Neymeyr: Es gibt nur von Menschen gemachte Grenzen

Hülfensberg  Bischof predigt bei Hülfensberg-Wallfahrt am Tag der Deutschen Einheit. 400 Gläubige pilgern über einstige Grenze hinweg.

Bei der Wallfahrt am Tag der Deutschen Einheit mit Bischof Ulrich Neymeyr (link) wurde auch auf dem einstigen Kolonnenweg Halt gemacht.

Bei der Wallfahrt am Tag der Deutschen Einheit mit Bischof Ulrich Neymeyr (link) wurde auch auf dem einstigen Kolonnenweg Halt gemacht.

Foto: Jürgen Backhaus

Weder hohe Berge noch große Flüsse und selbst Meeresküsten seien wirkliche Grenzen, sagte der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr bei der Wallfahrt am Tag der Deutschen Einheit, deren Pilgerweg von der „Kapelle der Einheit“ auf hessischer Seite über die einstige Grenze hinweg auf den Hülfensberg führte. Natürliche Grenzen gebe es eigentlich nicht, nur von Menschen gemachte, meinte der Bischof in Bezug auf eine vorgelesene Bibelstelle, in der von den „Grenzen der Erde“ die Rede ist. Sei doch die Erde eine Kugel.

An der vor 25 Jahren geweihten Kapelle fand der Wortgottesdienst bis zur Predigt statt. Auf den im Pflaster vor der Kapelle dargestellten Grenzen der beiden ehemaligen deutschen Staaten brannten Kerzen. Auf symbolischen Wegweisern standen unter anderem die Worte Frieden und Versöhnung. Zu der Wallfahrt hatten wiederum die Franziskaner vom Hülfensberg und die katholische Pfarrgemeinde Wanfried eingeladen, zu deren Bereich die Kapelle der Einheit gehört.

Der Bischof schloss sich seinem Amtsvorgänger Joachim Wanke an, der an selber Stelle einmal gesagt hatte, der 3. Oktober 1990 sei der schönste Tag in seinem Leben gewesen. Damals habe er, Neymeyr, als Subregens im Mainzer Priesterseminar einen Bischof aus Südkorea zu Gast gehabt, der die Freude der Deutschen sehr gut verstanden habe. Leider sei Korea bis heute noch von einer ebenso schlimmen Grenze geteilt, wie es sie in Deutschland gab. Grenzen sollten nur dazu dienen, Verantwortungsbereiche festzulegen, nicht Menschen voneinander zu trennen. Der Bischof kritisierte auch, dass 28 Jahre nach der Wiedervereinigung noch von Ost und West geredet werde, und nahm Bezug darauf, dass Europa derzeit seine Grenzen sichere. Christen seien jedoch immer aufgerufen, Flüchtlinge aufzunehmen. Ein wohlhabendes Land wie Deutschland müsse auch von seinem Wohlstand abgeben. Statt Abschottung müsse das Ziel sein, armen Ländern bei der Bekämpfung von Fluchtursachen zu helfen. Und auch die Korruption einzudämmen, damit Hilfe wirklich ankomme.

In Prozession pilgerten die etwa 400 Gläubigen nach der Predigt betend und singend hinauf zur Wallfahrtskirche.

Auf dem Kolonnenweg der einstigen Grenze wurden die Fürbitten gebetet und auch an weiteren Stellen wurde kurz innegehalten und das Thema „Weg“ bedacht.

Die Wallfahrtskirche war bei der Fortsetzung der Messfeier fast überfüllt. Die Heyeröder Don-Bosco-Bläser begleiteten zum Schluss auch zwei Nationalhymnen: die der Bundesrepublik und die des Eichsfeldes, das Eichsfeldlied. Für das anschließende Beisammensein hatten die Wanfrieder Kaffee und Kuchen mitgebrachten – und boten auch Grillwürste an.

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