Verkehrsclub moniert miese Jenaer Ampelschaltungen

Jena  Ampeln optimieren – Fußverkehr verbessern – dieses Ziel hat die Jenaer Ortsgruppe des Verkehrsclubs Deutschland. Seine Mitglieder legen jetzt die Ergebnisse ihres Ampeltests vor.

Mathias Wilde und Jennifer Schubert vom Verkehrsclub. Auch an der Ampel beim alten Paradiesbahnhof lässt das Ampelmännchen auf sich warten. Foto: Thomas Beier

Mathias Wilde und Jennifer Schubert vom Verkehrsclub. Auch an der Ampel beim alten Paradiesbahnhof lässt das Ampelmännchen auf sich warten. Foto: Thomas Beier

Foto: zgt

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) benennt Jenaer Problem-Ampeln. Dabei stehen besonders die langen Wartezeiten oder viel zu kurze Grünphasen für Fußgänger in der Kritik. Bei einem Ampelcheck, der auf den Wortmeldungen von Bürgern beruhte, bekamen zwölf Ampeln eine negative Bewertung; zu elf weiteren gab es kritische Anmerkungen.

Zum Beispiel die Ampel am Fürstengraben (Übergang Zwätzengasse/Schlossgasse). Nur „gesunde und sehr zügig gehende Menschen könnten diese innerhalb des Fußgängergrüns passieren“, heißt es. Oder die Ampellösung am Spittelplatz: Wenn Fußgänger vom Damenviertel kommend auf die andere Straßenseite wollen, müssen sie zwei Mittelinseln überqueren, die allesamt unterschiedlich geschaltet sind. In die Kategorie „absolute Katastrophe für Fußgänger“ fällt die Kreuzung vorm Paradiesbahnhof. Wenn die Pendlerzüge eintreffen und die Fahrgäste in Massen an die Ampel kommen, reiche der Platz vorne und hinten nicht.

„Von der Bevölkerung sind erfreulicherweise sehr viele Hinweise zusammengekommen“, sagt Jennifer Schubert von der VCD-Ortsgruppe Jena. Die Gruppe versucht nun, mit der Stadtverwaltung ins Gespräch zu kommen, um die Situation an den genannten Problemstellen zu verbessern. Zu-Fuß-Gehen ist in Jena mit Abstand die häufigste Form der Fortbewegung -- 38 Prozent aller Wege werden zu Fuß zurückgelegt. Dieser Anteil ist ein Spitzenwert in Deutschland. Im Städtevergleich belegt Jena den ersten Platz beim Fußverkehrsanteil.

„Jena ist eine Stadt der Nahmobilität, deswegen hat der Fußverkehr mehr Aufmerksamkeit verdient als bisher“, sagt VCD-Mitstreiter Mathias Wilde. Damit Zu-Fuß-Gehen Freude mache und insbesondere Kinder und ältere Menschen dazu eingeladen werden, sich frei und sicher in der Stadt bewegen zu können, gelte es, den guten Voraussetzungen attraktive Bedingungen beiseite zu stellen.

Harsche Kritik gab es an der Situation beim Übergang am Johannisplatz. „Die Wartezeiten für Fußgänger sind wirklich ein Witz“, schrieb ein Bürger in das Kommentarfeld. Außerdem wurden Zweifel laut, ob der Rufknopf tatsächlich funktioniere.

Zur Ordnungswidrigkeit verleitet

Kurze Freigabezeiten oder lange Wartezeiten für Fußgänger gibt es auch an folgenden Ampeln:

  • Wiesenstraße/Löbstedter Straße
  • Dornburger Straße/Hufelandweg
  • Nollendorfer Platz
  • Heinrichsberg/Philosophenweg
  • Humboldtsraße/Gutenbergstraße
  • Weigelstraße

Als Nerv-Ampel aus Fußgängersicht wird auch die Ampel Karl-Marx-Allee/Emil-Wölk-Straße bewertet. „An dieser Ampel wird selbst der geduldigste Fußgänger zur Owi verleitet“, heißt es in einem Kommentar. „Owi“ steht dabei für Ordnungswidrigkeit. Die Missachtung einer roten Ampel ist für Fußgänger noch vergleichsweise preiswert: 5 Euro!

Kein zentrale Forderung beim Ampeltest war der Wunsch nach einem Countdown-Zähler an stark begangenen Überwegen. Damit wüssten Fußgänger sofort, wie viel Zeit bis zum Erscheinen des grünen Ampelmännchens bleibt. Technisch ist der Anbau von Countdown-Zählern kein Problem. Allerdings entstehen Mehrkosten.

Zu den Kommentaren