Lebenslang in Kontakt mit der Kunst

Erfurt  Ernst August Zimmermann wird morgen 80 Jahre alt. Drei Ausstellungen zu Ehren des Geburtstags

In dieser Woche wurde im Druckereimuseum in der Brühler Straße 37 eine Ausstellung mit Plakaten eröffnet.

In dieser Woche wurde im Druckereimuseum in der Brühler Straße 37 eine Ausstellung mit Plakaten eröffnet.

Foto: Marco Schmidt

Zimmermann. Im Jahr 1954 schien das dem Vater der richtige Beruf für den jugendlichen Sohn. So begann Ernst August Zimmermann die Zimmermanns-Lehre in den BUNA-Werken Schkopau. Sein Glück, dass große Ausbildungskombinate immer auch Arbeiterkunst im Angebot hatten. Die Kunstzirkel der DDR-Großbetriebe wurden meist geleitet von honorigen Künstlern und kräftig gefördert. So entdeckte der junge Mann sein Talent für das Malen, Zeichnen und Gestalten.

Doch sein Weg führte nicht wie empfohlen zur Kunsthochschule, sondern erst mal zur Nationalen Volksarmee und später nach Suhl, wo er Veranstaltungsleiter eines Jugendclubs wurde. Ab 1965 studierte er an der Pädagogischen Hochschule Erfurt Kunsterziehung und Deutsch. War später kulturwissenschaftlicher Mitarbeiter im Bezirk und in der Stadt. Eckte immer mal an, bekam gelegentlich was auf die Mütze. In der DDR fand so manche Karriere ein jähes Ende, wenn einer aus der Reihe tanzte. Er wurde ins Wohnungsbaukombinat versetzt und übernahm dort nebenbei die künstlerische Leitung zweier Grafikzirkel. Ernst August Zimmermann gehörte auch zu den Gründern des Erfurter Kunstkabinetts, das später den Kulturpreis der Stadt Erfurt bekam.

Wenn er seine Biografie aufblättert, reiht sich ein Wechsel an den nächsten. „Aber meinen künstlerischen Neigungen bin ich immer treu geblieben“, lächelt er und berichtet von verrückten Wendungen, Wegen, die plötzlich zu Ende waren, von Irrungen und Wirrungen im Kulturbetrieb des Bezirkes Erfurt. Im Veranstaltungsbüro der Stadt Erfurt arbeitete er und durfte dabei auch seiner Druckleidenschaft frönen und Plakate machen. Im Büro für architekturbezogene Kunst wirkte er mit vielen Künstlern zusammen. Gemeinsam mit Kollegen kämpfte er gegen den Abriss der Lowetscher Straße 42 – die dortigen Künstlerwerkstätten haben bis heute überlebt.

Im Hinterhof seiner Wohnung in der Liebknechtstraße 49 baute er eine Grafikdruckerei auf. Hier trafen sich seine Kunstzirkel-Freunde. Hier vervielfältigte er Werke, die andere Künstler hervorgebracht hatten. „Eine faszinierende Arbeit“, findet er und erzählt vom Umgang mit Steinen, Holzdruckstöcken, Kupferplatten, Papier, Farbe und den historischen Druckerpressen. Zimmermann machte sich mit seinen Drucken weit über Erfurt hinaus einen Namen.

Als das Hinterhof-Atelier immer maroder wurde, suchte er mit seiner Frau Elke ein neues Quartier für sich und die Kunst und stieß auf ein kleines Haus in der Kürschnergasse 8, das nur noch aus einem in die Gera gefallenen Stein- und Bretterberg bestand. Man schrieb das Jahr 1990. Bauverträge platzten, Zusagen waren null und nichtig. Aber irgendwann hatten sie das Geld zusammen und bauten wie die Wilden weiter, betrieben ein Cafe und eine Galerie und im Keller knarrten die Druckpressen. Zu denen, die bei ihm drucken ließen, gehörte Werner Tübke. „1995 waren wir zu einem Fest nach Leipzig eingeladen und wurden ihm vorgestellt. Er brummte: Machen Sie zwei Steine fertig und bringen Sie sie her“, erinnert er sich. So kamen Tübkes Lithografien und Zimmermanns Druckkunst zusammen. 19 verschiedene Grafiken ließ der Meister aus Leipzig später bei dem Meister aus Erfurt drucken.

Zimmermann hat viele eigene Werke geschaffen, vor allem fein ziselierte Naturdrucke. Er beteiligte sich an zahllosen Ausstellungen, war auf vielen Studienreisen, bekam seinen zweiten Kulturpreis im wiedervereinigten Deutschland. Er erzählt auch von gesundheitlichen Querschlägen, von Demut und Lebenslust.

Längst hat er begonnen, sein Leben aufzuschreiben. „Um mir mal klarzumachen, wie alles gelaufen ist und was in einem Leben steckt.“ Er ahnt schon, dass ihn dieses Projekt länger als jedes Kunstwerk beschäftigen wird. Sein Lebensfazit: „Ich habe immer versucht, Wort zu halten. Und ich bin immer wieder aufgestanden, wenn es mich mal umgehauen hat.“

Vor 15 Jahren schenkte Ernst August Zimmermann seine Werkstatt mit den wertvollen Maschinen und Hunderten Grafiken der Stadt Erfurt, weitere Werke gingen an Mühlhäuser Museen.

19 Grafikdrucke für Werner Tübke

Den morgigen 80. Geburtstag feiert er ganz klein im Familienkreis. Doch in Erfurt wird seine Arbeit groß gewürdigt, gleich drei Ausstellungen finden statt. Seit Mittwoch zeigt das Druckereimuseum im Benaryspeicher seine Künstlerplakate.

In Haus Dacheröden stellt er ab 19. September 18 Uhr eigene Werke und von ihm Gedrucktes vor. „Der Titel könnte Herbstzeitlese heißen, das würde zur Herbstlese passen“, sagt er. „Diesem jungen Team, das Haus Dacheröden wieder mit Leben füllt, zolle ich höchsten Respekt.“ Ab 28. September 16 Uhr präsentiert zudem der Freundeskreis Michaeliskirche mit Lesungen, Musik und allerlei Bonmots die große Graphikausstellung „EAZ“ in Erfurt.

Kulturdezernent Tobias Knoblich sagt über ihn: „Ernst August Zimmermann ist ein nahbarer Mensch, einer, der sowohl Herz als auch Verstand besitzt. Und Fingerspitzengefühl – nicht nur im Umgang mit der Kunst, sondern auch mit den Menschen.“

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