Mit einem Koffer voller Eindrücke zurück in der Heimat

Ruhla  Die Grundschulleiterin Manja Güldenpfennig und Pfarrer Gerhard Reuther aus Ruhla besuchten Paten in Ruanda

Manja Güldenpfennig und ihr Ehemann Michael mit Schülern in Kigali, der Hauptstadt Ruandas. Foto: privat

Manja Güldenpfennig und ihr Ehemann Michael mit Schülern in Kigali, der Hauptstadt Ruandas. Foto: privat

Foto: zgt

Über den Tellerrand hinaus schauen und Verantwortung übernehmen, das möchte das Team um Manja Güldenpfennig von der Evangelischen Grundschule in Eisenach ihren Schützlingen beibringen. Deshalb übernahmen sie eine Bildungspatenschaft für Dina in Ruanda. Dorthin führte ihre Reise in den Winterferien.

Seit zwei Jahren nun schon gehört das neunjährige, gehörlose afrikanische Mädchen Diana zum Schulalltag der Eisenacher Kinder. Die Erst- bis Viertklässler wissen, dass Dina, wie schon zuvor der kleine Prince, nur mit ihrer Hilfe überhaupt eine Schule besuchen kann. Das Geld für Schulkleidung, Bücher oder die Matraze im Internat ist für manche Eltern und Angehörigen dieser Kinder nicht aufzubringen.

Der für hiesige Verhältnisse finanziell überschaubare monatliche Obolus, der über das Bildungs-Patenschafts-Projekt des Ökumenischen Eine-Welt-Kreises Erbstromtal diesem Kind zugutekommt, ist eine Chance, das Leben selbst in die Hand nehmen zu können.

Joyce und Brown meistern ihr Leben

Dass es funktionieren kann, beweisen Joyce und Brown, heute 25 Jahre alt. Mit ihnen fing vor genau 10 Jahren das Bildungsprojekt an. Ein Ehepaar aus Ruhla übernahm damals für die beiden ebenfalls gehörlosen Mädchen die erste Patenschaft. Die ehrgeizigen Mädchen konnten studieren und bestreiten heute, obwohl sie als IT-Spezialistinnen bisher keine Anstellung fanden, ihren Lebensunterhalt selbst. Brown gründete eine Schneiderei, in der sie selbst entworfene und genähte Taschen und Kleidung anbietet, und ihre Freundin Joyce sorgt für den entsprechenden Internetauftritt.

Davon konnten sich Manja Güldenpfennig und ihr Ehemann Michael jetzt selbst ein Bild machen. Sie trafen sich in den Winterferien mit dem evangelischen Pfarrer Gerhard Reuther aus Ruhla in Kigali, der Hauptstadt Ruandas. Für Dina hatten sie unter anderem einen Bildband mitgenommen, in dem vom Schulalltag in Eisenach berichtet und Zeichnungen beigelegt waren. Darüber habe sich das Mädchen besonders gefreut, konnte sie doch vergleichen.

Pädagoge hält Paten auf dem Laufenden

In Ruanda besucht Diana mit Hilfe der Patenschaft eine vergleichbare europäische Schule eines katholischen Schwesternordens. Pfarrer Gerhard Reuther war bereits zwei Wochen zuvor nach Äthiopien und anschließend nach Ruanda gereist (wir berichteten), um sich unter anderem mit Verantwortlichen vor Ort zu treffen und organisatorische Dinge zu klären.

Anfänglich habe man mit unterschiedlichsten Kooperationspartnern in Ruanda zusammengearbeitet, berichtet Reuther. Das habe nicht immer so zufriedenstellend geklappt. Deshalb sei man froh, seit 2015 den pensionierten Sozialpädagogen Dietmar Mauermann aus Düsseldorf vor Ort zu wissen, der das Projekt in Ruanda verwaltet und leitet. Mauermann sorgt auch dafür, dass die Paten in Deutschland über ihre Schützlinge im fernen Afrika auf dem Laufenden gehalten werden.

Oft muss der pensionierte Sozialpädagoge weite Strecken fahren. Da er die Arbeit ehrenamtlich ausführt, decken die zehn Prozent, die aus dem Patenschaftsbeitrag für organisatorische Dinge abgezweigt werden, nicht aus. „Wir müssen also zukünftig verstärkt nach Sponsoren suchen, um den Kompensationsfond zu füllen“, weiß der evangelische Pfarrer. Außerdem: In zwei Jahren wird Dietmar Mauermann 70 Jahre alt und möchte nach Deutschland zurückkehren. Dann benötigt man neue, zuverlässige Kooperationspartner. Auch diese Dinge galt es, während des Aufenthaltes zu klären.

„Wir sind mit einem Koffer voller Eindrücke wiedergekehrt“, erzählt Manja Güldenpfennig. Die Grundschüler zuhause warten bereits neugierig auf den Reisebericht. „Es ist wichtig, dass unsere Kinder wissen, dass es nicht überall selbstverständlich ist, den Wasserhahn aufzudrehen, um Trinkwasser zu erhalten oder täglich Brot zu haben.“

Kontakt und Information: Evangelischer Kirchgemeinde Ruhla-1Welt-Kreis; www.st-concordia.de ; Email: 1World@st-concordia.de

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