Steinschleuder aus Hainleite-Holz

Die Steinschleuder, die noch vor ein paar Jahren spektakulär brennende Kugeln von der Runneburg in Weißensee aus einen Feuerschweif durch die Nacht gen Ottenhausen und Greußen ziehen ließ, hat dort ausgedient. Das mittelalterliche Spektakel könnte künftig auf der Burg Scharfenstein im Eichsfeld Aufsehen erregen.

Forstwirtschaftsmeister Axel Meyer brachte den Mega-Eschen-Stamm für die Steinschleuder im Possenwald sicher und ohne Platzer zu Boden. In Leubingen wird mit zwei Fichten daraus der Wurfarm gebaut. Foto: Andreas Knoll

Forstwirtschaftsmeister Axel Meyer brachte den Mega-Eschen-Stamm für die Steinschleuder im Possenwald sicher und ohne Platzer zu Boden. In Leubingen wird mit zwei Fichten daraus der Wurfarm gebaut. Foto: Andreas Knoll

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Oldisleben. Dorthin wurde die Blide verkauft. Jetzt beschäftigte das ungewöhnliche Gerät aber die Forstleute in Oldisleben. Ungewöhnlich war die Anfrage ans Thüringer Forstamt nämlich schon, bestätigt Forstamtsleiter Uli Klüßendorf. Er sah aber auch eine besondere Herausforderung darin. Das Interesse war jedenfalls sofort geweckt. Ein "Geht nicht" als Antwort kam gar nicht in den Sinn. Die auf Denkmal-Restaurierung spezialisierte Firma Bennert aus Weimar war auf der Suche nach ganz speziellem Holz. Eine Steinschleuder, wie sie von der Runneburg bekannt ist, soll gebaut werden, erläutert Uli Klüßendorf. Das Besondere an dem Auftrag seien Dimension und Qualität des dazu benötigten Holzes. "Der Wurfarm der Steinschleuder soll schließlich eine Länge von 14,5 Metern haben, am unteren Ende eine Breite von 1,60 Meter und an der Spitze von 47 Zentimetern aufweisen", beschreibt der Forstmann das Unterfangen.

Gefertigt wird der Wurfarm indes aus drei massiven Stämmen. Zwei Fichten und eine Esche sollen so miteinander verbunden werden, dass eben die schweren Steine ohne Probleme weggeschleudert werden können. Während aus den überwiegenden Laubwäldern von Hainleite, Schrecke und Kyffhäuser die benötigten großen Fichten nicht zu holen sind (die kommen aus Tallagen des Thüringer Waldes), waren die Blidenbauer mit dem Wunsch nach außergewöhnlicher Esche hier genau richtig. "Schon unsere Vorfahren wussten, das Holz der Esche eignet sich besonders, wenn es bei der Verwendung zugleich um die Eigenschaften Festigkeit und Elastizität geht. Stiele für Äxte, Hämmer, Sensen werden bevorzugt aus Eschenholz gefertigt. Aber auch Turngeräten oder Schlitten verleiht das Eschenholz durch seine Härte und Biegefähigkeit positive Eigenschaften", sagt Uli Klüßendorf. "In den Laubholzmischwäldern der Hainleite findet man über dreißig Meter hohe, gerade gewachsene Eschen, die sich für diesen Spezialauftrag eignen", weiß er.

Gemeinsam haben also die Revierleiter Albrecht Bracke und Andreas Knoll einen 165 Jahre alten Baum im Forstrevier Sondershäuser Possen ausgesucht und fällen lassen. Fündig geworden wäre man aber beispielsweise auch in den Revieren Seega und Hachelbich. Bei derartigem Stamm musste aber auch an Freiraum fürs Fällen gedacht werden. Forstwirtschaftsmeister Axel Meyer meisterte die Herausforderung, umspannte den Stamm sichernd mit einem Seil, damit das Prachtstück nicht beim Fall aufplatzte und für die Schleuder nicht mehr zu gebrauchen gewesen wäre. Es klappte. "Der Stamm kann sich sehen lassen. Er hat eine Länge von 16 Metern und einen Mittendurchmesser von 62 Zentimetern, daraus ergibt sich ein Volumen von 4,8 Kubikmetern", liefert Klüßendorf die Eckdaten. Jetzt geht es darum, den Stamm nach Leubingen zur Holz-Firma Quenzel zu transportieren, die nächste Hürde zu meistern. Mit den Heigener- Holztransportern aus Schernberg ist man auf Lösungssuche. Als Einzeltransport soll der Stamm, der um die fünf Tonnen wiegt, sicher rollen. Dann können die Fachleute in Leubingen Hand anlegen, damit das Holz aus der Hainleite bald seine Steinschleuderdienste tut.

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