Apple Pay: Bezahlen mit Handy oder Uhr

Berlin  Viele Verbraucher können jetzt mit Apple Pay im Vorbeigehen ihre Rechnung begleichen – bargeldlos.

Apple Pay ist für Mastercard-Karteninhaber in Deutschland verfügbar.

Foto: obs/Mastercard Deutschland

Den Einkauf in Sekunden mit dem Handy oder einer Armbanduhr bezahlen. Das ist seit gestern auch für iPhone-Nutzer möglich. Denn nach jahrelangen Verzögerungen ist Apple Pay nun auch hierzulande gestartet. Damit ist nach Google auch der zweite große Anbieter für Mobil-Bezahllösungen auf dem deutschen Markt.

Die Erfolgschancen scheinen groß: Obwohl die meisten Verbraucher noch mit Bargeld bezahlen, erwartet einer Studie des Digitalverbandes Bitkom zufolge nur noch jeder fünfte Deutsche, das auch in 20 Jahren noch zu tun: Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was genau ist Apple Pay?

Apple Pay ist ein Zahlungssystem, das ausschließlich mit Apple-Geräten, etwa dem iPhone, genutzt werden kann. Dabei klappt das Bezahlen sowohl im stationären Handel als auch im Internet oder innerhalb von Apps.

Die Zahlung selbst wird über die Kreditkarte des Nutzers abgewickelt. Diese muss einmalig auf dem iPhone virtuell hinterlegt werden. Anschließend kann die Karte zu Hause bleiben – zum Begleichen der Rechnung genügt es dann, sein iPhone oder seine Armbanduhr Apple Watch an ein kompatibles Kartenterminal zu halten. Beim Onlineshopping kann man sich auf diese Weise bei teilnehmenden Webshops die Registrierung und die Eingabe der Zahlungsdaten sparen.

Wie funktioniert der Bezahlvorgang, wie richte ich ihn ein?

Um eine Kreditkarte für Apple Pay anzumelden, muss lediglich die „Wallet“-App auf dem Startbildschirm geöffnet werden. Dort tippt man auf „Karte hinzufügen“ und befolgt die Anweisungen. Generell lässt sich Apple Pay nur in Märkten nutzen, die an ihren Karten-Terminals kontaktlose Zahlung ermöglichen. Das erkennt man an einem kleinen Wellensymbol. Um einen Bezahlvorgang auszulösen, muss der Nutzer seinen Finger auf den Fingerabdrucksensor legen und dann die Oberseite des iPhones ganz dicht an das Bezahlterminal halten. Bei neueren iPhones mit Gesichtserkennung drückt der Nutzer stattdessen zweimal auf die seitliche Einschalttaste und entsperrt das Gerät dann mit seinem Gesicht. Wenn die Zahlung erfolgt ist, ertönt ein Signalton.

Wie sicher ist Apple Pay?

Der wohl wichtigste Vorteil gegenüber einer Zahlung mit Kreditkarte ist die sogenannte „Tokenisierung“. Vereinfacht bedeutet das: Die Kartennummer selbst wird weder auf dem iPhone noch auf Apples Servern gespeichert. Stattdessen wird beim Einrichten einer Kreditkarte bei der zuständigen Bank oder dem Kartenunternehmen eine verschlüsselte Ersatznummer, der Token, angefordert, der statt der Kartennummer zur Zuordnung von Zahlungen dient. Bei einer Zahlung muss neben dieser Nummer auch noch ein für jeden Bezahlvorgang neu erzeugter Sicherheitscode übertragen werden. Selbst wenn es Kriminellen gelänge, die übertragenen Daten abzufangen, wären sie nutzlos. Apple speichert zudem laut eigener Aussage keinerlei Transaktionsdaten, die Rückschlüsse auf die Nutzer zulassen.

Wer akzeptiert Apple Pay?

Im stationären Handel dürften etliche Unternehmen Apple Pay bereits unterstützen. Immerhin rund 80 Prozent aller Kartenterminals würden heute bereits kontaktlose Zahlungen und damit in der Regel auch Apple Pay akzeptieren, gibt das Kreditkartenunternehmen Mastercard an. Apple selbst nennt explizit außerdem große Ketten wie Aldi, Cyberport, Dm, Mc Donald’s oder Mediamarkt und Saturn und viele weitere. Online werden Anbieter wie Easyjet, Esprit, Flixbus, Mytaxi oder auch Zalando genannt.

Wofür kann man Apple Pay und Apples digitale Geldbörse „Wallet“ noch verwenden?

Apple Pay erlaubt nun etwa auch das Speichern digitaler Tickets, etwa für Sportveranstaltungen. Vorreiter ist Fußball-Bundesligist FC Bayern München: Dort können ab sofort nicht nur Tickets per Apple Pay bezahlt werden, Besucher müssen an den Drehkreuzen beim Eintritt ins Stadion ihr iPhone nur kurz über das Lesegerät halten und erhalten sofort Zutritt. Im Stadion selbst kann dann auch die Bratwurst oder Brezel per Apple Pay bezahlt werden. Die digitalen Tickets seien nicht nur deutlich bequemer, sie würden auch den illegalen Handel verhindern, erklärte Bayern-München-Chef Karl-Heinz Rummenigge dazu gestern in München.

Welche Geräte werden unterstützt?

Um Apple Pay nutzen zu können, benötigt man ein iPhone 6 oder ein neueres Gerät, auch das iPhone SE wird unterstützt. Ebenfalls kompatibel sind alle iPads ab dem iPad Air 2 oder dem iPad Mini 3. Darüber hinaus können alle Apple-Watch-Modelle für Apple-Pay-Zahlungen genutzt werden. Bei Mac-Computern ab 2012 ist für die Apple-Pay-Zahlung im Browser außerdem noch ein iPhone oder eine Apple Watch nötig. Bei neuen Macs mit Touch-ID-Fingerabdrucksensor klappt es auch ohne.

Welche Alternativen gibt es?

Für iPhone-Nutzer ist Apple Pay aktuell alternativlos. Denn Apple gibt das NFC-Funkmodul bislang nicht für andere Apps frei – es ist für die berührungslose Zahlung aber zwingend notwendig. Der im Juni gestartete Konkurrent Google Pay funktioniert ähnlich wie Apples Dienst, lässt sich aber nur auf Android-Geräten nutzen. Gleiches gilt auch für die App „Mobiles Bezahlen“ von den Sparkassen.

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