Heldrungen hat Wasserburg, Schloss und Festung in einem

Thüringens schönste Orte (104): Wo Müntzer dereinst eingekerkert war, finden Kinder heute unterirdische, spannende Gewölbegänge.

Den imposantesten Blick auf die Wasserburg in Heldrungen gibt es von oben. Foto: Wilhelm Slodczyk

Den imposantesten Blick auf die Wasserburg in Heldrungen gibt es von oben. Foto: Wilhelm Slodczyk

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Heldrungen. Templer und Ritter kämpfen mit Schwert und Schild an der Tor-Bastion. Auf den Wällen und im Burghof haben Sippen und Händler ihre Lager aufgeschlagen. Der Junker dreht den Spieß in der Schweinebräterei. Der Bettlerkönig macht seine Runde. Gaukler spielen mit dem Feuer. Es ist Mittelaltermarkt in der Heldrunger Wasserburg, und es herrscht großes Gewimmel.

Das ist das Schöne an der imposanten Wasserburg in Heldrungen. Jugendherberge und Veranstaltungen bringen Lebens ins und ums alte Gemäuer. Die große gepflegte Anlage lässt zugleich Rückzug in Stille und Abgeschiedenheit zu.

In ihre Fantasy-Stadt Tulderon tauchen hier gern Banker, Elektriker, Erzieherinnen, Studenten, Beamte, Physiker ein. Als Elfen, Zwerge, Alchimisten, Magier, Quacksalber, Orks und Rattenfänger im Live-Rollenspiel für ein paar Tage.

Unter dem Schutz Seiner Königlichen Hoheit, des Duke of Claucester, haben indes Festungsfachleute und Forscher aus Großbritannien, Neuseeland, Niederlande, USA, Kanada, Australien auf ihrer Oversea-Tour des "International Fortress Council" (IFC) einen anderen Blickwinkel.

"Welcome to castle, residence and fortress of Heldrungen" - heißt es da. Die Kenner sind beeindruckt. Mit dem Guide-Book hält die Heldrunger Wasserburg so Einzug in die National Library in Washington. Doppelt umgebende innere und äußere Wassergräben, Erdwälle, Bastionen samt kastellförmiger Dreiflügelanlage offenbaren Baukunst aus drei prägenden Bauepochen, von der Romanik im 12./13. Jahrhundert über Renaissance des frühen 16. Jahrhunderts bis zum Barock des 17. Jahrhunderts.

Verwinkelte Gänge, unterirdisches Gewölbe, das bis unters Magazin führt, Rüstung und Waffen von einst, Bogenschießen, Ritterspiele und Geschichten um den dusteren Müntzerturm mögen die Kinder.

Die Herren von Heldrungen bauten als Erste an der Burg. Als sie Fehde und Besitz an die Wettiner verloren, herrschten die Grafen von Hohnstein, dann jene von Mansfeld. Graf Ernst II. von Mansfeld baute weiter und schlug als Kriegshauptmann Herzog Georgs von Sachsen die aufständischen Bauern in der Schlacht bei Frankenhausen. Bauernkriegsführer Thomas Müntzer wurde in Heldrungen gefangen gehalten, bevor er am 27. Mai 1525 bei Mühlhausen hingerichtet wurde. Herzog August ließ nach dem Dreißigjährigen Krieg das Schloss wieder aufbauen. Gebaut und saniert wird heute wieder. Damit verdoppelt sich die Bettenzahl der Jugendherberge auf über 100.

Herbergsleiter Ralf Straßburg und Team machten die Wasserburg zur am besten ausgelasteten ländlichen Herberge in Thüringen und müssen Gäste bald weniger oft vertrösten.

Nicht nur Silvester ist über Jahre ausgebucht. Die jeweiligen Elfer des Jenaer Schott-Gymnasiums wissen um die guten Bedingungen. Seit bald 20 Jahren buchen sie für ihr Kulturprojekt im Herbst gleich für das nächste Jahr wieder.

Was? Wann? Wo?

  • Öffentlich zugänglich ist der Anlagenbereich der Heldrunger Wasserburg.
  • Der Thüringer Jugendherbergsverband macht die Heldrunger Wasserburg zum Pilotprojekt "Lernort Geschichte".
  • Jährlich finden Mittelaltermarkt, Musikfest und Sommernachtsball statt.
  • Für Hochzeits-, Firmenfeiern, Seminare ist die Wasserburg gefragt.Möglich sind auch standesamtliche Eheschließungen in der Burg.
  • Magazin, Rittersaal, Burgcafé, Gewölbe werden unter anderem genutzt.
  • Erreichbar ist die Wasserburg unter (034673) 91 22 4.
  • Die Burg gehört dem Land Thüringen, Erbbaupächter ist der Herbergsverband.

Das Buch zur Serie

  • Die ersten 100 Teile unserer Serie sind vor wenigen Tagen als Buch erschienen.
  • Es heißt "Die 100 schönsten Orte in Thüringen", hat 215 Seiten und kostet 13,95 Euro.
  • Der reich illustrierte Band ist in den Pressehäusern unserer Zeitung sowie im Buchhandel erhältlich.
  • Alle Autoren und Fotografen sind oder waren Mitarbeiter unserer Zeitung und der Ostthüringer Zeitung.
  • Zu den Orten, die im Buch beschrieben werden, gehören:Teufelskanzel Bornhagen (Eichsfeld)Jüngkens Aussicht in ArternOberschloss KranichfeldDie Saale bei CamburgWaldbad RastenbergWartburg EisenachHaus am Horn Weimar

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