Mit dem Drachen Emil durch 85 Jahre eines Familienverlages

Weimar  Eine Ausstellung im Druckgrafischen Museum Pavillon-Presse ist dem Weimarer Knabe Verlag zum 85. gewidmet

Mehr als 50 Gäste kamen zur Eröffnung der Ausstellung in die Scherfgasse, darunter Autoren, Grafiker und Illustratoren. Für den historischen Exkurs gewann Steffen Knabe (rechts) Dr. Jens Kirsten vom Thüringer Literaturrat (links).

Mehr als 50 Gäste kamen zur Eröffnung der Ausstellung in die Scherfgasse, darunter Autoren, Grafiker und Illustratoren. Für den historischen Exkurs gewann Steffen Knabe (rechts) Dr. Jens Kirsten vom Thüringer Literaturrat (links).

Foto: Michael Baar

Das Druckgrafische Museum „Pavillon-Presse“ hat am Freitagabend eine Ausstellung zur Gründung des Knabe Verlages vor 85 Jahren eröffnet. Unter dem Titel „Vom bunten Spielzeugdorf zum Drachen Emil“ wirft die Schau einen Blick auf die Geschichte des alten wie des neuen Verlagshauses in Familienhand.

Für den historisch fundierten Blick gewann Verleger Steffen Knabe zur Eröffnung Dr. Jens Kirsten. Er hatte zum Jahreswechsel 2009/10 eine erste Ausstellung zur Verlagsgeschichte gestaltet und scheiterte folgerichtig daran, 85 Jahre in achteinhalb Minuten zu fassen.

Gegründet wurde die „Weimarer Druck und Verlagsanstalt Gebrüder Knabe“ 1932 von Karl Friedrich Knabe – Steffen Knabes Urgroßvater – im Lutherhof. Er war zuvor mehrere Jahre als Verlagsdirektor für den Panse-Verlag Weimar tätig, der seinen Sitz in der Scherfgasse 5 hatte. So schloss sich mit dem Ausstellungsort zum 85. auch der Kreis.

Der Verlag hatte nur vier Mitarbeiter, aber Setzerei, Druckerei und Buchbinderei. Er produzierte Gelegenheitsdrucke und heimische Belletristik. Eine Bastelbuchreihe blieb bei zwei von zehn Ausgaben stecken.

Nach dem Krieg versuchten die Brüder Gerhard und Wolfgang den Neustart. Das „Kleine Fremdwörter-Verdeutschungs-Buch“ von Gerhard Knabe machte den Anfang. Mit dem „Bunten Spielzeugdorf“ wandte sich eine erste Publikation an Kinder und begründete mit Zeichnungen von Horst Michel auch eine Illustrationstradition für den Verlag. Dass dieser sich schon bald ganz auf Kinder und Jugendliche von 8 bis 16 Jahre konzentrierte, ist für Jens Kirsten einer Überlebensstrategie geschuldet. Bis 1983 erschienen so 270 Titel von 110 Autoren.

Mit dem Tod von Gerhard Knabe schien das Schicksal des Verlages besiegelt. Steffen Knabe aber schlug dem Schicksal ab 2007 ein Schnippchen. Zwar gab er seine Idee zur Produktion von Hörbüchern bald auf. Stattdessen entdeckte er das Buch für sich, legte die erfolgreiche Jugendbücherei neu auf und begann neue Reihen.

Die Ausstellung kann mit Erscheinungen aus den Gründungsjahren aufwarten, mit Verlagskorrespondenz, Gemälden, Originalillustrationen und vielen Büchern bis hin zum erfolgreichsten Neuling: dem Drachen Emil. – Die Ausstellung ist bis zum 9. August 2018 montags und freitags von 13 bis 17 Uhr an der Scherfgasse 5 zugänglich.mb