Konferenz in Gera: Land will Fernbahn-Anschluss Ostthüringens sichern

Auf der Verkehrskonferenz in Gera formuliert die Wirtschaft ihre Forderungen: Die Fernbahn-Anbindung steht oben auf der Wunschliste. Das Land regt an, Städte und Unternehmen sollten eine Kooperation mit der Deutschen Bahn ausloten.

Verkehrskonferenz bei der Industrie- und Handelskammer Ostthüringen zu Gera zur Vorstellung des neuen Nahverkehrsplanes Verkehrsminister Christian Carius (CDU) mit den verantwortlichen Ministeriumsbeamten Lutz Irmer und Hans-Jürgen Hummel (von links) Foto: Tino Zippel

Verkehrskonferenz bei der Industrie- und Handelskammer Ostthüringen zu Gera zur Vorstellung des neuen Nahverkehrsplanes Verkehrsminister Christian Carius (CDU) mit den verantwortlichen Ministeriumsbeamten Lutz Irmer und Hans-Jürgen Hummel (von links) Foto: Tino Zippel

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Gera. Mit den drei Forderungen der Ostthüringer Wirtschaft trifft IHK-Präsident Albrecht Pitschel an diesem Abend nicht den Geschmack des Verkehrsministeriums: Nach dessen Willen soll der Fernverkehr gar nicht das Kernthema der Verkehrskonferenz in Gera sein. Der neue Landesnahverkehrsplan für 2013 bis 2017 steht stattdessen auf der Agenda.

Doch Fern- und Nahverkehr sind in Zukunft untrennbar miteinander verbunden. Sollen doch schnelle Nahverkehrsangebote zum nächsten ICE-Knoten ausgleichen, dass mit der neuen ICE-Strecke Jena und Saalfeld ihre Fernbahnanbindung verlieren. Über Erfurt, Halle, Leipzig und Nürnberg sollen die Menschen aus Ostthüringen den Weg zu den Fernzügen finden. Die Regionalexpresslinien sollen kurze Umsteigezeiten sichern. Kurz jedoch ist relativ: Nach ersten Entwürfen soll die Umsteigezeit der Züge aus Gera und Jena im ICE-Knoten Erfurt 20 bis 25 Minuten betragen. "Dafür ist die Gefahr geringer, den Anschluss zu verpassen", sagte Lutz Irmer, Abteilungsleiter im Verkehrsministerium.

IHK-Präsident Pitschel forderte im Namen der Wirtschaft, das Land möge nach 2017 den Fernverkehr sowohl auf der Saalbahn als auch auf der Mitte-Deutschland-Schiene kofinanzieren. Gerade der Wissenschaftsstandort Jena sei auf eine gute Anbindung an die internationalen Flughäfen angewiesen.

Hinter den Kulissen, so bestätigte Irmer, läuft die Abwägung, ob die Fernzüge aus dem Ruhrgebiet ab 2015 bis Gera verlängert werden. Knackpunkt sind die Kosten für eine Diesellok, die ab Erfurt übernehmen müsste, um den Zug über die nicht elektrifizierte Strecke bis Gera zu ziehen. Weimar, Jena-West, Jena-Göschwitz, Gera und möglicherweise gar Hermsdorf/Klosterlausnitz könnten auf diesem Weg IC-Anschluss erhalten. Zu klären ist, wie das Land der Bahn vergütet, dass zwischen Erfurt und Gera auch Nahverkehrstickets gelten.

Wirtschaftlicher wäre die Strecke mit einer Elektrifizierung. Thüringen erwägt, dafür eigene Efre-Mittel einzusetzen. Bis 2022 müsste ein solcher rund 70 Millionen Euro teurer Ausbau bewältigt sein.

Für die Saalbahn sind derzeit zwei ICE-Züge morgens von Jena nach Berlin und abends zwei zurück im Gespräch. Ansonsten sei der Halt zu aufkommensschwach. Ein DB-Vertreter nannte die bislang streng gehütete Zahl der ICE-Kunden ab Jena-Paradies: Demnach sind es im Schnitt 15 Ein- und 15 Aussteiger in jedem der 32 Züge. In Summe 1000 Passagiere pro Tag.

Irmer regte an, dass sowohl die Wirtschaft als auch die Städte überlegen sollten, ob sie nicht mit der Deutschen Bahn kooperieren. Unternehmen könnten über fest zugesagte Fahrkarten-Kontingente dazu beitragen, den Fernverkehr zu sichern. Und Städte könnten über Werbung auf der Bahn-Internetseite zusätzliche Touristen anlocken und damit die Fahrgastzahlen forcieren.

Die zweite Pitschel-Forderung nach 40 Meter längeren Bahnsteigen in Jena-West und Göschwitz wies Verkehrsminister Christian Carius (CDU) zurück. Für Nahverkehrszüge bestehe dafür genau wie für die Doppelstock-IC kein Bedarf. Ein längerer Bahnsteig treibe hingegen die Stationsentgelte in die Höhe.

Auf den dritten Wunsch der Wirtschaft, den Lückenschluss der Höllentalbahn zwischen Blankenstein und Marxgrün, gingen die Verkehrsexperten nicht ein, da dort hauptsächlich Interesse in Sachen Güterverkehr von Thüringen nach Bayern besteht.

Volker M. Heepen von der Nahverkehrsservicegesellschaft kündigte an, in den nächsten Jahren verstärkt die Verschönerung von Bahnhalten entlang der Strecken Saalfeld - Weida und Saalfeld - Blankenstein in Angriff zu nehmen. Die Kooperation mit den Kommunen sei dabei notwendig. "Ziel ist es, die Bahn- und Busangebote besser zu verknüpfen", sagt Heepen. Dies soll etwa in Bad Lobenstein, Weida und Rottenbach geschehen. Pendlerparkplätze sind an den Bahnhöfen Altenburg, Bad Lobenstein, Gößnitz, Rottenbach und Rudolstadt geplant.

Beruhigungspille und Milchkanne: Tino Zippel zur Verkehrskonferenz in Gera

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