Der wirkliche Beweger

Wort zur Wochenwende von Kantor Hans-Jürgen Freitag aus Ilmenau

Mit kommendem Sonntag, dem Tag der Heiligen Dreifaltigkeit, kehrt im christlichen Kalender sozusagen der Normalzustand ein. Die Sonntage danach werden bis zum Ende des Kirchenjahres einfach durchnummeriert – erster Sonntag nach Trinitatis, zweiter Sonntag nach Trinitatis, usw...

An diesem Sonntag Trinitatis geht es um das christliche Gottesbild. Ein bisschen verzwickt, sich damit auseinanderzusetzen: Gott, der Vater und Schöpfer, ist gleichzeitig auch Jesus und der heilige Geist. Zunächst scheinen diese Gedanken ja wenig mit meiner Lebenswirklichkeit zu tun zu haben.

Aber Achtung! Es gibt hier Brennstoff.

Gott sitzt nicht ungerührt irgendwo im Himmel. Gott lässt sich anfassen, macht sich angreifbar. Er wird sichtbar, wenn ich Jesus angucke. Er stellt die bestehenden Gesetze und Regeln sämtlich in Frage und damit auf den Kopf. Seit Jesus zählt nicht mehr die sichtbare Macht. Wirklich wirksam ist nur die Liebe, selbst wenn diese Liebe zu scheitern scheint.

Wie absolut das Scheitern unseres überkommenen Welt- und Wertekonzeptes ist, zeigt ein wacher Blick in unsere momentane politische Welt. Unsere scheinbar bewährte Sicht auf die Dinge hat sich schon lange als ungenügend erwiesen.

Irgendwie wollen es ja wohl alle gut machen. Aber es haut nicht hin: Die Macht dient immer nur Wenigen, Gerechtigkeit ist nicht herzustellen ohne Vorteilsnahme Einiger und ohne dass irgendwer das Recht bricht. Trotz aller Mühen gibt es weiter Krieg, Elend, Hunger, Ungerechtigkeit, Schmutz. Letztlich regiert die Gier und die Sucht danach, dass es mir gut geht. Dass es anderen schlecht geht, nimmt man in Kauf.

Dabei wird unendliches Leid erzeugt. Millionen sterben. Vielleicht stecken wir die Welt in Brand. Auch wenn wir im satten Deutschland bequem und sicher leben – auch wir werden uns eher früher als später mit den globalen Weltwirklichkeiten auseinandersetzen müssen.

Hier kommt der dritte Aspekt unseres Gottesbildes ins Spiel – der heilige Geist. Er ist eben nicht der Geist, der das Funktionieren der Welt noch weiter optimiert. Vielmehr lässt er uns das scheinbar Unglaubliche glauben. Daran, dass die Liebe das letzte Wort hat und nicht der Ungeist und das Funktionieren der Welt, wie sie nun mal ist. Der Geist Gottes ist dynamisch. Er ist nicht, er wird. Er ist eine Zumutung und gleichzeitig der wirklich gültige Beweger.

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