Tödliches Busunglück: Kein Hinweis auf technischen Defekt

Berka/Hainich.  Bei dem Busunglück im Wartburgkreis starben zwei Kinder, weitere wurden verletzt. Es laufen Untersuchungen zur ungewöhnlichen Route des Unglücksbusses.

Bilder vom Tag nach dem Busunglück mit Schülern der Grundschule Berka/Hainich, wo die Notfallseelsorge im Einsatz ist.

Bilder vom Tag nach dem Busunglück mit Schülern der Grundschule Berka/Hainich, wo die Notfallseelsorge im Einsatz ist.

Foto: Jensen Zlotowicz

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Der Tag nach der Bustragödie mit zwei toten Grundschülern in Berka/Hainich ist ein Trauertag für die Angehörigen, Freunde, die Hainich-Schule, die Grundschüler, das Dorf und viele andere Menschen. Das Leid ist groß, das Mitleid ebenso. An einem Baum unweit der Unfallstelle sind im Gedenken an die Opfer, es gibt auch fünf schwerverletzte Kinder, Kerzen aufgestellt und Blumen niedergelegt. Menschen kommen, um die Unfallstelle mit den Spuren im Erdreich in Augenschein zu nehmen, um zu trauern. Ein Interview will den Fernsehleuten kaum einer dieser Menschen geben. „Es ist doch alles schlimm genug“, erklärt eine in schwarz gekleidete Frau einem jungen Journalisten.

Psychologische Betreuung der Klassen ist Hauptaufgabe

Trauer und Bitterkeit lastet ungemein schwer auf den Seelen der Schüler, den Pädagogen und Angehörigen. Zahlreiche Notfallseelsorger aus dem Schulamtsbezirk Westthüringen und zwei weiteren Schulämtern waren am Freitag in der Schule im Einsatz. Eine Trauerecke wurde eingerichtet. In Kürze soll es auch ein Kondolenzbuch geben, hieß es aus der Schule. Polizisten sorgten am Tag danach dafür, dass keine schulfremden Menschen in die Schule kamen. Frank Schenker, Pressesprecher des Bildungsministeriums erklärt, dass die von Polizisten flankierte psychologische Betreuung der Klassen die Hauptaufgabe ist. Auch zu Beginn der nächsten Woche werde es noch keinen regulären Unterricht geben. Die Psychologen wissen, was wann zu tun und was zu lassen ist.

Am Freitag stand es den Eltern frei, ihre Kinder in die Schule zu bringen. Die meisten taten es aber. Man steht in dieser für alle schweren Zeit zusammen.

Mitgefühl mit dem Busfahrer

„Ich möchte für den Busfahrer eine Kerze anzünden.“ Diesen Satz habe ihr Kind geäußert, erzählt eine Mutter aus Bischofroda, dem Heimatort der beiden getöteten Kinder. Die Kinder und Eltern haben Mitgefühl mit dem Busfahrer. Der 27-Jährige war bei den Buskindern beliebt, nicht nur, weil er ihre Lieblingsmusik im Schulbus spielte. Kinder nannten den Bus begeistert den „Partybus“. Um so tragischer ist es aus Sicht vieler Beteiligter, dass das Schicksal ausgerechnet diesem Fahrer so mitspielte und die glatte Pflasterstraße zum Verhängnis wurde. Ein Schild am anderen Abzweig (zur Landstraße) zeigt übrigens an, dass auf dieser Straße der Winterdienst eingeschränkt ist.

Ursachensuche geht weiter

Dass dieser verhängnisvolle wie länger praktizierte Umweg mit allen Beteiligten abgesprochen war, ist unwahrscheinlich. Unsere Zeitung weiß von einer Mail aus dem Verkehrsunternehmen Wartburgmobil (VUW) an die zuständige Verkehr Werraland OHG kurz nach dem tragischen Unfall. In ihr fragt die VUW sinngemäß an: Wo fahrt ihr denn lang?Für die Pressestelle des Wartburgkreises ist die Aufklärung in diesem Fall Sache der Ermittler. „Schließlich ist die Antwort auf die Frage der Route von enormer Tragweite“, sagt Pressesprecherin Sandra Blume.

Bus und Fahrer stelle das Unternehmen Wartburgmobil, fahre aber im Auftrag der OHG Werraland (Riemann, Först, Möller). Die drei privaten Unternehmen haben in diesem Raum die Konzession für den öffentlichen Personennahverkehr. „Das wird noch eine komplizierte Angelegenheit“, prophezeit Sandra Großmann von der OHG Werraland. Es geht um Verantwortlichkeiten. Juristen sind bereits in Stellung. Menschliches oder technisches Versagen im Unfallmoment selbst wurde am Donnerstag ausgeschlossen. Die Ermittlungen gehen freilich weiter. Weder das Verkehrsunternehmen Wartburgmobil noch das Landratsamt wollen sich im laufenden Verfahren zu Fragen äußern. Dass der Fahrer den Bus aus Bischofroda kommend nicht auf kurzem Weg unterhalb der Schule an der offiziellen Haltestelle hielt, sondern diesen wie immer im großen Bogen über die Domstraße und damit hinauf über die kopfsteingepflasterte Peripherie des Dorfes lenkte, war guter Wille des Fahrers, berichten Eltern. Damit ersparte er den Grundschülern den Gang über die Hauptstraße.

Der quasi im freien Feld liegende Kopfsteinpflaster-Abschnitt mit Berg- und Talstellen wurde am Donnerstag zum Verhängnis, weil die Glätte den Bus ins Schlittern und so außer Kontrolle geraten ließ. Der Bus rutschte rückwärts, stürzte in einen Graben und überschlug sich.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.