuen Ländern schneller vollzogen als in den alten. Das gelte etwa für die gesunkene Sterblichkeit bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch gibt es bei Frauen in den neuen Bundesländern inzwischen weniger Krebsneuerkrankungen als bei Frauen in den alten Bundesländern. Bei den Männern ist es umgekehrt. Häufigste Krebsneuerkrankungen bei Frauen in Ost und West sind Brustkrebs (30,5 Prozent) und Darmkrebs (12,3 Prozent). Allerdings erkranken Frauen in den alten Ländern häufiger neu an Brustkrebs als in den neuen Bundesländern.

Anstieg des Tabakkonsums bei Ost-Frauen

Letztlich konstatiert der Bericht teils große lokale Abweichungen. Gründe dafür seien regionalunterschiedliche Lebensverhältnisse etwa hinsichtlich der Wirtschaftskraft sowie der Beschäftigungs- und Einkommenschancen. Auch im negativen Sinne hat der Osten mitunter zum Westen aufgeschlossen, wie der Anstieg des Tabakkonsums bei Ost-Frauen zeige. Die höchste Raucherinnenquote bei Frauen findet sich in Bremen (25 Prozent), gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen 21,7 Prozent). Frauen aus Bayern und Sachsen rauchen im Ländervergleich mit jeweils knapp 17 Prozent am seltensten. Bei Männern liegt die Raucherquote in Mecklenburg-Vorpommern mit über 33 Prozent am höchsten. Auch in Thüringen und Sachsen-Anhalt sowie in den Stadtstaaten Berlin und Bremen raucht fast ein Drittel der männlichen Bevölkerung. Relativ selten rauchen dagegen Männer aus dem Saarland, Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern (25 Prozent).

Mit vorn liegt Thüringen auch bei der Übergewichtigkeit (über 20 Prozent). Den Spitzenplatz teilt man sich mit Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Am geringsten ist der Anteil der Menschen mit Adipositas in den Stadtstaaten Hamburg und Berlin. Mit ein Grund dafür sei die im Durchschnitt jüngere Bevölkerung in den Stadtstaaten. Verwiesen wird zudem auf Zahlen des Olympischen Sportbundes, wonach 2018 in den neuen Bundesländern ein deutlich geringerer Anteil der Bevölkerung in einem Sportverein organisiert war als in den alten Bundesländern.

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