Sexueller Missbrauch: Warum ein 25-Jähriger mit Bewährung davonkommt

Gera.  Das Landgericht Gera hat einen 25-Jährigen wegen schweren sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung verurteilt. Dennoch muss er nicht ins Gefängnis.

Der Angeklagte mit Verteidiger Michael Eißner.

Der Angeklagte mit Verteidiger Michael Eißner.

Foto: Tino Zippel

Das Landgericht Gera hat am Mittwoch einen 25 Jahre alten Mann aus dem Altenburger Land zu einer Jugendstrafe verurteilt. Er hatte eingeräumt, sich in 45 Fällen des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes und in einem Fall einer Vergewaltigung schuldig gemacht zu haben. So begründet das Gericht, dass er trotzdem auf freien Fuß bleibt.

Mädchen beim Grillabend kennengelernt

Demnach hatte der damals 20-Jährige im Jahr 2015 eine Beziehung mit der 13-Jährigen geführt. Er war mit ihrem Bruder in eine Schulklasse gegangen. „Nach einem gemeinsamen Grillabend sind wir uns näher gekommen. Sie hatte schon vor mir Sex mit einem anderen“, sagt der Angeklagte, der regelmäßig an den Wochenenden einvernehmlich mit dem Mädchen schlief. In einem Fall war es zu einer analen Vergewaltigung gekommen. „Ich hatte Badesalz in der Zigarette geraucht“, sagt der Täter. „Die Vergewaltigung war nicht beabsichtigt von mir, ich stand unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln.“

Das Mädchen beendete daraufhin die Beziehung, zeigte ihn aber nicht an, „damit er sein Leben in den Griff bekommt“. Der Mann selbst beförderte den Vorfall Jahre später ans Tageslicht. In einer Chatgruppe zum Männertag 2019 gestand er die Vergewaltigung, wodurch sich die Jugendliche brüskiert sah. Die Familie ging zur Polizei und zeigte den früheren Freund an.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung beantragen Bewährungsstrafe

Staatsanwältin Anna Koch folgt der Empfehlung der Jugendgerichtshilfe, eine Bewährungsstrafe zu beantragen. Sie plädiert auf zwei Jahre Jugendstrafe, ausgesetzt zur Bewährung. Verteidiger Michael Eißner benennt ein Strafmaß von einem Jahr und acht Monaten, ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt.

Der Vorsitzende Richter Berndt Neidhardt verweist darauf, dass keine schädlichen Neigungen festzustellen waren, es keinerlei strafrechtliche Voreintragungen gab und der Angeklagte auch nicht im Anschluss polizeilich in Erscheinung getreten ist. „Reifeverzögerungen sind zu sehen, so dass Jugendstrafrecht zur Anwendung zu kommen hat“, sagt Neidhardt. Wegen Vergewaltigung und des großen Altersunterschiedes bei den sexuellen Handlungen kommt nur eine Jugendstrafe in Betracht. Für den Mann sprechen laut Neidhardt sein Geständnis und seine Reue.

Auflagen für Bewährung verhängt

Als Bewährungsauflage verhängt die zweite Strafkammer 200 Stunden gemeinnützige Arbeit und die Teilnahme an der Drogenberatung nach Weisung des Bewährungshelfers. Neidhardt mahnt den Mann, keine Straftaten zu begehen. Auch den von ihm eingeräumten und nicht durch Rezepte gedeckten Cannabis-Konsum zur Schmerztherapie sollte er überdenken, so der Vorsitzende.

Das Urteil ist rechtskräftig.