Bürger klagen über nächtlichen Lärm durch Sondersignale

Erfurt. Kellerbrand im Klinikum. Feuer durch Sperrmüll am Gagarin-Ring - die Erfurter Berufsfeuerwehr rückt zu jeder Tages- und Nachtzeit aus, oft mit Blaulicht und Martinshorn. Nicht immer haben Bürger Verständnis, wenn nachts um drei Uhr Feuerwehr und Rettungsdienst mit Sondersignalen über den menschenleeren Juri-Gagarin-Ring, die Haarbergstraße oder die NQV (Nördliche Querverbindung ) fahren.

An der Feuerwache Süd rückt ein Rettungsfahrzeug mit Sondersignal aus, wie im Straßenspiegel gegenüber zu sehen ist. Foto: Marco Schmidt

Foto: zgt

Dies ärgerte auch unseren Leser Eberhard Pfeifer. Nicht nur, dass von der neuen Feuerwache 2 im Südosten der Stadt die Einsatzfahrzeuge öfter über den Hintereingang in der Haarbergstraße ausrücken. "Unverständlich ist", schrieb er an die TA, "dass häufig die Haarbergstraße und die Kranichfelder Straße für Einsatzfahrzeuge genutzt werden, obwohl es eine bessere und schnellere Verbindung über die Wilhelm-Wolff-Straße und Rudolstädter Straße mit weniger Ampeln und breiterem Ausbau gibt." Heulende Sirenen und Blaulicht würden hier den Bewohnern häufig den Schlaf rauben.

Das Thüringer Innenministerium erklärt auf Anfrage, wie der Einsatz von Blaulicht und Sirene für Feuerwehr, Polizei und und Rettungsfahrzeuge geregelt ist: in den Paragrafen 35 und 38 der Straßenverkehrsordnung. Bundesweit einheitlich also.

"Blaues Blinklicht zusammen mit dem Einsatzhorn darf nur verwendet werden, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden, eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwenden, flüchtige Personen zu verfolgen oder bedeutende Sachwerte zu erhalten. Es ordnet an: Alle übrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen", heißt es im Paragraf 38.

Freie Bahn entscheidet über rettende Sekunden

Eine Ausnahme gibt es für die Polizei, wenn sie zu einem Einsatz gerufen wird, wo sich ein vermeintlicher Täter womöglich noch am Ort seiner Straftat aufhält. Dann können Sonderrechte auch ohne Signalhörner und Blaulicht beansprucht werden.

Ob bei Feuerwehr und Rettungsfahrzeugen das Signal einzuschalten ist, wird bereits in der Einsatzzentrale entschieden, wenn der Notruf eingegangen ist. "Wenn Menschenleben in Gefahr sind, dann müssen die Sondersignale eingeschaltet werden", sagt Tobias Bauer, der Chef der Erfurter Feuerwehr. Nur dann nämlich dürfen diese Fahrzeuge schneller als alle anderen fahren und auch bei Rot die Kreuzungen passieren.

Möglich sei es lediglich, ohne Signalhorn, nur mit Blaulicht zu fahren. Voraussetzung ist jedoch, dass jeder auf der Straße die Einsatzfahrzeuge wahrnimmt, auch in Nebenstraßen.

"Freie Bahn ist nötig, wenn Sekunden entscheiden. Wir machen nicht absichtlich Krach, um anderen den Schlaf zu stören", sagt auch der Feuerwehrmann Karsten Saupe von der Erfurter Berufsfeuerwehr. Schließlich erwarte jeder, der selbst in Not gerät, dass möglichst rasch Helfer zur Stelle sind. Nachts gäbe es nicht selten Probleme, weil Autofahrer mit lauter Musik im Auto unterwegs sind und die Einsatzfahrzeuge gar nicht bemerken. Auch gäbe es immer wieder unübersichtliche Stellen, wie etwa die langgezogene Kurve der Stauffenbergallee mit vielen Kreuzungen.

Gut erinnern kann sich mancher Erfurter Feuerwehrmann an einen Unfall, der sich vor etwa zwei Jahren am südlichen Juri-Gagarin-Ring nachts ereignete. Die Feuerwehr selbst hatte dort damals einen Unfall, weil ein Pkw -Fahrer die Einsatzfahrzeuge nicht bemerkt hatte.

Im Falle von Herrn Pfeifers Beschwerde über den Krach in der Haarbergstraße gab es dieser Tage ein Gespräch, mit Feuerwehrleuten und Mitarbeitern der Rettungsdienste. "Künftig sollen die Einsatzfahrzeuge die Wilhelm-Wolff-Straße benutzen", verspricht Tobias Bauer.

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