Kameraüberwachung auf dem Petersberg: Das Maß ist voll

Erfurt.  Mit 17 Kameras soll der Petersberg künftig überwacht werden, um den allgegenwärtigen Vandalen auf die Schliche zu kommen.

Die Videoüberwachung durch die Sicherheitsfirma Bau-Watch auf der Baustelle Petersberg läuft bis zum Januar 2021.

Die Videoüberwachung durch die Sicherheitsfirma Bau-Watch auf der Baustelle Petersberg läuft bis zum Januar 2021.

Foto: Marco Schmidt

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Was sind das für Menschen, die meist des nächtens, vornehmlich an Wochenenden, losziehen, und nichts anderes im Kopf haben als die blanke Zerstörungswut? Auf dem Petersberg, in Parks, auf Kinderspielplätzen und in Grünanlagen. In ihrer kranken Denkwelt ist für ihr Tun nichts Rationales zu erkennen. Am Ende stehen Schäden, die oft fassungslos machen. Fragen zu ihren Motiven kann man die Vandalen nicht. Bisher ist man ihrer noch nicht habhaft geworden.

Die komplette Baustelle wird rund um die Uhr überwacht

Dennoch ist jetzt offenbar das Maß des Erträglichen überschritten. Die Stadt sagt dem Vandalismus den Kampf an. Erste Maßnahmen wurden auf dem Petersberg sichtbar. Nachdem im August vorigen Jahres Zeitgenossen der übelsten Sorte Baustelleneinrichtungen über die Festungsmauern warfen und sogar versuchten, die große Bauplane an der Peterskirche anzuzünden, riss Gartenamtschef Sascha Döll der Geduldsfaden. „Das war der Auslöser, drei Masten bei der Firma Bau-Watch zu mieten und aufzustellen, an denen Kameras die komplette Baustelle rund um die Uhr beobachten.“

Von der Zentrale von Bau-Watch werden dunkle Typen ins Visier genommen und über Lautsprecher verscheucht. Mit Erfolg, wie sich zeigt. „Seither ist auf der Baustelle nichts mehr passiert“, lässt sich Döll gern zitieren. Freilich hat das seinen Preis: 1000 Euro pro Monat für jede dieser drei Überwachungsmasten. Zwei zahlt die Stadt. Eine die Stiftung Thüringer Gärten und Schlösser.

17 feste Kameras sollen inLichtmasten integriert werden

Der Vertrag für das Trio läuft vorerst bis Januar 2021. Und dann? Geht das so weiter wie bisher? „Nein“, sagt Dölls Mitarbeiterin Katja Greskamp, technische Sachbearbeiterin für die Buga. Die Stadt wird 17 Kameras, verteilt über das ganze Petersbergareal, installieren lassen, sobald die Bauarbeiten abgeschlossen sind. In den neuen Lichtmasten, die im Zuge der Buga-Ertüchtigung des Areals aufgestellt werden. Beobachtet werden neuralgische Punkte der Festung. Die Bild-Informationen laufen im Kommandantenhaus zusammen, um schnell Hilfe zu holen.

Noch stehe aber die Abstimmung mit dem Datenschutzbeauftragten aus, sagt ihr Chef vorsichtig. Erst wenn das System genehmigt ist, wird es die Stadt kaufen. Pro Kameramodul fallen ca. 1500 Euro an. Ein Klacks, vergleicht man es mit den exorbitanten Schäden, die einige Durchgeknallte immer wieder verursachen.

Leuchten, Bänke, Spielgeräte werden über die Mauern geworfen

30 bis 40 schwere Fälle von Vandalismus zählen Dölls Kollegen übers Jahr verteilt. Die Täter machen vor nichts Halt. Zerstört werden Leuchten, Bänke, Spielgeräte, nicht selten wird alles über die Mauern geworfen. Regelmäßig werden Edelstahltüren aus den Toilettenhäuschen gerissen, auf Grünflächen wird Feuer gelegt. Unlängst kam es einigen in den Sinn, Konfettikanonen abzuschießen. Stunden hatten die Gärtner zu tun, um das Zeug wieder zu entfernen. Es gibt von Glasscherben übersäte Stellen, Graffitischmierereien. Polizei und Ordnungsamt würden zwar verstärkt kontrollieren. Der Erfolg halte sich aber in Grenzen, so Döll.

Das Garten- und Friedhofsamt hat reagiert, zwei neue Leute eingestellt. Weil sich bislang zwei andere um Dreck und Vandalismusfolgen kümmern mussten. Die fehlen dann für gärtnerische Aufgaben. All das bestärkt den Gartenamtschef in der Idee mit den Überwachungskameras. „Sobald die da sind, lässt der Vandalismus schlagartig nach“, so seine Erfahrung. Und deshalb ist der Petersberg Pilotmodell. „Laufen die Tests dort erfolgreich, macht es Sinn, Kameras auch an anderen Stellen einzusetzen“, sagt er. Und meint die neu gestaltete Geraaue und den Luisenpark, zuletzt immer wieder Ziel gewissenloser Rüpel.

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