Erfurt noch weit entfernt vom führenden Kindermedienstandort

Erfurt  Erfurt. Thüringens Filmschaffende beklagen die zögerliche Auftragsvergabe der beiden in Erfurt vertretenen Sendeanstalten Kika und MDR.

Fabian (9) und Fiete (5) haben immer Spaß, wenn sie in Erfurt zu Besuch sind. Foto: Marco Schmidt

Fabian (9) und Fiete (5) haben immer Spaß, wenn sie in Erfurt zu Besuch sind. Foto: Marco Schmidt

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Thüringens Filmschaffende beklagen die zögerliche Auftragsvergabe der beiden in Erfurt vertretenen Sendeanstalten Kika und MDR. „Wir fordern, dass die Programmverantwortlichen von ihren Einnahmen künftig deutlich mehr als zehn Prozent für Auftrags- und koproduzierte Programminhalte ausgeben“, heißt es in einem Positionspapier des mitteldeutschen Film- und Fernseh-Produzentenverbands. Bei Auftragsvergaben an unabhängige Produzenten solle künftig eine Quote von 60 Prozent zugunsten der Firmen mit Hauptsitz im MDR-Gebiet vergeben werden. Es gelte, die regionale Medienwirtschaft zu stärken.

Insbesondere das Beispiel des Kinderkanals – vor 18 Jahren wurde er in Erfurt gegründet – zeigt, dass die Region bislang kaum von dem Sender profitiert. Gerade einmal 10,7 Millionen Euro pro Jahr investiert der Kika in eigene Programminhalte. Der Rest wird etwa in Form von Serien oder Übernahmen von ARD und ZDF von auswärts eingekauft. Und selbst von der geringen Summe bleiben in ganz Mitteldeutschland gerade einmal drei Millionen Euro Auftragsmasse vom Kika übrig. Dabei waren mit Gründung des Senders Hoffnungen verbunden, Erfurt zum deutschlandweit führenden Kindermedienstandort auszubauen.

„Von drei Millionen Euro kann die heimische Kinder-Filmwirtschaft nicht existieren“, so die Erfurter Landtagsabgeordnete Marion Walsmann (CDU). Auch wenn sie die Forderungen nach Einführung einer festen Regionalquote „vergaberechtlich sehr kritisch“ sieht, will auch sie die Erfurter Sender stärker in die Pflicht nehmen.

An sich habe Erfurt gute Voraussetzungen, als Kindermedienland durchzustarten. „Aber MDR und Kika müssen da mitmachen“, so Walsmann.

Die Intendanz des Senders verweist darauf, dass der MDR die 60-Prozent-Quote bereits erfülle. Mann reiche jährlich etwa 30 Millionen Euro des Gesamtbudgets an Produzenten in Mitteldeutschland aus. „An Produzenten mit Firmensitz in Thüringen vergab der Sender in 2013 Aufträge in Höhe von 1, 9 Millionen Euro“, so eine Sprecherin.

Eine Auftragsvergabe nach Regionalquote lehnt der Sender ab. „Fernsehprogramme sind kreativ-künstlerische Produkte. Dementsprechend stehen programminhaltliche Aspekte bei der Auswahl im Vordergrund“, so eine Sprecherin.

Produzenten wollen an Rechten beteiligt sein

Auch der Kritik der heimischen Filmschaffenden, die Verträge des Mitteldeutschen Rundfunks würden Produzenten zwingen, mit der Annahme eines Auftrags auf alle geistigen Urheberrechte zu verzichten, widerspricht der Sender. Ideen der heimischen Medienmacher würden ungehindert und unkontrollierbar abgeschöpft“, heißt es seitens des Produzentenverbandes.

Kommt es dann doch einmal zu Auftragsvergaben, werden die Unternehmen mit Verträgen konfrontiert, in denen sie auf alle späteren Verwertungs-Rechte an ihren Ideen gegen ein als ungenügend empfundenes Honorar abtreten müssen. Auch hier werden dringend Nachbesserungen gefordert.

„Eine solche pauschal geäußerte Kritik können wir nicht nachvollziehen“, so eine Sprecherin des Mitteldeutschen Rundfunks. „So sehen die vom Sender selbst entwickelten Eckpunkte für die Vertragsgestaltung vor, dass die Produzenten etwa auch bei vollfinanzierten Auftragsproduktionen an Erlösen aus der Verwertung von Rechten beteiligt werden und nach einer festgelegten Zeit die Rechte selbst verwerten können.“

Walsmann, lange Jahre Mitglied in der Mitteldeutschen Medienförderung (MdM), kritisiert überdies, dass die Sender Zuschüsse der staatlichen Einrichtung inzwischen fest einkalkulieren und vom Produzentenhonorar abziehen. „Der Tatort ist letztlich nur nach Erfurt gekommen, weil die MdM 250 000 Euro Produktionszuschuss bewilligt hat“, so die Erfurter Medienexpertin. „Dabei bekommt der MDR viel Geld an Rundfunkgebühren, um sein Programm daraus zu finanzieren.“ Zahle die Medienförderung Produktionszuschüsse in dieser Form weiter, um Filmdrehs nach Erfurt und Mitteldeutschland zu bekommen, gehe das jeweils von den Mitteln ab, die junge Produzenten bräuchten, um interessante, neue Formate und Drehbücher überhaupt erst zu entwickeln.

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