Iberogast: Ermittlungen gegen Bayer nach Todesfall

Düsseldorf  Iberogast von Bayer kann wohl zu Leberversagen führen. Der Konzern wehrte sich gegen einen Warnhinweis. Nun wird offenbar ermittelt.

Bayer ist wegen des Mittels Iberogast offenbar im Zentrum von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Bayer ist wegen des Mittels Iberogast offenbar im Zentrum von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Foto: Uwe Steinert

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Hätte Bayer vor möglichen Nebenwirkungen des beliebten Arzneimittels Iberogast warnen müssen – besonders, weil der Pharmakonzern von Zwischenfällen gewusst haben soll? Das „Handelsblatt“ berichtet von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Köln: „Der Verdacht: Hätte Bayer früher vor Leberschäden gewarnt, wären womöglich ein Todesfall und etliche Erkrankungen zu verhindern gewesen.“

Der Zeitung zufolge habe das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) schon seit mehr als fünf Jahren Hinweise für die Packungsbeilage und die Fachinformation gefordert. Dies habe der Konzern aber vermieden. In einem Imagefilm von Anfang 2018 erklärte Konstanze Diefenbach, Leiterin Medizin der Bayer Vital GmbH, dass es keinerlei solche Hinweise geben werde und müsse.

Dass plötzlich Mitte 2018 dann doch ein Warnhinweis aufgenommen wurde, hat offenbar einen ernsten Hintergrund. Und offenbar kam er für einige zu spät.

Bayers Iberogast gefährlich? Todesfall 2018 soll in Zusammenhang mit Mittel stehen

Die Lage habe sich laut Handelsblatt geändert, als es 2018 zu einem Zwischenfall kam: Es sei bekannt geworden, „dass eine Frau in Deutschland an Leberversagen und inneren Blutungen gestorben war, die zuvor Iberogast eingenommen hatte, knickte Bayer ein und änderte doch noch die Packungsbeilage und die Fachinformationen“.

Problem sei ein Inhaltsstoff, das Schöllkraut. Es wird vom Bundesamt in Verbindung mit Leberversagen gebracht. Präparaten mit hohen Dosierungen wurden teilweise die Lizenzen entzogen. Und schon 2016 hätte ein Wissenschaftler in einer Fachpublikation den Zusammenhang von Iberogast, in dem es enthalten ist, und Leberversagen hergestellt.

Warnhinweise in der Schweiz aufgenommen – in Deutschland aber nicht

In der Schweiz wurde später dann auch ein entsprechender Warnhinweis aufgenommen. Der gleichen Forderung vom BfArM in Deutschland gab man jedoch nicht nach – verweigerte sich offenbar auch für andere EU-Länder entsprechende Erweiterungen der gelisteten Nebenwirkungen einzuführen.

Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft wiege schwer, urteilt das „Handelsblatt“: „Im Raum stehen offenbar eine mögliche fahrlässige Tötung und Körperverletzung.“ Nach den Recherchen der Redaktion habe die Staatsanwaltschaft ein Gutachten in Auftrag gegeben, um die Kausalität von Mitteleinnahme und Tod zu klären. „Das Verfahren soll sich noch gegen unbekannt richten. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft lehnte eine Stellungnahme dazu ab. Bei Bayer heißt es, man wisse nichts von einem Ermittlungsverfahren.“

Immer wieder Bedenken – auch von den Grünen

Bereits 2011 habe die Europäische Zulassungsbehörde angegeben, dass Schöllkraut bedenklich sei. „Es fehlen Belege für die klinische Wirksamkeit, und es kann keine fundierte Indikation für die Anwendung nachgewiesen werden“, habe die Kommission ermittelt. Bayer argumentierte, dass das bei Kombipräparaten anders sei.

Im September 2018 äußerte sich die Grünen-Abgeordnete Kordula Schulz-Asche erschrocken über den Todesfall – und forderte die Aufsichtsbehörden auf, entschlossen zu handeln. Zwischenzeitlich erweiterte man die Warnhinweise schon einmal. Trotz vorheriger Bekundungen, es sei nicht schädlich, wurde plötzlich bekanntgegeben, dass Schwangere das Medikament Iberogast nicht mehr nehmen sollen.

Bayer droht ein PR-Gau – Krankenkassen erstatten bisher überwiegend

Dem Konzern drohe damit ein PR-Gau, Iberogast gegen unter anderem Völlegefühl und Blähungen gehöre zu den Bestsellern unter den frei erwerbbaren Arzneien. Krankenkassen würde es zudem überwiegend erstatten: „Im Jahr 2017 wurden laut Arzneiverordnungsreport 1,5 Millionen Tagesdosen des Präparates zulasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet.“

Der Konzern hat gerade noch einen anderen, noch größeren Kampf: Den ums Glyphosat. Trotz Strafsummen-Nachlass erlitt Bayer gerade eine erneute Niederlage. In Österreich ist Glyphosat verboten. Ein Verstoß gegen EU-Recht? Für den Bayer-Chef Werner Baumann ist es ein einzig großes Monsanto-Fiasko. Für die Arbeitnehmer hat das alles Folgen. Bayer will offenbar 4500 deutsche Arbeitsplätze abbauen. (

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