Steter Tropfen höhlt den Stein: Hilfe für die Ärmsten in Ruanda

Ruhla  Pfarrer Gerhard Reuther aus Ruhla ist auf dem Weg in den Süden Afrikas, um nach Schützlingen zu schauen. Pateneltern aus Eisenach reisen nach

Das Wintermärchen in Ruhla hinter sich lassend, setzte sich der evangelische Pfarrer Gerhard Reuther am Sonnabend in das Flugzeug von Frankfurt nach Addis Abeba. Im warmen Afrika verbringt er aber nicht etwa drei Wochen Urlaub. Sein Ziel ist es, dort Patenkinder zu besuchen, die seit nunmehr zehn Jahren innerhalb eines, von Ruhla gestarteten Bildungs-Patenschaftsprojektes in Ruanda betreut werden. Foto: Susanne Reinhardt

Das Wintermärchen in Ruhla hinter sich lassend, setzte sich der evangelische Pfarrer Gerhard Reuther am Sonnabend in das Flugzeug von Frankfurt nach Addis Abeba. Im warmen Afrika verbringt er aber nicht etwa drei Wochen Urlaub. Sein Ziel ist es, dort Patenkinder zu besuchen, die seit nunmehr zehn Jahren innerhalb eines, von Ruhla gestarteten Bildungs-Patenschaftsprojektes in Ruanda betreut werden. Foto: Susanne Reinhardt

Foto: zgt

Von minus 10 Grad geht es ab in die Luft, um nach sieben Stunden wieder auf dem Boden zu landen – allerdings auf einem ganz anderen Kontinent. In Äthiopien werden jetzt in der Trockenzeit um die 30 Grad gemessen. Für Pfarrer Gerhard Reuther sind es „angenehme Temperaturen“. Er kennt das Klima und die Länder. Für ihn ist es die sechste Reise nach Afrika.

Ein paar Besuche bei Freunden in Addis Abeba stehen anfänglich auf dem Programm. Diese habe er als junger Pfarrer in Deutschland kennen gelernt. Die Äthiopier studierten damals in Magdeburg und besuchten seinen Gottesdienst.

Am 27. Januar führt ihn dann sein Weg weiter nach Ruanda. Dort wird er bereits von Dietmar Mauermann aus Düsseldorf sehnsüchtig erwartet. Der betreut seit 2015 vor Ort ehrenamtlich das Projekt des „1Welt-Kreises“, bei dem es um Hilfe zur Selbsthilfe geht, also um finanzielle Unterstützung für Kinder und Frauen.

Dabei werden vor allem die Bedürftigsten ausgesucht. Das sind oft Menschen mit einer Behinderung und alleinstehende junge Mütter, die ohne diese Hilfe keine Chancen hätten, eine Schule zu besuchen, einen Beruf zu erlernen oder zu studieren.

Es hapert schon am Kauf der Bücher

Kinder müssen zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Gehen sie zur Schule, können sie das nicht, selbst, wenn es eine Schulpflicht gibt. Da hapert es schon am Kauf einer Schuluniform, an Büchern oder an der Schlafmatratze für das Internat das sie besuchen müssten, weil es in dem Dorf, wo sie leben, keine Schule gibt. Darum kümmern sich die Paten aus Deutschland. Damit alles auch seine Ordnung hat, gibt es den „Mann vor Ort“.

Pateneltern beauftragten nun Pfarrer Gerhard Reuther, auch nach ihren Schützlingen zu schauen. Lange Fahrten stehen somit auf der Tagesordnung, denn die Ziele liegen weit auseinander. In der Winterferienwoche bekommt er dann noch Unterstützung vom Ehepaar Güldenpfennig aus Eisenach. Manja Güldenpfennig übernimmt als Leiterin der Evangelischen Grundschule eine ganz besondere Aufgabe. Kümmert sich doch die Schule um Dina. Das kleine Mädchen ist taubstumm, kann aber nun mit Unterstützung der Eisenacher Schüler lesen und schreiben lernen. Davon will sich nun das Ehepaar als Vertreter vor Ort selbst ein Bild machen.

Außerdem gilt es für die Delegation einen Blick in die Zukunft zu werfen. Der Aufenthalt für den Manager vor Ort ist zeitlich begrenzt. Der 69-Jährige möchte mit seiner Ehefrau, die er in Ruanda kennenlernte und die ihn dort unterstützt, wieder nach Deutschland zurückkehren. Ein Verein soll dann seine Arbeit fortführen, die auch eine Art Berufsberatung einschließt. Denn nach der Schule will man die Patenkinder nicht sich selbst überlassen.

Die Erfolge sprechen für sich und machen Mut. Da gibt es zum Beispiel die beiden jungen Damen Joyce und Brown, die ein abgeschlossenes IT-Studium vorweisen können, trotz ihrer Gehörlosigkeit. Mit ihnen begann das Bildungsprojekt, das eigentlich viel mehr als das ist. Ein anderer junger Mann studierte Pharmazie und wieder ein anderer arbeitet heute bei der Wasserversorgung. Die junge Mutter, die mit ihren zwei Kindern und einer weiteren Familie eine Lehmhütte teilte und deren Ehemann sie verlies, nachdem er sie mit Aids infiziert hatte, verdient heute ihren Lebensunterhalt mit einem kleinen Lebensmittelmarkt. Für diesen erhielt sie Anschubhilfe über das Projekt.

Nicht alles verlief problemlos, weiß Pfarrer Gerhard Reuther. Trotzdem spricht er von einem Geschenk, denn das Projekt funktioniert zehn Jahre. „Wir alle haben eine Verantwortung für diese 1 Welt“, sagt er. Rund 50 Patenschaften laufen derzeit. Für fünf Kinder, die eine Blindenschule besuchen, suche man noch dringend Paten. „Jeder Tropfen höhlt den Stein.“ Unterstützen kann man das Projekt auch über einen Kompensationsfonds, der die Rahmenbedingungen mitbestimmt.

Kontakt: Ev. Kirchgemeinde Ruhla, Carl-Gareis-Str. 1, www.st-concordia.de , Mail: 1World@st-concordia.de Fax: (03222) 9827 873 Tel.(036929) 62 137.

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