Herzschrittmacher-Rückruf trifft auch Thüringer

Bad Berka/Weimar  Die weltweit vermutlich größte Rückrufaktion von Herzschrittmachern verunsichert viele Patienten. Hersteller und Ärzte versuchen zu beruhigen. Betroffene Träger werden von den Kliniken informiert.

Software-Updates bei einem Herzschrittmacher – hier in einem Röntgenbild sichtbar – sind ohne Operation möglich.

Software-Updates bei einem Herzschrittmacher – hier in einem Röntgenbild sichtbar – sind ohne Operation möglich.

Foto: Cavallini I JAMES/dpa PA

Der Rückruf von weltweit 157.000 Herzschrittmachern des irischen Medizintechnik-Herstellers Medtronic hat auch Auswirkungen auf Patienten in Thüringen. Betroffen vom Rückruf sind Träger von Zweikammer-Herzschrittmachern mit den Markennamen Adapta, Versa, Sensia, Relia, Attesta, Sphera und Vitatron der A-, E-, G- und Q-Serie, die zwischen dem 10. März 2017 und dem 7. Januar 2019 vertrieben wurden. Das geht aus einem Schreiben des Herstellers an die Kliniken hervor. „Bei Geräten der betroffenen Teilmenge kann ein Fehler in einem Schaltkreis auftreten, der die Funktionalität des Gerätes beeinflusst“, heißt es darin. „In sehr seltenen Fällen und nur unter bestimmten Voraussetzungen kann es zu einer Stimulationspause kommen.“

Die noch nicht eingebauten Geräte gingen an den Hersteller zurück. Bei einigen Patienten, die diese Herzschrittmacher haben, reicht nach Angaben von Medtronic ein Software-Update, das der Hersteller derzeit entwickelt und das nach der Freigabe in der zweiten Jahreshälfte zur Verfügung stehen soll.

„An unserem Herzzentrum sind lediglich fünf Patienten betroffen“, sagte Chefarzt Dr. Thomas Kuntze von der Zentralklinik Bad Berka. Grund: „Die Probleme können nur bei einer ganz bestimmten Betriebsart dieser Schrittmacher auftreten“, beruhigte Kuntze. Software-Updates seien nicht spektakulär und kämen öfter vor. Die betroffenen Patienten müssten dafür nicht operiert werden.

Am Sophien- und Hufeland-Klinikum in Weimar sind nach Angaben von Oberarzt Dr. Markus Schlosser keine der betroffenen Schrittmacher in den vergangenen zwei Jahren eingepflanzt worden.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bewertete die von Medtronic veranlasste Maßnahme als zielführend und geeignet. Die exakte Zahl der in Deutschland betroffenen Patienten wollte Medtronic auf Weisung des operativen Hauptquartiers des Konzerns in Minneapolis (USA) nicht nennen.

Nach Angaben der deutschen Medtronic-Niederlassung sei die Stimulationspause in vier Fällen bei zwei Patienten klinisch belegt worden. Die Folge sei jeweils eine Ohnmacht gewesen. „Diese Ereignisse traten in drei Geräten auf“, heißt es. Todesfälle habe es nicht gegeben.

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