Störungen im Bahn-Netz haben zugenommen

Die Deutsche Bahn AG erwartet Kapazitätsengpässe auf der ICE-Strecke von Leipzig durch das Saaletal nach Nürnberg. Das geht aus dem Infrastrukturbericht 2010 hervor, der dieser Zeitung vorliegt.

Ein ICE der Deutschen Bahn AG auf der Saalebahn bei Jena. Foto: Tino Zippel

Ein ICE der Deutschen Bahn AG auf der Saalebahn bei Jena. Foto: Tino Zippel

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Berlin. Als Ausweg für diesen Engpass führt die Bahn die Neubaustrecke von Nürnberg über Erfurt nach Halle an. Der erste Teil der Strecke zwischen Erfurt und Sachsen-Anhalt soll im Jahr 2015 in Betrieb gehen, zwei Jahre später die Querung durch den Thüringer Wald. Neben ICE sollen auch Güterzüge auf der Strecke rollen. Kritikern zufolge bleiben für diese aber tagsüber zu kurze Zeitfenster, da Begegnungen im Tunnel nur bei Tempo 120 erlaubt sind und ICE ausgebremst würden.

Die Bahn räumt im internen Bericht an die Bundesregierung eine deutliche Steigerung von Störungen im Netz ein. Demnach sind vergangenes Jahr 206 000 Störungen aufgetreten, das sind 564 pro Tag. 2009 waren es im täglichen Schnitt 532, im Jahr davor waren es 517 pro Tag. Dazu heißt es: "Hauptsächlich mehren sich die Störmeldungen mit betrieblichen Auswirkungen bei Weichen, Leit- und Sicherungstechnik sowie Bahnübergangsanlagen."

Die häufigste Ursache für Störungen wie Verspätungen seien Witterungseinflüsse, aber auch "die deutlich gestiegene Anzahl durch Personen im Gleis". Die Bahn umschreibt damit in vielen Fällen Selbstmorde, deren Zahl das Eisenbahnbundesamt für 2009 auf über 800 beziffert hat.

Auch die Verspätungen sind laut Infrastrukturbericht angestiegen. "Im Jahr 2010 wurden insgesamt 147,5 Millionen Verspätungsminuten erfasst", räumt die Bahn ein. 2009 waren es 121,4 Millionen Minuten.

Der nicht öffentliche Bericht, den die Bahn dem Eigentümer Bund vorlegen muss, um Investitionszuschüsse zu erhalten, nennt auch neuartige Schäden, die gehäuft auftreten. "Seit einigen Jahren wird im Netz durch zunehmend leistungsfähigere Triebfahrzeuge eine Zunahme oberflächennaher Schienenschäden festgestellt." Dies seien mikroskopisch feine Haarrisse. Sie könnten durch Schleifen und Fräsen beseitigt werden.

Die Bahn sagt in dem Bericht zu, dass sie in den nächsten Jahren mehr in den Netzunterhalt investieren will. Dies liegt auch am hohen Alter der Anlagen. Laut Report sind die Brücken im Schnitt 54,8 Jahre, Weichen und Gleise zwischen 23,6 und 27,1 Jahre alt.