Schüler in Erfurt probieren sich im Rollstuhl-Rugby

Erfurt.  Spieler der „Thuringia Bulls“ zeigen Schülern der Thomas-Mann-Schule den Umgang mit Rollstühlen. Alltag in der Schule ist nicht ohne Hindernisse.

Schüler der fünften bis zehnten Klasse der Thomas-Mann-Schule probieren sich im Rollstuhl-Rugby. 

Schüler der fünften bis zehnten Klasse der Thomas-Mann-Schule probieren sich im Rollstuhl-Rugby. 

Foto: Kathleen Kröger

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Basketball, Rugby und Hindernislauf sind eigentlich nichts Bemerkenswertes, wenn es um Sportunterricht an Schulen geht. Am Mittwoch wurden diese Sportarten allerdings im Rahmen des Inklusionstages der Thomas-Mann-Schule einmal anders angegangen.

Im Rahmen der sogenannten School-Tour der Unfallkasse waren Spieler der Rollstuhl-Basketball-Profis „Thuringia Bulls“ zu Gast, die mit den Schülern der fünften bis zehnten Klassen Sportspiele und Alltagssituationen mit verschiedenen Rollstühlen durchspielten. „Am liebsten wollten alle Klassen mitmachen, was aber durch den begrenzten Platz nicht funktioniert. So sind heute 180 Schüler dabei, die per Los gezogen wurden. Die anderen machen dann in einem Jahr beim nächsten Inklusionstag mit“, sagte Uta Riemer.

Idee entstand aus dem Alltag heraus

Die Lehrerin der Schule ist seit Mai dieses Jahres selbst auf einen Rollstuhl angewiesen und hat den Tag initiiert. Auf die Idee kam sie auf ihrer letzten Klassenfahrt mit der neunten Klasse, die sie betreut: „Die Schüler haben mir mit dem Rollstuhl sehr geholfen, was nicht immer leicht ist, wenn Bus und Bahn im Spiel sind. Und viele haben mich dann gefragt, ob sie das nicht einmal selbst ausprobieren können.“ So kam sie mit André Bienek ins Gespräch, den sie von ihrem Rollstuhl-Alltagstraining kennt. Der Nationalspieler im deutschen Rollstuhl-Basketballteam ist mit der School-Tour seit 2017 bis zu zehn Mal im Jahr in Thüringen unterwegs, um Kindern und Jugendlichen nicht nur das Handicap, sondern auch die Möglichkeiten mit Rollstuhl näher zu bringen.

Teilnahme am Inklusionstag musste ausgelost werden

„Die Schüler sind meistens gleich sehr beeindruckt und sprechen noch lange über den Tag“, wie der stellvertretende Präventionsleiter der Unfallkasse, Fabian Saalbach, schildert. „Wir bieten auch Material für die Vor- und Nachbereitung an und freuen uns natürlich, wenn wir mitbekommen, dass im Nachgang auch so etwas wie Sitzvolleyball oder Blindenfußball in den Sportunterricht integriert wird. So lässt sich Teilhabe viel besser vermitteln, als mit Flyern oder Seminaren“, so der Sportwissenschaftler.

„Ich möchte, dass die Schüler verstehen, dass ein Rollstuhl nichts Schlechtes ist, sondern einfach ein Hilfsmittel“, stimmt auch Uta Riemer zu. Ihr Alltag im Schulhaus ist dennoch von Einschränkungen betroffen: „Als ich einmal die Treppen hoch wollte, haben mich zwei Schüler aus den fünften Klassen gefragt, ob sie mir helfen können. Aber was hätten sie machen sollen? Mich hochtragen?“, so die Lehrerin. Zumindest für den Weg in die erste Etage hatte das dreigeschossige Schulhaus 1997 laut Schulleiterin Carolin Raufeisen kurzzeitig einen hilfreichen Fahrstuhl. Dieser wurde nach einigen Jahren der Nicht-Nutzung und daher bedingter Verrottung jedoch wieder abgebaut, sodass derzeit – wie in vielen Schulen – kein Weg ohne Treppen ins Gebäude führt.

Uta Riemer wäre allerdings schon mit einem anderen Zugeständnis sehr geholfen: „Ich würde gern mit dem Auto näher an das Schulhaus fahren, um einen kürzeren Weg zum Haus zu haben“, so Riemer, die kurze Strecken und Stufen nach ihren Möglichkeiten noch zu Fuß gehen kann. „Aber ich darf das Auto nicht auf dem Schulhof abstellen, obwohl alle wissen, dass es zu mir gehört. Da komme ich einfach nicht an den Behörden vorbei, die jegliche abgestellte Fahrzeuge auf dem Schulhof verbieten.“

Anregungen für den Sportunterricht

Mit dem ersten Inklusionstag der Schule zeigt sich die Lehrerin zufrieden, hat aber auch schon neue Ideen für das nächste Schuljahr. „Ich möchte Dinge anders machen und denke auch, dass Schule im Allgemeinen einfach anders werden muss. Wenn meine Ideen beitragen können, dass andere Kollegen es vielleicht auch versuchen, dann habe ich doch schon etwas geschafft.“

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