Schwerborns Bürgermeister klärt Anliegen zwischen Fitness-Geräten

Schwerborn  Henry Peters wünscht sich mehr Engagement in den Vereinen Schwerborns

Henry Peters ist Ortsteilbürgermeister in Schwerborn.

Henry Peters ist Ortsteilbürgermeister in Schwerborn.

Foto: Frank Karmeyer

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Von der Dienstmütze über die Uniform bis zur Schutzweste: Wer bei der Thüringer Polizei an etwas Bedarf hat, kommt an Henry Peters nicht vorbei. Der hauptberufliche Verwaltungsbeamte vom Rang eines Regierungsdirektors leitet aber nicht nur die Logistikabteilung der Polizei – er ist ehrenamtlich auch Ortsteilbürgermeister in Schwerborn.

Seit 1995 lebt der ursprünglich in Eisenach geborene Peters im Dorf. Er ist gut vernetzt, schließlich ist er in mehreren Vereinen aktiv oder in Vorstandsfunktion. Da war es nur eine Frage der Zeit, ehe er auch im Ortschaftsrat mitwirkte und schließlich seit 2004 als stellvertretender Ortsteilbürgermeister fungierte. Aus der direkten Nachfolge der langjährigen Ortsteilbürgermeisterin Renate Müller allerdings, so wie sie es sich vorgestellt hätte, wurde zunächst nichts: 2009 durchkreuzte zur Kommunalwahl ein Gegenkandidat ihre Pläne, der am Ende mit zwei Stimmen Vorsprung ins Amt kam. Fünf Jahre blieb er dort, Peters blieb sein Stellvertreter. Als er aber 2014 seinerseits eine Gegenkandidatur ankündigte, zog der Amtsinhaber seine Kandidatur zurück und Peters gelangte mit großer Mehrheit ins Ortsteilbürgermeisteramt.

„Es waren aufregende Zeiten“, erinnert sich Peters, der 1964 geboren wurde und zu DDR-Zeiten unbedingt Polizist werden wollte. Im Auftrag der Volkspolizei studierte er bis 1989 in Berlin, erlebte dort die Grenzöffnung mit. Mit einem Kollegen wohnte er damals in der Invalidenstraße. 15 Mark der DDR an Reisegeld wurden die nächsten zwei Tage noch durch ihn und seine Polizeikollegen kassiert, dann war auch dieses Kapitel beendet.

Kurz danach kam er nach Erfurt und dort schnell in eine Funktion im Innenministerium. Es gab viel zu tun in diesen Zeiten neuer Strukturen: „Eigentlich bin ich nur zum Wäschewechseln nach Eisenach gependelt, die Tage waren lang“, erinnert er sich. Grund genug, für „einen Gewinn an Lebenszeit", in den Wohnpark Schwerborn zu ziehen, in ein Reihenhaus zur Miete. Als 1997 ein Haus im Ortskern frei wurde, zog die Familie Peters um. „Verheiratet, drei Kinder, zwei Mal Opa – das dritte Enkelkind ist unterwegs“, sagt Peters zum Familienstand.

Eigentlich, so sagt er als Ortsteilbürgermeister, gibt es in Schwerborn keinen großen Ärger. Probleme mit dem Wohnpark, jahrelang ein Hauptthema in Schwerborn, konnten zu den Akten gelegt werden. Inzwischen wächst der Wohnpark weiter, sechs neue Häuser entstehen, weitere sollen folgen. Die Deponie präsentiert sich renaturiert als grüne Oase, wirke sich nicht mehr auf den Ort aus. Nur noch Schlacke aus der Müllverbrennung würden hier abgelagert.

Windräder wachsen wohl um das Doppelte

Klar, die direkte Radweg-Anbindung an Erfurt fehle, sie habe für die Stadt leider keine Priorität, bedauert Henry Peters. Die viel befahrenen Kieslaster-Straßen jedenfalls seien für Radfahrer viel zu gefährlich. Und auch der Windpark könnte wieder zu einem Problem sprichwörtlich erwachsen: Doppelt so hoch, um wirtschaftlich zu sein, sollen neue Anlagen errichtet werden können, so sieht es der Entwurf des Regionalplans vor. Aus den 100 Meter hohen Windrädern, 16 sind es derzeit an der Zahl, sollen 200 Meter hohe werden, auch der Raddurchmesser werde sich verdoppeln. Statt bisher 750 Meter vom Ortsrand, sollen sie 250 Meter weiter weggerückt werden – mit noch unabsehbaren Folgen, was Schattenwurf oder Lärmbelästigung angeht.

Ohne spürbare Belästigung ist hingegen laut Henry Peters die Hühnermastanlage geblieben, gegen die sich vor eineinhalb Jahren eine Bürgerinitiative gegründet hatte. „Weder eine Belästigung durch Geruch, Zuliefer- oder Abholverkehr ist festzustellen.“

Mehr Aktivität wünscht sich Peters von seinen Schwerbornern in den Vereinen: „Mitgliederzahlen schwinden“, beklagt er. Die Freiwillige Feuerwehr zähle gerade mal elf Aktive. Mehr Zulauf habe die Kirmesgesellschaft, dem Faschingsclub indes „fehlt das Mittelalter“. So reiche es nicht mehr für ein ortseigenes Fußballteam, so dass eine Spielgemeinschaft mit Udestedt gegründet wurde. Bis vor einer Hüft-OP vor zwei Jahren hat Peters selbst aktiv Fußball gespielt, heute fährt er viel Rad, geht drei Mal in der Woche ins Fitnessstudio. Dort trifft er bisweilen Oberbürgermeister Andreas Bausewein an den Geräten – und kann so auf ganz kurzem Dienstweg an Wünsche wie den Radweg nach Erfurt erinnern...

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren