Bauhaus-Ausstellung Teil 2: Von der Avantgarde in den Alltag

Erfurt  Ausstellung im Angermuseum konstruiert ein geplantes, aber nie erschienenes Bauhaus-Buch von László Moholy-Nagy

Patrick Rössler, Professor der Kommunikationswissenschaft an der Uni Erfurt, hat die Ausstellung im Grafikkabinett des Angermuseums kuratiert.

Patrick Rössler, Professor der Kommunikationswissenschaft an der Uni Erfurt, hat die Ausstellung im Grafikkabinett des Angermuseums kuratiert.

Foto: Kathleen Kröger

Eine deutsche Vogue von 1929, ein Vanity-Fair-Cover mit hochpolitischem Inhalt und Fotomontagen von John Heartfield sind nur Bruchteile der besonders hervorstechenden Stücke der neuen Ausstellung im Angermuseum.

Das „Bildermagazin der Zeit“ im Grafikkabinett verweist als zweiter Bauhaus-Part in diesem Jahr auf die mediengestalterischen Perspektiven der Bauhaus-Künstler und setzt deren Einflüsse in neue Zusammenhänge.

„Es hat 14 Bauhaus-Bücher gegeben, die in der Kunstwelt bis heute einmalig sind. Zum 15. Band ist es durch die Umstände der Zeit nicht mehr gekommen“, wie Kurator Patrick Rössler erklärt. Der Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Erfurt hat die Exponate allesamt aus seinem Privatbesitz zu Verfügung gestellt, um die neuen Strategien von modernem Magazindesign aufzuzeigen und zugänglich zu machen: „Die Bildpublizistik spielt eine tragende Rolle, deren Entwicklung hier sehr gut sichtbar wird. Wie werden Fotos und Illustrationen kombiniert und welche Bildsprache entwickelt sich daraus?“

Nach 20 Jahren des Sammelns hat Rössler sein Konvolut gebündelt und László Moholy-Nagys Bildermagazin in einem eigenen Buch herausgebracht, das einen essenziellen Bestandteil der Schau darstellt und die gezeigten Einzelstücke noch einmal stärker inhaltlich unterfüttert. „Das Buch soll Moholy-Nagys Bildermagazin keinesfalls ersetzen und nicht das sein, was 1927 hätte erscheinen sollen“, schildert Rössler. Vielmehr gehe es darum, eine Zeitdiagnose zu entwerfen, mit welchen Mitteln die visuellen Künste in den 1920er Jahren gearbeitet haben und welche Ideen der Moderne von den Bauhaus-Protagonisten vom avantgardistischen Entwurf tatsächlich eine Umsetzung in die Alltagskultur der Illustrierten fanden.

„Da es das Bildermagazin nicht gegeben hat, ist die Ausstellung auch eine Konstruktion statt einer Rekonstruktion. Für Moholy-Nagy selbst war das Bildermagazin gar nicht mehr notwendig, weil er seine Konzepte mit der Zeitschrift ‚Neue Linie‘ verwirklichen konnte“.

In der von der Thüringer Staatskanzlei geförderten Ausstellung sind neben seltenen deutschen Magazinen auch noch erlesenere Stücke aus Frankreich, Spanien und auch Japan zusehen, die das Gezeigte um die internationale Perspektive bereichern.

Neben Covergestaltungen von Josep Renau gibt es in der übersichtlich gegliederten Ausstellung auch Werke anderer heute bekannter Künstler zu sehen. „Damals betrieben viele Künstler das Grafikdesign als Brotberuf. Als Kunst waren die Bilder nicht angesehen, brachten aber Geld“, wie Rössler erklärt. Nun hängen sie im Museum.

„Bildermagazin der Zeit“ , 30. August bis 17. November im Grafikkabinett des Angermuseums

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