Wartburgregion sagt Fachkräftemangel den Kampf an

Wartburgregion  Mit Kurzfilmen auf der Internetplattform „Youtube“ könnten heimische Firmen direkt aus der Fertigung berichten

Ideengeber für berufliche Zukunft in der Region (von links): Mario Ziegler (Bachmann Elektrotechnik), Jürgen Schmidt (Werra-Blitz Transport), Rebecca Ottmer (Projektleiterin, Reinhard Krebs (Landra), Christian Petrasch und Jan-Martin Lau (beide Betreiber der Internetseite Berufemap).Fotos: Norman Meißner (2)

Ideengeber für berufliche Zukunft in der Region (von links): Mario Ziegler (Bachmann Elektrotechnik), Jürgen Schmidt (Werra-Blitz Transport), Rebecca Ottmer (Projektleiterin, Reinhard Krebs (Landra), Christian Petrasch und Jan-Martin Lau (beide Betreiber der Internetseite Berufemap).Fotos: Norman Meißner (2)

Foto: Norman Meißner (2)

Die Klagen zahlreicher Unternehmer aus der Wartburgregion über viel zu dünne Personaldecken hörte Landrat Reinhard Krebs (CDU) am Donnerstag nicht zum ersten Mal. Jetzt intensivieren die Verantwortlichen ihre Anstrengungen der vergangenen Jahre weiter, damit der Abwanderungstrend bei Fachkräften und Auszubildenden in der Wartburg- region endlich ins Stocken kommt. „Mir wird auch Angst und Bange, wenn ich sehe, wie viele gute Leute sich jetzt aus den Unternehmen in den Ruhestand verabschieden“, hielt Krebs beim Treffen im Landratsamt mit Vertretern aus Schulen, Unternehmen und Wirtschaftsförderern mit seinen Ängsten nicht hinter dem Berg.

Von den ganzen Anstrengungen, die unternommen werden, damit Schulabgänger in der Wartburgregion den Ausbildungsbetrieb zum Traumberuf finden, aber auch, wie abgewanderte Fachkräfte zurückkommen könnten, berichten Rebecca Ottmer von der Thüringer Ehrenamtsstiftung, Wirtschaftsförderer Mirko Klich, Mario Ziegler von der Firma Bachmann Elektrotechnik und Jürgen Schmidt von der Werra-Blitz-Transportgesellschaft.

„Wir wollten anfangs nur ein Stellen- und Informationsportal schaffen, und daraus ist nun eine große Kampagne geworden“, sagt Klich, dem als Leiter des Planungsamtes die Wirtschaftsförderung untersteht, durchaus mit Stolz über die Initiative „Karriereheimat Wartburgregion“. Er möchte den Blick noch stärker auf die Berufsorientierung richten. Noch viel zu wenigen Menschen sei bewusst, was für eine Fülle an tollen, weltmarktfähigen Produkten in den Betrieben der Region entstehe. Neben dem regelmäßig organisierten Berufemarkt und dem Unternehmerfrühstück sollen Schüler schon bald rund um die Uhr einen lebendigen Einblick in das Berufsleben erhalten können. Auf einem eigens einzurichtenden Youtube-Kanal sollen Unternehmer ihre Firma, ihre Produkte, ihre Ausbildungsberufe und ihre offenen Stellen per Video „verkaufen“ können.

Lehrlinge scheitern an Matheaufgaben

Einen anderen Weg gehen die beiden Firmengründer Christian Petrasch und Jan-Martin Lau. Über eine spezielle Kartenvisualisierung auf ihrer Internetseite Berufemap lasse sich der passende Lern-, Studien- und Berufsschulstandort oder eine Berufsmesse leicht finden.

„Einen Messebesuch kann man vorab gut vorbereiten, sich eine Tour erarbeiten, welche Infostände man besuchen möchte“, erzählt Jan-Martin Lau. Schüler, die überhaupt noch nicht wissen, welcher Beruf zu ihren passt, sind ebenfalls bei Berufemap richtig. Anhand der Interessen filtert die Internetseite entsprechende Branchen und Berufe heraus. – „Der Staat wird seinem Bildungsauftrag nicht gerecht!“ Mit diesen Worten beklagt sich Unternehmer Jürgen Schmidt zum Treffen im Landratsamt über eine steigende Zahl an Schüler, die nicht die einfachsten Aufgaben lösen können. „Viele Regelschüler und sogar Abiturienten scheitern an Aufgaben aus dem Mathebuch der 2. Klasse“, erzählt er über die doch sehr niedrig angesetzte Latte bei Eignungstests.

Schmidt bezeichnet das Bildungssystem als ineffizient. Er wünscht sich, dass Prüfungen an Schulen nicht von unterrichtenden Lehrern, sondern durch externe Prüfer erfolgen. „Der Kfz-Meister kann auch nicht selbst den Tüv für das Auto machen, das er selbst reparierte“, zieht der Logistik-Unternehmer einen anschaulichen Vergleich. Bei Schulformen und Schulstandorten wünscht er sich einen Wettbewerb wie in der Wirtschaft.

Weitere Informationen: www.karriereheimat.de ; www.thueringer-ehrenamtsstiftung.de ; www.berufemap.de ; www.wirtschaft-wartburgregion.de

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