Kampf um die Kohle: Der lange Weg einer Hartz-IV-Empfängerin

Was eine Hartz-IV-Empfängerin unternehmen musste, um vom Jobcenter genug Heizmaterial für den Winter bewilligt zu bekommen.

34 Zentner Kohle stehen einem Hartz-IV-Empfänger, der in einem Ein- bis Zwei-Personen-Haushalt lebt, pro Winter offiziell zu. 42,5 Zentner sind es in Familien mit drei oder vier Personen. Wer mehr braucht muss manchmal darum kämpfen. Foto: Claudia Bioly

34 Zentner Kohle stehen einem Hartz-IV-Empfänger, der in einem Ein- bis Zwei-Personen-Haushalt lebt, pro Winter offiziell zu. 42,5 Zentner sind es in Familien mit drei oder vier Personen. Wer mehr braucht muss manchmal darum kämpfen. Foto: Claudia Bioly

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Eisenberg. Es wird kalt. Höchste Zeit, Kohlen zu ordern, wer noch welche braucht. Aber so einfach ist das nicht, zumindest nicht, wenn man "Hartz-IV"-Empfänger ist. Diese Erfahrung hat eine Frau Anfang 60 (ihr Name soll lieber nicht in der Zeitung stehen, denn in dem kleinen Ort bei Bürgel kennt jeder jeden) gemacht, die sich mit ihrem Problem jetzt an die Zeitung gewandt hat.

Seit Jahren kämpft sie mit der Arge, die jetzt Jobcenter heißt, um genügend Kohlen. "Jahrelang wurden mir nur 42 Zentner pro Winter bewilligt, das hat aber nie gereicht", erzählt die Frau, die mit ihrem Mann, der Erwerbsunfähigkeits-Rente bezieht, inzwischen allein im Haus wohnt. "Wir haben uns manchmal zu Weihnachten von Eltern und Schwiegereltern Kohlen schenken lassen."

"Immer hieß es, mehr würde mir nicht zustehen. Aber als ich dann mal zufällig an eine andere Sachbearbeiterin geriet, sagte die, es gebe die Möglichkeit, mehr zu bekommen", berichtet die Frau. Sie stellte einen Antrag auf mehr, doch der wurde abgelehnt. Da schaltete sie einen Anwalt ein. Daraufhin - und nachdem eine Mitarbeiterin der Arge sich bei ihr zu Hause die schwierige Wohnsituation angesehen hatte - lenkte die Arge im September 2010 ein: "Nach Prüfung ihrer Wohnverhältnisse und ihren Angaben, dass in den letzten Jahren durchschnittlich 140 Zentner Kohlen jährlich benötigt wurden, wird dem Kauf von 70 Zentnern Kohlen zugestimmt." Die andere Hälfte stand ihrem Mann zu. So weit so gut - für den vergangenen Winter.

"Jetzt ging der ganze Ärger wieder von vorn los", klagt die Frau. Für diesen Winter beantragte sie wieder 70 Zentner Kohlen. Das Jobcenter lehnte wieder ab. Wieder ging die Frau zum Anwalt, legte Widerspruch ein. Und wieder ging’s dann auf einmal doch: "Nach nochmaliger Überprüfung der Sach- und Rechtslage…", teilt das Jobcenter mit, werden nunmehr "die Kosten für 70 Zentner Kohlen… übernommen."

Der Bescheid ist vom 11. Oktober. Bekommen hat die Frau die komplette Lieferung Kohlen aber immer noch nicht. Denn erstens liefert der Kohlehandel erst, wenn das Geld überwiesen ist - wohl auf Grund schlechter Erfahrungen -, und zweitens enthielt die bewilligte Summe erstmal nur einen Teil der Kosten und nicht die Endrechnung. Es brauchte noch etliche Tage und einen weiteren Besuch beim Jobcenter, bis auch das geklärt war. Zum Glück hatte die zuständige Mitarbeiterin im Brennstoffhandel Mitleid mit der Frau und ihr inzwischen vorab 25 Zentner Kohle liefern lassen. Der Rest soll nächste Woche kommen.

Das Jobcenter hat die Zahlung inzwischen angewiesen, sagt Geschäftsführerin Brigitte Liebau auf Anfrage. "Wir haben der Bedarfsgemeinschaft jetzt wieder 140 Zentner bewilligt." Für die Frau sei inzwischen, nach interner Umstrukturierung, auch eine andere Sachbearbeiterin zuständig.

Die Betroffene ist trotzdem sauer, wie sie "beim Arbeitsamt" behandelt und immer wieder vertröstet worden war. "Wieso kann das immer erst mit Anwalt geklärt werden?!", ist der Vorwurf, den die Frau dem Jobcenter macht. "Die Kosten dafür muss ja jedesmal die Allgemeinheit tragen." Darunter zu leiden aber haben sie selbst und ihr Mann. In den vergangenen Nächten waren die Temperaturen schon mehrfach unter null. "Ohne Anwalt und ohne die nette Frau vom Kohlehof wären wir verloren gewesen."

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