Schüler bauen Fünf-Sterne-Hotel für Bienen

Roldisleben.  Bienen-Garten-Kirche Roldisleben wird international vernetzter Forschungsstandort. Ein digitaler Bienenstock macht’s möglich.

Viel Handarbeit ist beim Bau des Bienenhotels gefragt. Maik Bleichrodt und  Jörgo Senns leiten Tommy, Kevin,  und Paul  an.

Viel Handarbeit ist beim Bau des Bienenhotels gefragt. Maik Bleichrodt und Jörgo Senns leiten Tommy, Kevin, und Paul an.

Foto: Jens König

„Das wird ein Fünf-Sterne-Hotel“, hat Jörgo Senns, Werklehrer der Finneck-Gemeinschaftsschule „Maria Martha“ in Rastenberg“, am Dienstag die Neugier auf ein Bienenhotel geweckt. Gebaut haben es Schüler der Klassenstufe 5 bis 8 mithilfe von ihm und Sonderpädagoge Maik Bleichrodt direkt in Rodisleben. An der Bienen-Garten-Kirche wird es seinen Standort bekommen.

Der Workshop für die Schüler war gleichzeitig Auftakt einer Kooperation zwischen der 2017 ins Leben gerufenen Projektgruppe Bienen-Garten-Kirche Roldisleben und der Gemeinschaftsschule. „In der ersten Schulwoche des neuen Schuljahres soll es für die Schüler einen Bienentag geben. Ein Erntefest ist im Herbst geplant. Eine ganze Projektwoche ist im nächsten Jahr vorgesehen“, nennt Pfarrer Andreas Simon weitere Höhepunkte der Kooperation.

Mit den gemeinsamen Ideen, die unter dem Namen „We4bee“ stehen, gelang es den Initiatoren, bundesweit auf sich aufmerksam zu machen. Überzeugen konnten sie im Kulturbüro des Rates der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD). Aufgenommen wurde „We4bee“ in das Projekt „Land:Gut2020“, welches derzeit in 20 Orten in den neuen Bundesländern veranstaltet wird.

Ins Leben gerufen wurde es von Klaus-Martin Bresgott von der EKD und wesentlich durch Monika Grütters, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, gefördert. Klaus-Martin Bresgott ließ es sich nicht nehmen, die Förderplakette persönlich zu überbringen. „Der Weg hat sich gelohnt“, zeigte er sich vom Projekt und den Initiatoren begeistert. „Landgut ist Kulturgut und braucht immer wieder neue Impulse“, sagte er.

Roldisleben als internationalevernetzter Forschungsstandort

Laut Simon ist es mit der Finanzspritze nicht nur möglich, Workshops für Schüler und Weiterbildungen für Lehrer zum Thema Bienen zu initiieren, sondern auch als international vernetzter Forschungsstandort aufzutreten. Installiert wurde nämlich auch ein digitaler Bienenstock an der Roldislebener Kirche. Mittels einer eingebauten Kamera soll das Verhalten der Bienen erforscht werden.

Daten über die Luftfeuchtigkeit, das Gewicht, die Feinstaubbelastung, die Temperatur, die Niederschlagsmenge und die Windgeschwindigkeit, den Luftdruck oder die Helligkeit werden erhoben, die „direkt zur Julius-Maximilian-Universität Würzburg gelangen und dort ausgewertet werden“, sagt Simon. Wie er berichtet, hat Bienenforscher Jürgen Tautz 2019 den Aufbau eines weltweiten Netzwerks zur Datenerfassung und -analyse gestartet. Tautz war im vergangenen Jahr bei der Einweihung der Bienen-Garten-Kirche zu Gast.

Noch ist der Bienenstock unbewohnt. Doch das wird sich schon bald ändern. Rastenbergs Imkerin Yvonne Pächnatz wird sich darum kümmern, dass schon bald Leben einzieht und die Schüler an ihrer Arbeit teilhaben lassen. Dass sich das Thema Bienen neben Biologie und Physik in vielen anderen Fächern integrieren lässt, daran ließ Henryk Kolodziej, Schulleiter der Gemeinschaftsschule, keinen Zweifel. Als die Frage aufkommen sei, ins Projekt einzusteigen, habe er sofort zugesagt.

Dass die Projektgruppe schon viel geschafft hat, hob der Pfarrer hervor. Den Turmraum mit den Bienenwachskerzen, die Bienenglocke oder die Schaubeute führte er als Beispiele an. Horst Bismark, der ebenfalls der Projektgruppe angehört, verwies auf Mandelbäumchen, Kupferfelsenbirne oder Erdbeerduft Deutzie. Die als bienenfreundlich ausgewiesenen Pflanzen wurden im Garten der Kirche gepflanzt.

Einen Vorgeschmack auf die beiden etwa drei Meter hohen Bienenskulpturen, die künftig am Eingang der Kirche stehen sollen, gaben die Holzbildhauer Vera Theunen und Hilbert Tjakens. Sie stellten ein Modell vor. Im August wollen sie beginnen, die Skulpturen, die wie die Kirche die Namen Peter und Paul tragen sollen, in ihrer Roldislebener Werkstatt aus Gasbeton zu fertigen.