Tresorräuber der Weimarer Buchhandlung reiste extra aus Magdeburg an

Weimar  Schöffengericht in Weimar verurteilte einen unbelehrbaren Mehrfachtäter aus Sachsen-Anhalt zu einer Haftstrafe

Steffen Knabe vor dem aufgeflexten Tresor der Verlagsbuchhandlung. Foto: H. Schumann

Steffen Knabe vor dem aufgeflexten Tresor der Verlagsbuchhandlung. Foto: H. Schumann

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Für seinen räuberischen Diebstahl von 577 Euro aus dem Tresor von Knabes Verlagsbuchhandlung "Die Eule" im Dezember 2015 ist gestern ein 50-jähriger Mann zu einem Jahr und drei Monaten Haft verurteilt worden. Nach seinem teilweisen Geständnis sah es das Schöffengericht Weimar unter Vorsitz von Richterin Inez Gloski als erwiesen an, dass er sich unberechtigt Zutritt zum Lager der Buchhandlung verschafft und 577 Euro aus dem Tresor gestohlen hatte – in Tateinheit mit Körperverletzung und versuchter Körperverletzung.

Nach der Beweisaufnahme blieben vor allem unterschiedliche Sichten auf den Ablauf nach dem Diebstahl. Denn Guido S. gab an, vorher ein halbes Gramm Crystal konsumiert zu haben und sich deshalb nicht genau erinnern zu können. Andererseits wusste er noch genau, dass er noch ein Viertelgramm bei sich hatte und gegen Frauen nie handgreiflich werde.

Der Räuber Guido R. entpuppte sich als ein notorischer Mehrfachtäter, dessen Strafregister 37 Einträge seit 1985 mit einem Vielfachen an Delikten dahinter aufweist: Diebstahl, Körperverletzung, Raub, Hausfriedensbruch, Urkundenfälschung, Verkehrsgefährdung, Alkoholdelikte, Drogendelikte, Beleidigung, versuchte schwere räuberische Erpressung . . . Die meisten Verurteilungen hatte er in Sachsen-Anhalt erhalten. Das war wohl auch der Grund, warum er im Zug von Magdeburg nach Weimar gefahren war, um Geld für seine Drogensucht und zum Begleichen von Schulden aufzutreiben. In der Buchhandlung am Frauenplan wurde er tatsächlich fündig.

Er gelangte durch die belebte Buchhandlung ins Lager, durchsuchte es und fand den Schlüssel des verschlossenen Tresors, den er öffnete, die Einnahmen eines Weihnachtsverkaufs stahl und den Tresor wieder verschloss. Als er das Lager verlassen wollte, waren die Inhaber auf ihn aufmerksam geworden. Sie stellten ihn zur Rede und hörten, dass er eine Toilette suche.

Das klang unglaubwürdig. Es folgte ein Gerangel, bei dem die Inhaber kleinere Verletzungen davon trugen. Guido R. befreite sich und verschwand. "Letzte Gewalt anwenden wollte ich aber nicht", sagte Steffen Knabe. Denn der Diebstahl wurde erst ersichtlich, als der Tresor später aufgeflext wurde.

Dokumente in der zurückgebliebenen Tasche von Guido R. und ein DNA-Abgleich überführten den Räuber. Er nahm das Urteil an und behauptete, es für eine Drogen-Therapie nutzen zu wollen. Das glaubten ihm sogar Staatsanwalt und Richter. Dass er später daraus etwas für sein Leben macht, dafür legte niemand eine Hand ins Feuer.