Kirchtürme im Kreis Nordhausen sind Wohnzimmer für Dohle, Falke und Co.

Südharz.  Verein der Nordhäuser Ornithologen dokumentiert seit Jahren den Zuwachs an Nistkästen und Vögeln, warnt aber auch vor Aktionismus beim Thema „Lebensraum Kirche“.

Peter Höhns vom Verein der Nordhäuser Ornithologen beaufsichtigt unter anderem die Nistkästen in den Türmen des Nordhäuser Doms.

Peter Höhns vom Verein der Nordhäuser Ornithologen beaufsichtigt unter anderem die Nistkästen in den Türmen des Nordhäuser Doms.

Foto: Peter Cott

In Südharzer Kirchtürmen wimmelt das Leben: Mauersegler, Dohle, Falke und Co. – sie alle haben sich die hohen Gebäude als Quartier auserkoren. „Ganze 30 Kirchen im Landkreis sind mittlerweile Nistplatz für Turmbrüter“, sagt Peter Höhns vom Verein der Nordhäuser Ornithologen und lenkt damit den Blick auf eine Kolumne unserer Zeitung vom 13. November. Angeregt durch das Engagement der Trebraer Kirchgemeinde und dem Tierfreund Reinhard Koch wurden die Türme der hiesigen Gotteshäuser darin als perfekter Lebensraum angepriesen. Doch das sei im Landkreis längst der Fall, sagt Höhns nun. Mehr Kirchen mit Nistkästen könnten gar schädlich sein, fürchtet er.

Angestoßen durch die Initiative „Lebensraum Kirchturm“ des Naturschutzbundes (Nabu) habe man ab 2007 deutschlandweit bauliche Sünden der Vergangenheit getilgt. Versiegelte Türme seien damals vielerorts – in über 1000 Kirchen – wieder für Vögel geöffnet und um Nistkästen ergänzt worden.

Auch über die Kreisgrenzen hinweg hätten die Nordhäuser Ornithologen Gotteshäuser im Kirchenkreis auf die Aktion aufmerksam gemacht. Nicht jede Gemeinde sei daran interessiert gewesen und nicht jedes Dorf war überhaupt geeignet, so beispielsweise Herrmannsacker, wo die Kirche keinen Turm hat. Doch der Großteil konnte überzeugt werden. „65 Prozent der Türme im Kirchenkreis sind deshalb heute mit Nistkästen besetzt“, weiß Höhns. Gemeinsam mit seinen Vereinsfreunden Herbert Buchholz, Julius Clauß und Ulrich Hanstein beaufsichtigt er sie all und präpariert sie Jahr für Jahr.

Und die Ornithologen führen akribisch Buch darüber: Ihren Statistiken lässt sich unter anderem entnehmen, dass voriges Jahr im Südharz acht Turmfalken-Pärchen brüteten. In Kleinwerther hatten zudem zwei Schleiereulen Junge. Gern sähe man noch mehr dieser hübschen Tiere, allerdings fehle es ihnen durch viele Raps- und Maisfelder zunehmend an geeigneten Jagdgründen, sagt Höhns, der auch die Dohlenpopulationen genauestens dokumentiert hat: 34 Bruten zählte der Verein 2019. Zum Vergleich: Vor gut zehn Jahren pendelte die Zahl ihrer Bruten noch zwischen null und drei.

Aber genau hierin liegt auch der Knackpunkt für Höhns: „Wenn Dohlen größere Kolonien bilden, vertreiben sie andere Vogelarten.“ Bei wilden Tauben werde das zwar noch gern gesehen. „Aber am Nordhäuser Dom kommt dadurch leider der Turmfalke schon seit einigen Jahren nicht mehr“, bedauert Höhns. Er und seine Kollegen warnen daher vor Aktionismus, wie sie in Trebra befürchten. „Lieber hätten wir eine koordinierte Betreuung und abgesprochenen Bau von Nistkästen“, lädt er Reinhard Koch und seine Mitstreiter zum Austausch.