Nach Bluttat in Halle: Thüringer Polizei verstärkt Sicherung jüdischer Einrichtungen

Erfurt  Zwei Tote bei Angriff auf Synagoge und Döner-Imbiss in Halle. Behörden vermuten rechtsextremistischen Hintergrund.

Nach den Schüssen in Halle wurden überall in Deutschland die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.

Nach den Schüssen in Halle wurden überall in Deutschland die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.

Foto: Jan Woitas

Die Polizei in Thüringen hat gestern nach dem schwer bewaffneten Angriff in Halle/Saale mit der intensiven Sicherung jüdischer Einrichtungen im Freistaat begonnen. Zudem sind entlang der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt, aber auch auf den Autobahnen durch Thüringen, verstärkt Polizeifahrzeuge und Beamte im Einsatz.

Es bestehe keine konkrete Gefahr, sagte eine Polizeisprecherin. „Die Thüringer Polizei unterstützt die Fahndungsmaßnahmen nach dem oder den flüchtigen Tätern.“ Nach Informationen dieser Zeitung forderte die Polizei in Sachsen-Anhalt Teile des Thüringer Spezialeinsatzkommandos (SEK) an.

Am Mittwoch hatte kurz nach Mittag in Halle offenbar ein schwer bewaffneter Angreifer zwei Menschen in der Nähe einer Synagoge und in einem Döner-Imbiss erschossen.

Kampfanzug samt Helm

Der mutmaßliche Einzeltäter soll einen Kampfanzug samt Helm getragen haben. Der Angreifer habe versucht, ins Innere der Synagoge einzudringen.

Etwa zwei Stunden nach der Tat konnte die Polizei in Halle eine Festnahme vermelden. Zu diesem Zeitpunkt wurden weitere schwer bewaffnete Angreifer noch auf der Flucht vermutet.

Am Abend hoben die Behörden die Gefährdungslage für Halle wieder auf. Die Ermittlungen hatten ergeben, dass es sich bei dem festgenommenen Mann um den Angreifer handeln soll, der als Einzeltäter gehandelt und seine Tat offenbar mit einer Helmkamera gefilmt haben soll.

Kurz nach der Bluttat hat der Generalbundesanwalt die Ermittlungen zur Schießerei an sich gezogen. Ermittelt werde wegen Mordes von besonderer Bedeutung, berichten mehrere Medien. Die Tat hat laut Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sehr wahrscheinlich ein rechtsextremistisches Motiv. „Nach Einschätzung des Generalbundesanwalts gibt es ausreichend Anhaltspunkte für einen möglichen rechtsextremistischen Hintergrund“, teilte Seehofer mit.

Hinweise auf antisemitische und rechtsextreme Motive

Am Abend berichtet das Magazin Spiegel über einen Stephan B. genannten Einzeltäter, der ein 27 Jahre alter Deutscher sein soll und aus Eisleben in Sachsen-Anhalt stamme. Sein selbst gedrehtes Video soll die Morde, aber auch klare Hinweise auf antisemitische und rechtsextreme Motive zeigen.

Entsetzen, Trauer und Angst herrschen in der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen. Man habe immer wieder auf die Zunahme antisemitischer Vorfälle aufmerksam gemacht, so der stellvertretende Vorsitzende Juri Goldstein. „Wir sind sehr besorgt, wie die Entwicklung weitergeht. Von der Politik und den Ermittlungsbehörden erwarten wir jetzt schnelle Aufklärung.“

„Heute am Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, wurden zwei Menschen vor einer Synagoge ermordet. Wir, die Ahmadiyya Muslim Jamaat, verurteilen diesen perfiden Anschlag aufs Schärfste!“, erklärte Mohammad Suleman Malik, Sprecher der muslimischen Gemeinde in Erfurt.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sagte: „Die Brutalität des Angriffs ist für alle Juden in Deutschland ein tiefer Schock.“

Razzien wegen zahlreicher Drohbriefe auch in Thüringen

Erfurt. Am Mittwoch wurden im Auftrag der Generalstaatsanwaltschaft München und des bayrischen Landeskriminalamtes in vier Bundesländern, darunter in Thüringen und Sachsen-Anhalt, insgesamt sieben Objekte durchsucht. In Thüringen waren die Ermittler im Raum Suhl im Einsatz. Den sieben Beschuldigten wird vorgeworfen, im Juli 23 Drohschreiben gegen Moscheen, Parteizentralen und Medien verschickt zu haben. Diese waren unter anderem mit „Volksfront“, „Combat 18“ und „Blood and Honour“ unterschrieben, was rechtsextreme Motive vermuten lässt.

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