In Herleshausen wird mit den ersten Stolpersteinen der jüdischen Opfer gedacht

Herleshausen (Wartburgkreis). Es war in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, als im hessischen Herleshausen die Synagoge vom nationalsozialistischen Terror zerstört wurde.

Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte die Steine in Herleshausen. An den einzelnen Wohnorten wurde danach an die Vertriebenen und zugleich Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Foto: Heiko Kleinschmidt

Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte die Steine in Herleshausen. An den einzelnen Wohnorten wurde danach an die Vertriebenen und zugleich Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Foto: Heiko Kleinschmidt

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Auch die jüdischen Einwohner blieben nicht verschont und wurden in die Vernichtungslager deportiert. Daran erinnern nun erstmals Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig aus Köln in dem Ort. So wie auch in Eisenach.

19 Paten fanden sich schnell für die Steine. Eine besondere Aktion starteten die Mädchen und Jungen der Südringgauschule. Dort gab jeder 50 Cent aus seiner Spardose, um gemeinsam einen Stein zu bezahlen.

Am Montag wurden die Steine verlegt. Zahlreiche Bürger kamen zur Gedenkfeier, um der Holocaust-Opfer zu gedenken. Helmut Schmidt, Bürgermeister a. D. und Mitglied im Arbeitskreis "Stolpersteine", erinnerte an die einstigen Verdienste der jüdischen Mitbürger, die beispielsweise im Ersten Weltkrieg ihr Leben für das Land gaben und kurz darauf erneut Leid erfahren mussten. Und: Die systematischen Entrechtung wurde durchaus auch von den Nachbarn erkannt, nicht selten sogar mitgetragen.

Ausreise nach Palästina rettete das Leben

Aus dem englischen Manchester reiste Bruce Robinson zur Gedenkveranstaltung an. Er gedachte am Hainertor von Herleshausen seiner Verwandten, die dort ein Haus hatten und vertrieben wurden. Seine Mutter Ruth überlebte als einzige.

Ruth Robinson, eine geborene Katzenstein, verbrachte ihre Kindheit bis zum zwölften Lebensjahr im Hainertor 15. Mit acht Stolpersteinen wurde alleine der Opfer dieser Familie gedacht. Durch die frühzeitige Ausreise nach Palästina konnte Ruth Katzenstein ihr Leben retten. Sie erinnert sich gut daran, wie einige Herleshäuser Bürger aktiv bei der Vertreibung der jüdischen Bevölkerung mithalfen.

Für Bruce Robinson ist es wichtig, dass für die ermordeten Menschen solche Mahnmale gesetzt werden. Er dankte Helmut Schmidt für das 25-jährige Tätigsein, damit das Schicksal der Juden in Herleshausen nicht vergessen wird.

Verlesen wurde ein Schreiben von Susanne Neuhaus Milkes aus dem kalifornischen Long Beach. Sie dankte für das Verlegen der Stolpersteine auch im Gedenken an ihre Familie. Dies empfindet sie als "tiefgreifende Symbolik, Aussagekraft und Beständigkeit", so die Amerikanerin. Sie besuchte 1983 den Ort, um zu sehen, wo ihre Großeltern einst lebten.

Gleich zu Beginn der Gedenkveranstaltung verlasen die Schüler der Südringgauschule alle Namen der Ermordeten und stellten je ein Foto und eine Kerze auf einen Tisch. Es kam eine lange Reihe zusammen.

Aus Eisenach und den thüringischen Nachbargemeinden nahmen u.a. Christiane Leischner vom Bündnis gegen Rechtsextremismus, Gerstungens Bürgermeister a."D. Manfred Schramm und Kreistagsmitglied Harry Weghenkel (LAD) an der Veranstaltung teil. Der Arbeitskreis "Stolpersteine" wurde von Reinhold Brunner, Leiter des Eisenacher Stadtarchivs, unterstützt. Heimatforscher und Ortschronisten der Region trugen ebenfalls dazu bei, etwas über den Lebensweg der jüdischen Familien zu erfahren.

Helmut Schmidt ließ in seiner Ansprache nicht unerwähnt, dass es immer wieder Menschen gibt, die das Geschehen während des Nationalsozialismus leugnen. Und während Gunter Demnig die Steine verlegte, wurden an den einzelnen Stationen die Lebensgeschichten der vertriebenen Juden verlesen.

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