Lange Nacht der Museen am 23. Mai in Jena: Teddy Brumm und die Kosmonauten

Lange Nacht der Museen bietet unter anderem lebendige Geschichte auf alten 16-Millimeter-Filmen.

Schon fast prähistorisch wirkt heute dieser Projektor für 16-Millimeter-Filme, auf dem zur Museumsnacht von Kerrin Klinger und Michael Markert im Hörsaal des Phyletischen Museums alte Unterrichtsfilme gezeigt werden. Foto: Michael Groß

Schon fast prähistorisch wirkt heute dieser Projektor für 16-Millimeter-Filme, auf dem zur Museumsnacht von Kerrin Klinger und Michael Markert im Hörsaal des Phyletischen Museums alte Unterrichtsfilme gezeigt werden. Foto: Michael Groß

Foto: zgt

Jena. Vom Glück des Findens handelt die Lange Nacht der Museen in Jena am 23. Mai. Und solch ein Glück ist wohl auch der Fundus, aus dem zur Nacht der Museen einige Kostproben zu sehen, zu hören, eben einfach zu erleben sind. Denn ein Erlebnis sind sie - die 40 bis 50 Jahre alten Unterrichtsfilme aus dem "Laboratorium der Objekte" der Jenaer Universität.

Flackernd werden sie vom laut knatternden Filmprojektor an die Leinwand geworfen und wollen den Zuschauern auf ­diese Weise höchst lebendige Geschichte präsentieren. Wie waren solche Lehrfilme für Schulen und Studenten zu DDR-Zeiten aufgebaut? Was können sie heute noch mitteilen von der damaligen Zeit, ihren Ansprüchen, Ansichten, Wünschen und Zwängen? Und ­welche besondere Atmosphäre strahlen sie noch heute aus? Ist ihnen im heutigen Zeitalter der superschnellen und all zu flüchtigen Bilder sogar eine ganz ­besondere Ästhetik eigen?

Alles Themen, die am 23. Mai von 18 bis 21 Uhr im Hörsaal des Phyletischen Museums hoffentlich viele Besucher bewegen werden. Das wünschen sich die beiden promovierten Wissenschaftshistoriker Kerrin Klinger und Michael Markert. Sie ­gehören zu den Mitarbeitern des "Laboratoriums der Objekte" am Ernst-Haeckel-Haus. Schön wäre es, so Michael Markert, wenn vielleicht von den Gästen manche Frage aufgeworfen wird und es zu interessanten Gesprächen kommen könnte.

"Wir werden auf jeden Fall eine große Kiste von Filmrollen mitbringen", kündigt Kerrin Klinger schon mal an. "Und wir werden auch Wünsche von Besuchern versuchen zu erfüllen."

Die Palette der 16-Millimeter-Filme ist breit. Da ist der Puppentrickfilm "Teddy Brumm" genauso dabei wie etwa ein "Flug in die Zukunft" - natürlich mit Kosmonauten und Sojusraumschiffen, wie das in den 1970er-Jahren sehr populär gewesen ist. Aber auch Filme über das Wirken junger Naturforscher, über das Verhalten von Bienen und Einzellern oder auch Literaturverfilmungen können über die Leinwand flimmern. Nicht zu vergessen Filme mit alten Bekannten wie etwa Lenin. Viel in schwarz-weiß, aber auch in Farbe und zumeist mit Ton. Mancher wird bestimmt an dem langen Museumsabend hier einige Jugenderinnerungen wecken können und sich damit auch gleichzeitig in manch schöne oder weniger schöne Episode der eigenen Schulzeit zurückversetzt fühlen. Für Katy Kasten-Wutzler, die die Museumsnacht für Jena-Kultur betreut, ist es Zeitgeschichte, die auf diese Weise erlebbar werden kann. Das dürfte auch für viele Menschen interessant sein, die nicht die DDR-Ära erlebt haben.

Das können auch die beiden Wissenschaftshistoriker Markert und Klinger bestätigen. Bei schon einmal vorgeführten ­Filmen aus dem Laboratorium seien vor allem Kinder geradezu gebannt davon gewesen.

Die Filme sind übrigens durch die Auflösung der Bildstelle des Schulamtes in Weimar für wissenschaftliche Zwecke an die Universität Jena gekommen. Im Rahmen des von der Wissenschaftsstiftung "Mercator" geförderten Sammlungsprojekts "Samm-Lehr" werden sie in Jena ausgewertet, aufgearbeitet und als authentische Quellen der ­Geschichte bewahrt.

Wie man dann am 23. Mai in den Hörsaal des Phyletischen Museums gelangt, um die Luft dieser noch jungen Filmhistorie atmen zu können, das wird dann am jenem Abend vor Ort auch ausgeschildert sein.

Natürlich gibt es zur Museumsnacht noch viel mehr. So wird auch das Bienenhaus der Universität am Steiger 3 dabei sein. An den Bienenständen gewährt die Imkerin Elke Woker von 18 bis 20 Uhr Einblicke in die faszinierende Welt von Bienenvölkern. Von 17 bis 21 Uhr kann der Ernst-Abbe-Tempel besichtigt werden. Im Botanischen Garten werden von 18.30 bis 20.30 Uhr botanische Fundstücke aus fernen Ländern vorgestellt und zu später Stunde kann man auch zu einer Lesung von Goethe- und Schiller-Texten ins Inspektorenhaus am Botanischen Garten kommen - um nur einige Beispiele zu nennen.

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