Die Südharzer werfen im Jahr 20.000 Tonnen Abfall weg

Bioabfälle landen nach wie vor auf der Deponie Nentzelsrode. Die ist inzwischen sauberer denn je und auf das neue Energiezeitalter eingestellt

Mit einem Schaufelbagger wird der Bioabfall des Landkreises aus einer Woche in die Gärkammer verladen.

Foto: zgt

Nordhausen. Wo landen die Abfälle von 85.000 Südharzern? Die Antwort liegt nicht mehr ganz auf der Deponie Nentzelsrode. Denn dort wird nur noch ein Teil angehäuft und der größte davon wiederverwertet. Jeanette Arndt, Betriebsleiterin für Abfallverwertung bei den Südharzwerken, und Geschäftsführer Thomas Mund sind die Experten für solche Fragen. "Alles, was in den vier Nordthüringer Landkreisen in die schwarze Tonne kommt, wird heute in Nentzelsrode von der Firma Remondis vorbehandelt, also zerkleinert und von metallischen Stoffen befreit", erklärt er. "Von dort gelangt es in eine Verbrennungsanlage in Staßfurt." Verwaltung und Annahmebereich mit der großen Waage betreibt ebenfalls Remondis.

Hingegen bleibt der Inhalt der braunen Tonne zunächst in Nentzelsrode. Mund ist zufrieden mit der Vergärungsanlage, die im Sommer eröffnet wurde. Der Abfallhaufen einer Woche liegt in der großen Halle. Er offenbart, dass es viele Menschen mit Mülltrennung nicht sehr ernst nehmen. Plastetüten sind keine Seltenheit im Bioabfall. Dabei steigt mit jeder der Preis für die Nachbearbeitung. All dies wird nun in die Fermenter, also in große Kammern, geschoben. 20 bis 24 Stunden gärt die Masse und erzeugt dabei Biogas.

Die Weihnachtsbäume kehren als Humus zurück

Mit großen Baggerschaufeln bringen die 12 Deponie-Mitarbeiter den verbleibenden Kompost in eine Rotteanlage. Zehn Tage werden hier bei 55 Grad auch die letzten Keime abgetötet. Immer wieder gibt man Grünzeug, derzeit die letzten Weihnachtbäume, hinzu. Immer wieder setzt eine große Maschine die Haufen um, so dass am Ende bester Humus entsteht. 2500 Tonnen Humus, entstanden aus 5000 Tonnen Bioabfall, werden im Jahr wieder in den Kreislauf zurückgeführt, dazu 2000 Tonnen Grünabfälle. Die Anlage ist allerdings für 12.000 Tonnen ausgelegt, weshalb jetzt auch aus anderen Regionen Bioabfälle nach Nordhausen geholt werden. Wirtschaftlich arbeitet sie bereits jetzt, betont Thomas Mund.

Fotovoltaikanlage entstand schon 2005

Neben Vergärung und Rotte befinden sich auf dem 11 Hektar großen Gelände zwei Blockheizkraftwerke, in denen Biogas und Deponiegas verarbeitet werden. Einen Teil nutzen die Südharzwerke als Eigenstrom. "Das Wasser, das durch die Deponie sickert, wird aufgefangen und in einer Sickerwasseranlage gereinigt", erklärt Jeanette Arndt. Dann darf es in den Riethgraben geleitet werden. Stolz ist Thomas Mund auf die große Fotovoltaikanlage. Sie entstand schon vor der Merkelschen Energiewende - 2005, und zwar auf der früheren Halde, die nach der Wende abgedichtet wurde. 930.000 Kilowattstunden produzieren die Kollektoren im Jahr.

Unverkennbares Zeichen von Nentzelsrode sind die Polder, also die Halden. Auf sie gelangt nur noch Material, das keine biologischen Stoffe besitzt. Industrieabfälle und Bauschutt gehören dazu, auch Asbestplatten. Sie können keinen Schaden anrichten, weil sie inert sind, also keine biologischen oder chemischen Prozesse auslösen. Zwei Polder entstanden seit der Wende, der zweite ist recht klein, soll bis 2020 gefüllt werden. Bleibt die blaue Tonne. 6176 Tonnen Papier und Pappe kommen im Jahr zusammen und werden direkt gewinnbringend verkauft.

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