Pralinen, Tanz und Hochzeiten

Gebesee  Im „4 Jahreszeiten-Hof“ am Ende der Siedlung Gebesee wird fast an jedem Wochenende gefeiert

Von September bis Mai ist Pralinensaison. In diesem Zeitraum bietet Kathrin Zillinger Pralinenkurse an, in denen sie ihr Wissen über die Herstellung der Süßigkeiten mit den Kursteilnehmern teilt – vom Schokoladenabschnitt bis zur Verpackung der Leckereien. Foto: Schwarz

Von September bis Mai ist Pralinensaison. In diesem Zeitraum bietet Kathrin Zillinger Pralinenkurse an, in denen sie ihr Wissen über die Herstellung der Süßigkeiten mit den Kursteilnehmern teilt – vom Schokoladenabschnitt bis zur Verpackung der Leckereien. Foto: Schwarz

Foto: zgt

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Das Kopfsteinpflaster der schmalen Straße scheint ebenso alt zu sein wie die Häuser, zu denen sie führt. Die drei Kilometer von der B4 entfernte Siedlung von Gebesee wurde nach dem Ersten Weltkrieg errichtet, für Siedlungswillige, die ihre Heimat in den deutschen Ostgebieten durch den Versailler Vertrag an Polen verloren. Nach 1919 wurden zwischen Gebesee und Dachwig von der Siedlungsgesellschaft „Sachsenland“ Teile des Rittergutes in Gebesee aufgekauft, auf denen insgesamt 18 Siedlerhäuser gebaut wurden.

Weitere Häuser und Gutshöfe kamen später dazu, 1943 auch ein Gasthof, die „Gastwirtschaft Stockhaus & Lehmann“. Mit viel Fantasie kann heute noch ein Schriftzug gedeutet werden, der an dem alten Gebäude auf die Gastwirtschaft hinweist.

Im Inneren kann noch der Spruch „Alter Wein und junge Weiber sind die besten Zeitvertreiber“ an der Wand entziffert werden. Noch – denn die Tage der Ruine sind gezählt. Sie soll abgerissen werden – um den Blick freizugeben auf den Rest des dazugehörenden Vierseitenhofs. Der als solcher kaum noch zu erkennen ist, und der sich ständig weiter verändert, seit Mathias und Kathrin Zillinger erstmals Hand anlegten.

1994 waren der Ingenieur und die Diplom-Mathematikerin von Erfurt in die Siedlung in ein Eigenheim gezogen. Den Hof am Ende der Siedlung kannten sie nur von Spaziergängen – nur von außen. Dann wurde angekündigt, dass das Grundstück zwangsversteigert wird – und die Zillingers nutzten die Gelegenheit – und erhielten den Zuschlag. Worauf sie sich eingelassen hatten, merkten sie erst danach. Zwei Jahre dauerte es, bis das 6000 Quadratmeter große Anwesen entrümpelt war. Seit 2008 sind beide in jeder freien Minute mit dem Um- und Ausbau beschäftigt.

Die gemeinsame Leidenschaft hatte von Beginn an diktiert, wohin die Reise bei der Sanierung gehen soll. Es sollte vor allem viel Platz geschaffen werden, um zu tanzen. Platz, der in der ehemaligen Scheune gefunden wurde, die zu einer „Kulturscheune“, zu einem 60 Personen fassenden Veranstaltungsraum ausgebaut wurde. Seit 2012 wird darin nicht nur regelmäßig getanzt, er wird auch für alle nur denkbaren Feierlichkeiten vermietet. Etwa 20 Hochzeiten wurden seitdem schon am Ende der Siedlung gefeiert (darunter eine Freie) – und auch in diesem Jahr wurde für den schönsten Tag des Lebens bereits reichlich reserviert. Seit zwei Jahren gibt es im Dachgeschoss der Scheune fünf Pensionszimmer mit elf Betten, was den Aufenthalt in der Siedlung noch attraktiver macht.

Außerdem wird regelmäßig zum Tanzkreis, zu Yoga und Zumba eingeladen – und zu Pralinenkursen, der zweiten großen Leidenschaft der Hausherrin. Dafür wurde eine eigene Werkstatt eingerichtet, in der bis zu zehn Kursteilnehmer werkeln können. Und im Frühjahr und im Herbst werden kleinere Veranstaltungen organisiert. Im Januar war bereits das Erfurter Kabarett „Die Arche“ zu Gast, am Samstag waren „Elvis & The Boogieman’s“ vor Ort und für den Oktober hat sich das Musikkabarett „Kalter Kaffee“ angekündigt.

Die verbleibende Restzeit des Jahres wird von Mathias und Kathrin Zillinger auf einer der vielen Baustellen auf dem Gelände verbracht. Beide sehen es als Ausgleich für ihre Schreibtisch-Jobs. Sie sind mit Begeisterung dabei. Und vielleicht möchte ihnen jemand ja nacheifern – derzeit wird gerade wieder ein Grundstück in der Siedlung zwangsversteigert...

Info: www.4jahreszeiten-hof.de

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