Landrätin und Kreissportbund-Präsident: Null Toleranz für Fremdenfeindlichkeit!

Kyffhäuserkreis. "Der organisierte Sport im Kyffhäuserkreis ist gefordert" -- unter dieser Überschrift haben Landrätin Antje Hochwind (SPD) und Kreis-Sportbund-Präsident Andreas Räuber heute einen Aufruf veröffentlicht, der die Sportvereine dazu auffordert, rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen entgegenzuwirken und Flüchtlinge in ihren Vereinen eine Chance zur Integration zu geben.

<p>In den kommenden Tagen würden im Kyffhäuserkreis ca. 70 Flüchtlinge erwartet, die vorrangig aus Eritrea stammen, heißt es in dem Schreiben. Inzwischen gebe es seitens der rechtsextremen NPD einen Aufruf, dies mit wirkungsvollen Protesten verhindern zu wollen. "Was das nach Lesart dieser Partei bedeutet, ist leicht vorstellbar. Gleichzeitig werden durch die Rechtspopulisten Tatsachen bewusst falsch dargestellt, um Ängste zu schüren und Hass zu säen", so Räuber. Gemeinsam mit der Landrätin des Kyffhäuserkreises, Antje Hochwind, nehme er dies zum Anlass, sich mit einem offenen Brief an die Sportvereine im Kyffhäuserkreis und deren Mitglieder zu wenden.</p> <p>TA veröffentlicht im Folgenden den Brief im Wortlaut:</p> <p>"Liebe Sportlerinnen und Sportler sowie Mitgliedsvereine im Kyffhäuser- Kreissportbund,</p> <p>in den letzten Tagen rufen Mitglieder der rechtsextremen NPD zu "wirkungsvollen Protesten" gegen die bevorstehende Aufnahme von ca. 70 Asylbewerbern im Kyffhäuserkreis auf. Auf Grund der Erfahrungen in der jüngeren Vergangenheit ist nicht auszuschließen, dass solche Proteste in offener Fremdenfeindlichkeit und Gewalt münden. Dem möchten wir frühzeitig und entschlossen entgegentreten. </p> <p>Die Satzungen des LSB Thüringen und des Kyffhäuser-Kreissportbundes bekennen sich zum Grundsatz religiöser, ethnischer und weltanschaulicher Toleranz, missbilligen rassistische, verfassungs- und fremdenfeindliche Bestrebungen entschieden und fordern zum Eintreten gegen jegliche Art von Extremismus auf. Das bedeutet: Null Toleranz gegenüber Rassismus, Nationalismus und Faschismus!</p> <p>Wenn Menschen, die aus einem Land fliehen, in dem seit vier Jahrzehnten ein heftiger Bürgerkrieg tobt, als Wirtschaftsflüchtlinge diskriminiert und kriminalisiert werden, ist dies in höchstem Maße inhuman. Mehr als 500 000 Deutsche sind in der Zeit der Nazidiktatur emigriert, 3 000 000 Ostdeutsche sind zwischen 1945 und 1989 in den Westen geflohen. Deutsche haben also selbst erfahren müssen, wie wichtig es ist, Asyl und Zuflucht zu finden.</p> <p>Sport bietet wie kaum ein anderer gesellschaftlicher Bereich die Möglichkeit, Menschen zu integrieren, Ängste abzubauen und Verständnis füreinander zu entwickeln. Deshalb bitten wir die Vereine im Kyffhäuser-Kreissportbund, den Asylbewerbern diese Chance zur Integration zu bieten. Gemeinsame Spiel- und Sportfeste oder die Aufnahme in die Sportvereine können dafür eine Möglichkeit sein. Der KKSB und das Landratsamt Kyffhäuserkreis sind Ihnen bei der Organisation und Durchführung solcher Aktivitäten gern behilflich.</p> <p>Bei allem Verständnis für Ihre Sorgen und Nöte: Gehen Sie nicht den Parolen rechter "Bauernfänger" auf den Leim. Empfangen Sie Flüchtlinge mit offenen Armen, sie werden es Ihnen danken. Heißen wir diese Menschen in unserem Landkreis willkommen.</p> <p>Sondershausen, den 11. November 2014"</p>