Nordhausen 1945 - Zeitzeugen erinnern sich: Zwei Familien haben alles verloren

Die weiteren Erinnerungen von Gisela Jeschke aus Nordhausen an die Bombenangriffe am 3. und 4. April 1945:  An diese furchtbaren Tag habe ich trotz meines damaligen Alters (knapp 5 Jahre) einige Erinnerungen. Als der Angriff am 3. April erfolgte, befanden sich in unserem Keller in Niedersalza vier

Die weiteren Erinnerungen von Gisela Jeschke aus Nordhausen an die Bombenangriffe am 3. und 4. April 1945:

An diese furchtbaren Tag habe ich trotz meines damaligen Alters (knapp 5 Jahre) einige Erinnerungen. Als der Angriff am 3. April erfolgte, befanden sich in unserem Keller in Niedersalza vier Personen: unsere Mutter, mein Großvater (84) und ich, außerdem unsere Nachbarin, welche durch den Kellerdurchbruch zu uns eilte.

Als am 4. April der zweite Angriff erfolgte, waren unsere Mutter, meine Schwester und ich sowie unsere Nachbarin wieder in unserem Keller.

Während ich mich heute noch an die häufigen Fliegeralarme erinnern kann, kann ich mich gar nicht an die vielen explodierenden Bomben erinnern. Niedersalza hatte an diesem Tag meines Wissens durch Bombenabwurf nur ein vollständig zerstörtes Haus, dessen Bewohner Niedersalza aber vorher verlassen hatten und somit überlebten. Das Haus unserer Verwandten stand näher als unseres zu dem zerstörtem Haus. Meine Mutter eilte mit uns dorthin. Das Dach war abgedeckt und die Dachziegeln lagen am Boden als Schutt.

Mein Opa ist im Keller seines Wohnhauses verbrannt. Es konnte niemand diesen Kellerraum verlassen, da dieses Kellerfenster mit Trümmern verstellt war. Die Schwester meines Vaters wurde verletzt, ist daran verstorben und wurde als "unbekannte" Frau in Salza bestattet. Die Grabstätte wurde aber von unserem Vater und seinem ältesten Bruder ausfindig gemacht. Ihr Wohnhaus am Petersberg wurde zerstört.

Die Familie des ältesten Bruders meines Vaters war am Hagen im Keller ihres Wohnhauses verschüttet, konnte aber durch den Wanddurchbruch über den Nachbarkeller herauskommen. Die jüngste Schwester unserer Mutter wohnte in der Morgenröte und war am 4.4. in der Stadt mit ihrer Tochter unterwegs. Sie wurde gerade noch in ein Nachbarhaus herein gezogen. In diesem Haus wurde sie verschüttet, konnte aber durch die Hilfe von anderen Personen aus dem Keller herausgeholt werden.

Beide Familien hatten alles verloren. So haben wir und unserer Nordhäuser Verwandten die Zerstörung Nordhausens erlebt und teilweise überlebt.

Unsere Mutter hatte nach der schlimmen Zeit einen Ausspruch: "Ich will in meinem Leben nur noch Trockenbrot essen; bloß keinen Krieg und keine Fliegerangriffe mehr."

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