2000 neue Hotelbetten auf einen Streich in Erfurt

Erfurt.  Auf das jüngst eröffnete Prizeotel sollen fünf weitere Hotel-Neubauten folgen. Die Tourismus-Chefin Carmen Hildebrandt begrüßt die Entwicklung

Diese Visualisierung der Fibona GmbH zeigt, wie das Messehotel aussehen soll.

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Foto: FIBONA GmbH

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Der Mangel an Hotelzimmern in Erfurt soll bald ein Ende haben. Zu den bisher vorhandenen 5410 Hotelbetten in Erfurt sollen in den nächsten Jahren 2056 Betten in großen Hotels hinzukommen. Das entspricht einer Steigerung von 38 Prozent innerhalb von kurzer Zeit und provoziert die Frage: Ist das nicht eine Nummer zu groß?

Die Zahlen liefert die Stadtverwaltung auf eine Anfrage von Stadtrat Sebastian Perdelwitz (Mehrwertstadt). Sie ergeben sich aus den laufenden Hotel-Projekten.

Alle Projekte sind seit Jahren als Ideen bekannt. Doch nun kommen sie in die Gänge. Zuletzt wurde bekannt, dass ein Investor für ein Hotel mit 180 Zimmern am Gothaer Platz einen Architekturwettbewerb gestartet hat.

Ein weiterer Architekturwettbewerb soll bald entschieden sein: Die Zech Group plant in der ICE-City einen Hotelturm mit 200 Zimmern. Für ein Hotel am Hirschgarten mit 160 Zimmern läuft bereits das Bebauungsplanverfahren.

Zehn Jahre lang so gut wiekeine Entwicklung

Im Gebäude der Deutschen Bank an der Bahnhofstraße soll durch Um- und einen Anbau ein Boutique-Hotel mit 130 Zimmern entstehen. Die Messe will ein Hotel mit 150 Zimmern auf ihr Gelände setzen. Rechnet man noch das gerade erst eröffnete Prizeotel am Bahnhof mit 208 Zimmern hinzu, wächst die Kapazität um 1028 Zimmer – oder 2056 Betten.

Dass Hotelinvestoren Schlange stehen, empfindet Erfurts Tourismus-Chefin Carmen Hildebrandt nicht als ungewöhnlich. „Das Wachstum ist nur so massiv, weil es über zehn Jahre so gut wie keine Entwicklung gegeben hat“, sagt sie. Während in vergleichbaren Städten Hotel für Hotel entstanden sei, habe sich Erfurt mit dem B&B-Hotel und der Erweiterung des Hotels am Kaisersaal 2015 begnügen müssen.

Für 2019 wird ein neuer Übernachtungs-Rekord erwartet

Zugleich sind die Erfurter Übernachtungszahlen kontinuierlich gestiegen. Nach dem erwarteten leichten Knick im Vorjahr, der auf das Reformations-Jubiläum 2017 folgte, sieht 2019 derzeit klar nach einem neuen Rekordjahr aus. Dabei seien die Wachstumszahlen bei den Übernachtungen nur deshalb einstellig geblieben, weil die Hotelkapazitäten nicht mehr hergaben, meint Hildebrandt. Das neue Prizeotel sei auf den Schlag ausgebucht gewesen und auch für 2020 schon gut ausgelastet.

Das Potenzial, das Erfurts Lage am ICE-Kreuz für das Kongress- und Tagungsgeschäft bietet, erwacht gerade erst. Hildebrandt sieht daher keinen Grund, an der Zuversicht der Investoren zu zweifeln. „Sie prüfen eine Ansiedlung gründlich und haben noch mehr Zahlen als wir, vor allem, was die künftige Auslastung betrifft“, sagt die Tourismus-Chefin. Und selbstverständlich dürfte sein, dass die Investoren auch die Pläne der Mitbewerber kennen.

Erfurt sei auf weitere Gäste gut eingestellt, findet Hildebrandt. Mit dem neuen Petersberg-Entree und künftig auch mit einem Landesmuseum würden neue, nachhaltige Attraktionen entwickelt. Erfurt müsse vor allem Sorge dafür tragen, dass die Veranstaltungen wie die Domstufenfestspiele, das Oktoberfest oder das Barfüßer-Open-Air erhalten blieben. Im Tagungsbereich wünschten sich die Touristiker noch mehr Kapazitäten in der Nähe des Hauptbahnhofes. „Die international aufgestellten Hotelketten sorgen auch von sich aus für mehr Gäste“, sagt Hildebrandt und verweist auf die Marketing-Strategien der globalen Ketten, die ihren Kunden zum Beispiel Kennenlern-Angebote unterbreiten. Die zusätzlichen Hotelgäste brächten mehr Wirtschaftskraft in die Stadt. „Mehr Gaststätten werden entstehen“, nennt Hildebrandt ein Beispiel.

Die Mehrwertstadt beschäftigt,wie die Innenstadt genutzt wird

Hintergrund der Anfrage von Sebastian Perdelwitz, dem Fraktionschef der Mehrwertstadt, ist weniger die Sorge um die Wirtschaftlichkeit der Hotels. Er hatte zuvor schon per Anfrage erfahren, dass immer mehr Zimmer in der Innenstadt über Plattformen wie AirBnB vermietet und dadurch Anwohner verdrängt und Nachbarschaftsstrukturen beeinträchtigt würden. „Hotels ziehen andere Dinge nach sich“, meint er nun. „Uns beschäftigt die Grundfrage, wie die Innenstadt genutzt wird.“ Der Schwerpunkt liege aus seiner Sicht zu sehr auf dem Stadtmarketing und zu wenig auf sozialpolitischen Aspekten.

Tourismus-Chefin Hildebrandt teilt diese Sorgen nicht. „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die Stadt sehr wohl auf eine nachhaltige Entwicklung achtet und die Interessen der Erfurter Bürger berücksichtigt“, sagt sie.

Dass die Hotelkapazitäten deutlich steigen werden, habe noch einen anderen Vorteil. Die Preise, die wegen der geringen Kapazitäten derzeit aus Sicht der Gäste „nicht ganz so glücklich“ gestaltet seien, würden sich etwas relativieren.

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