Alltag im Ersten Weltkrieg

Gestern brachten viele Erfurter zu einem Aktionstag die Erinnerungsstücke ihrer Familien in die Stadtbibliothek. Dort wurden sie gesichtet, beurteilt und für Forschungszwecke ins Internet gestellt.

Bilder, Feldpostkarten, Pässe, Urlaubsscheine – diese und andere Alltagsdokumente über den Ersten Weltkrieg wurden gesammelt und gesichtet.  Foto: Marco Schmidt

Bilder, Feldpostkarten, Pässe, Urlaubsscheine – diese und andere Alltagsdokumente über den Ersten Weltkrieg wurden gesammelt und gesichtet. Foto: Marco Schmidt

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Erfurt. "Ich habe hier drei Feldpostkarten, aus dem Nachlass meines Großvaters. Es ist alles in Sütterlin geschrieben, ich kann es gar nicht lesen." Mit diesen Worten kam gestern Nikolaus Hartung in die Stadtbibliothek am Domplatz.

Dort fand der Aktionstag "Erster Weltkrieg in Alltagsdokumenten" statt. Bürger waren aufgerufen, persönliche Erinnerungsstücke der Zeit zwischen 1914 und 1918 mitzubringen, damit sie beschrieben, fotografiert, ins Internet gestellt und für die Forschung aufbereitet werden können.

Wissenschaftlich vorbereitet werden soll damit einerseits der 100. Jahrestag des Ersten Weltkrieges in drei Jahren. Ziel sei es aber auch, so der Historiker Frank Drauschke, die privaten Erinnerungen von Menschen verschiedener Nationen an die "Urkatastrophe" zu sichern und zugänglich zu machen.

Drauschke leitete gestern in der Stadtbibliothek das Team aus elf Helfern an. Zu den bisher vier Aktionstagen in den vergangenen Wochen in Frankfurt/Main, Berlin, München und Stuttgart hätten die Bürger nicht nur Einzeldokumente, sondern teils kistenweise Material und Erinnerungsstücke gebracht, vom Tagebuch über Bilder, Uniformteile, auch ein Messer aus einem Granatsplitter, einen Aschenbecher aus einem Propeller . . . Insgesamt 15 000 digitale Aufnahmen seien bisher von rund 700 Objekten gemacht worden.

Entstanden ist die Idee des privaten historischen Berliner Forschungsinstitutes Facts & Files schon im Jahr 2008 nach einer Aktion in Großbritannien. Am 24. März 2011 war der Start in Deutschland.

In den nächsten Monaten soll die Aktion auch in Dresden, Kiel und Regensburg stattfinden. Weitere Aktionstage sind in Kooperation mit der Deutschen Nationalbibliothek und der Universität Oxford auch in Städten in Frankreich, Belgien, Österreich, Italien und anderen europäischen Ländern geplant. Insgesamt zehn europäische Länder sollen sich beteiligen. "Interessant wird der unterschiedliche Blick, die unterschiedlichen Erfahrungen von Menschen verschiedener Nationen mit dem Ersten Weltkrieg sein", sagt Frank Drauschke. Dies werde den Wert der Sammlung ausmachen. So entstand ein Film über den Gefreiten der Royal Air Force Bernard Darley, der ein Feuer in einem britischen Luftwaffenstützpunkt in St. Omer/Frankreich löschen sollte. Bei dem Einsatz half ihm der deutsche Kriegsgefangene Otto Arndt der 139. Kriegsgefangenenkompanie. In dem Film werden Spuren von Otto gesucht und man erfährt seine Geschichte.

Vielleicht erfährt auch Herr Hartung noch etwas zur Geschichte seiner Feldpostkarten.

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