Polizei kontrolliert in Neustadt nun auch Schleichwege

Neustadt.  Ein Ort steht unter Quarantäne - ein Zustand, den einige Neustädter nicht hinnehmen wollen. Sie nutzen Schleichwege zur Flucht. Die Polizei kontrolliert nun auch diese und ahndet die Verstöße.

Polizisten in Vollschutzanzügen halten in Neustadt Wache.

Polizisten in Vollschutzanzügen halten in Neustadt Wache.

Foto: Sascha Fromm

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Im Ilm-Kreis gibt es seit Dienstagmorgen 20 bestätigte Corona-Fälle, davon kamen vier weitere aus dem seit Montag unter Quarantäne stehenden und abgesperrten Rennsteigort Neustadt, der 900 Einwohner hat. Damit sind zehn Bürger aus dem Ort infiziert, zwei Patienten befinden sich im Krankenhaus, die anderen in häuslicher Quarantäne. Es stehen noch weitere Befunde aus, auch würden weitere Kontaktpersonen ermittelt. Alle aktuellen Infos im kostenfreien Corona-Liveblog

Landrätin Petra Enders (parteilos) verwies eindringlich darauf, sich an die Quarantäne-Maßnahmen zu halten, die sie weiterhin für angemessen und richtig hält. Es gibt bereits Beobachtungen, dass Bürger aus Neustadt über Waldwege den Ort verlassen und sich zum Einkaufen nach Großbreitenbach begeben. Das sei eine Straftat und werde auch geahndet, weil sie damit andere Menschen gefährden, wie zum Beispiel die Helfenden vor Ort. Es würden jetzt auch die Schleichwege durch die Polizei kontrolliert. Enders sagte: „Wie ernst die Lage inzwischen ist, scheinen manche immer noch nicht verstanden zu haben.“ Die Ordnungsbehörde habe bereits damit begonnen, die festgestellten Verstöße im Ilm-Kreis aufzuarbeiten und erhebliche Geldbußen festzusetzen. Wie unsere Zeitung erfuhr, sollen sich im Neustädter Nahkauf, wo es Lebensmittel gibt, die Leute teilweise ungeschützt gegenüberstehen und den Kaffeeklatsch austragen.

Das Kinderheim in Neustadt mit 13 Kindern und fünf Erzieherinnen wird nicht an einen anderen Ort verlegt. Einen Tag zuvor hieß es noch, dass es nach Großbreitenbach auf einen Campingplatz kommt.

In Neustadt stellt zurzeit die Feuerwehr Großbreitenbach mit Kräften der Neustädter Wehr die Versorgung der Bevölkerung sicher. Sie bewachen im Wechsel mit Polizeikräften die Ortseingänge und die Lieferungen, die von Wehrkräften im Ort verteilt werden.

Im Neustädter Rennsteighotel und Gasthaus Hubertus bleiben derweil die Zimmer leer. Geschäftsführer André Leipold hat die Zuversicht trotzdem nicht verloren: „Wir haben ja jetzt so etwas wie Hausarrest. Im Großen und Ganzen hoffen wir aber, dass das ein gutes Ende nimmt“, sagt er unserer Zeitung.

Live-Blog Coronavirus: 449 Infizierte - Kontaktverbot ab Mittwoch in Thüringen - Auswirkungen der Kontaktsperre

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren