Gedenkstätte Topf & Söhne in Daberstedt zieht Bilanz

Die Gedenkstätte Topf & Söhne zieht Bilanz über die ersten zwei Jahre. Künftig soll ein noch stärkerer Fokus auf die Bildungsarbeit gelegt werden.

Annegret Schüle und Thillm-Direktor Andreas Jantowski während der Pressekonferenz am Freitag am Erinnerungsort Topf & Söhne. Foto: Marco Schmidt

Annegret Schüle und Thillm-Direktor Andreas Jantowski während der Pressekonferenz am Freitag am Erinnerungsort Topf & Söhne. Foto: Marco Schmidt

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Daberstedt. "Wir sind froh, dass wir als schulische Bildungsstätte an Bedeutung gewonnen haben", betonte Annegret Schüle, Leiterin des Erinnerungsortes Topf & Söhne, als sie am Freitag eben dort über die vergangenen zwei Jahre resümierte. Am 27. Januar 2011, zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, eröffnete die Gedenk- und Bildungsstätte im einstmaligen Verwaltungsgebäude der Maschinenfabrik, die zu Zeiten des NS-Regimes Verbrennungsöfen unter anderem für Auschwitz herstellte.

Rund 22.000 Besucher kamen seit der Eröffnung hierher, um sich ein Bild von der Realisierung des Holocaust durch Industrie und Privatwirtschaft zu machen. Sonder- und Dauerausstellungen wie "Techniker der 'Endlösung'" sind bilingual, auf Deutsch und Englisch, beschriftet.

Neben originalem Anschauungsmaterial und Zeitzeugenberichten hilft das vor allem internationalen Gästen, die historischen Zusammenhänge nachzuvollziehen. Diese kommen aus etlichen europäischen Ländern, aber auch aus Israel oder den Vereinigten Staaten, wusste Annegret Schüle zu berichten.

Ein Drittel der Besucher des Erinnerungsortes sind Gruppen, die sich etwa im Rahmen der angebotenen Schüler- und Jugendprojekte oder Fortbildungen für Lehrkräfte mit dem historischen Ort auseinandersetzen. Im Vergleich zum Eröffnungsjahr stieg die Zahl der Anmeldungen für Gruppen 2012 stark an. "Fanden 2011 zwei Lehrerfortbildungen hier statt, waren es im Jahr darauf bereits sieben", weiß Gedenkstättenpädagogin Rebekka Schubert.

Diesen Trend möchte das Team gern beibehalten. "Es ist nicht groß, aber jung und motiviert", sagte Annegret Schüle. Die Leiterin und Rebekka Schubert zählen zu den Festangestellten. Unterstützt werden sie von zwei freien Mitarbeitern und zwei Teilnehmerinnen des Freiwilligen Sozialen Jahres Kultur. Zudem gehört Mieke Hegenah zum festen Kern. Sie ist wissenschaftliche Volontärin am Erinnerungsort. "Eine Stelle, die es im städtisch-musealen Bereich erstmals gibt", erklärte Schüle. Auf Landesebene seien solche Fachkräfte bereits üblich.

Mieke Hegenah ist mit den Sonderausstellungen bei Topf & Söhne betraut, von denen bereits während der vergangenen zwei Jahre einige erfolgreich im Haus gezeigt wurden.

350.000 Euro städtische Förderung jährlich

Mit dem kommenden Gedenktag am 27. Januar endet beispielsweise "Un-er-setz-bar". Die am 1. Juni 2012 eröffnete Ausstellung zählt zu den vielen persönlichen Höhepunkten Annegret Schüles, zeigt Begegnungen mit fünf Holocaust-Überlebenden. Eine von ihnen ist Éva Pusztai. Die Auschwitz-Überlebende war bereits zur Eröffnung des Erinnerungsortes anwesend, trug sich am 9. November 2012 ins Goldene Buch der Stadt Erfurt ein und gab schon etliche Impulse zum Erhalt der lebendigen Erinnerung. Auch zum zweijährigen Bestehen des Gedenkortes am 27. Januar wird die Zeitzeugin bei der öffentlichen Führung (13 Uhr) durch die Sonderausstellung dabei sein. Danach geht "Un-er-setz-bar" auf Wanderschaft. Ein großer Erfolg, finden die Mitarbeiter der Gedenkstätte.

Mit etwa 350.000 Euro jährlich wird der Erinnerungsort Topf & Söhne seitens der Stadt gefördert. Ein großer Teil der Mittel soll auch 2013 in die Bildung fließen. Für Unterricht am authentischen Ort arbeitet man eng mit dem Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (Thillm) zusammen.

Um das Gedenken lebendig zu halten sowie "die Sensibilität für Menschenrechte und Ethik zu erkämpfen", wünscht sich Annegret Schüle, dass der Erinnerungsort erweitert wird. Derzeit sind noch zwei Etagen im Haus ungenutzt. Und die bisher schon innige Kooperation mit Institutionen wie Alter und Neuer Synagoge oder dem Amt für Bildung sollen auch künftig zeigen, "dass wir in der Stadt angekommen sind".

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