Vorsicht vor Schnäppchen-Strom

Erfurt/Weimarer Land  Betrüger wollen Kunden neue Verträge überhelfen. Expertentipp: Vertrags- und Zählernummer stets vertraulich behandeln.

Symbolbild.

Foto: Jan Woitas

Das Angebot klang durchaus vielversprechend: Schon ab Juni könne der Strom um 20 Prozent billiger sein – und der Kunde müsse dafür nichts weiter tun, als die Nummer seines aktuellen Vertrags preisgeben.

Doch so leicht ließ sich der Angerufene, ein Familienvater im Weimarer Land, nicht einwickeln. Ihm kam nicht nur merkwürdig vor, dass der Anrufer – angeblich ein Vertreter der Netzagentur, die das deutsche Stromnetz und die -zähler betreibt – mit Schweizer Vorwahl anrief. Er fragte auch nach, ob er die vermeintlich lukrative Offerte noch einmal schriftlich bekommen könne, woraufhin der Anrufer erwiderte, dass es nichts Schriftliches gebe. Es sei schließlich nicht möglich, Millionen Kunden anzuschreiben, zumal die Energieversorger selbst kein Interesse daran hätten, den Preisvorteil an die Endkunden weiterzugeben. „Aber Millionen Kunden anrufen – das geht“, dachte sich der Angerufene und legte sofort auf.

Eine vernünftige Entscheidung, wie Martin Schreiber, Sprecher der Teag Thüringer Energie AG, versichert. Denn das Ganze rieche doch sehr nach einer neuen Betrugsmasche und dem Versuch, für Bürger klammheimlich neue Stromverträge abzuschließen. Möglich ist diese simple Vorgehensweise durchaus: Wenn Betrüger zusätzlich zum Namen und zur Adresse die Kunden- oder Vertragsnummer haben, können sie einfach online ein Formular beim neuen Betreiber ausfüllen – und der übernimmt auch die Kündigung beim alten Versorger. Nicht einmal die Unterschrift wird dafür benötigt. Die Überraschung für die so „geworbenen“ Kunden ist dann in der Regel groß. Die Betrüger indes streichen die Provisionen vom neuen Anbieter ein.

Sensible Daten nie am Telefon oder an der Haustür herausgeben

Martin Schreiber rät deshalb dazu, sich auf derlei unerwünschte Telefonate gar nicht erst einzulassen: „Wir von der Teag rufen Kunden nur an, wenn sie selbst um einen Rückruf gebeten haben. Sonst nicht.“ Der Normalfall sei, dass der Energieversorger Kunden anschreibe oder aber persönlich aufsuche, wobei sich die Mitarbeiter mit Lichtbildausweis ausweisen können und in der Regel eine Teag-Montur tragen. Um auf Nummer sicher zu gehen, könnten Kunden bei einem Hausbesuch zudem im Beisein des Teag-Mitarbeiters im Kundencenter anrufen und sich bestätigen lassen, dass es sich wirklich um einen Vertreter der Teag handelt.

Sensible Daten wie Vertrags- oder auch Zählernummern sollten auf keinen Fall an der Haustür oder am Telefon herausgegeben werden: „Das wäre ein grober Fehler“, betont der Teag-Sprecher und appelliert an die Stromkunden, sich bloß keine Angst einjagen zu lassen. Die Nummern sollten auf jeden Fall vertraulich behandelt werden, gerade weil sonst viel Unheil zum Nachteil der Stromkunden angerichtet werden kann. Das Servicecenter der Teag prüfe in den Fällen, in denen ihm gegenüber nur die Vertragsnummer angegeben werde, in der Regel selbst anhand von Nachfragen etwa zum Geburtsdatum oder -ort noch einmal nach, ob alles seine Richtigkeit habe.

Wer sich dennoch überrumpeln lässt und ein paar Tage später ein Kündigungsschreiben seines alten Versorgers im Briefkasten findet, kann theoretisch den Klageweg beschreiten. Aber das kostet Geld, zudem ist Betrug schwer nachzuweisen. Stressfreier zum Ziel kommt man, indem man den falschen Vertrag widerruft – binnen 14 Tagen.

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