Kliniken erwarten weniger Misstrauen von Kassen und Politik

Erfurt  Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, mahnte an, es gebe eine regelrechte Misstrauenskultur gegenüber den Kliniken, dass sie zu viel oder unnötig operierten oder falsch abrechneten.

(Symbolbild)

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Foto: Bernd Weissbrod/dpa

Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, hat von Politik und Krankenkassen mehr Vertrauen in die Versorgungsleistungen der Krankenhäuser gefordert. Beim 6. Krankenhausforum der Landeskrankenhausgesellschaft in Erfurt sagte Gaß am Montagvormittag, es gebe eine regelrechte Misstrauenskultur gegenüber den Kliniken, dass sie zu viel oder unnötig operierten oder falsch abrechneten.

Krankenkassen und Politik forderte er auf, Kliniken zu vertrauen, dass sie Patienten verantwortungsvoll behandeln und versorgen. Den wirtschaftlichen Druck, unter dem viele Kliniken stünden, führte Gaß auf eine von den Ländern mit zu verantwortende Investitionsmisere in vielen Krankenhäusen zurück. Die Länder kämen ihren Finanzierungsverpflichtungen zu weniger als 50 Prozent nach, Krankenhäuser müssten daher Gelder für Investitionen und Erhaltungsmaßnahmen aus Budgets abzweigen, die eigentlich fürdie Finanzierung der Patientenversorgung gedacht seien. „Viele Kliniken sind dramatisch unterfinanziert. Das führt zu einer hochproblematischen Infrastruktur.

Krankenhäuser auf dem Land sollen ambulante Behandlungen anbieten können

Damit sind die unterfinanzierten Häuser auch für das Personal weniger attraktiv und können immer weniger ressourcenschonend arbeiten“, sagte der DKG-Chef. Wer Klinikschließungen fordere, vergesse, dass Krankenhäuser neben der Akutversorgung auch Aufgaben in der Notversorgung und bei der Ausbildung von ärztlichem Personal übernehmen. Für kleinere Krankenhäuser auf dem Land forderte Gaß eine Reformierung des DRG-Modells, dass es erlaube, dass Häuser auch mit einer 24-stündigen Basisversorgung existieren können. „Kleinen Krankenhäusern auf dem Land muss es künftig erlaubt ein, für die Versorgung der Menschen in ländlichen Regionen auch ambulante Leistungen zu übernehmen. Hier wollen wir uns nicht ständig mit den Kassenärztlichen Vereinigungen herumstreiten“, sagte Gaß.

Thema des Thüringer Krankenhausforums sind der Personalmangel, die Finanzierung und die Digitalisierung der Krankenhäuser in Thüringen. Es müsse wieder gelingen, Fachkräfte zu finden und zu halten, sagte die Vorsitzende der Landeskrankenhausgesellschaft, Gundula Werner. Tariferhöhungen für ärztliches Personal müssten von den Kassen voll refinanziert werden. Thüringer Krankenhäuser müssten gleichberechtigt an der sektorübergreifenden Versorgung beteiligt werden. Bei einer Podiumsdiskussion stellten die gesundheitspolitischen Sprecher der im Thüringer Landtag vertretenen Parteien sowie der FDP ihre gesundheitspolitischen Vorstellungen vor.

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