Weimar hat eine neue oberste Denkmalschützerin

Weimar.  Für Karen Büchner gehören Barrierefreiheit und Denkmalschutz zusammen. Sie kennt Weimars Bestand bereits aus ihrer Zeit beim Landesamt.

Karen Büchner hat am 2. Januar die Stelle als Leiterin der Unteren Denkmalbehörde Weimar angetreten. Einer ihrer Interessenschwerpunkte sind neuere Weimarer Denkmäler wie das Schillermuseum.

Karen Büchner hat am 2. Januar die Stelle als Leiterin der Unteren Denkmalbehörde Weimar angetreten. Einer ihrer Interessenschwerpunkte sind neuere Weimarer Denkmäler wie das Schillermuseum.

Foto: Susanne Seide

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Weimar hat seit Jahresbeginn mit Karen Büchner wieder eine oberste Denkmalschützerin und die Behörde seit dem Weggang ihres Vorgängers Klaus Jestaedt wieder ein zwar weiterhin kleines, aber arbeitsfähiges Team. Die 31-Jährige setzte sich im Auswahlverfahren gegen 20 Mitbewerber durch. Die große Zahl an Interessenten ist im öffentlichen Dienst bereits seit Jahren durchaus nicht üblich, wie die zuständige Beigeordnete Claudia Kolb bei der Vorstellung der neuen Abteilungsleiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde betonte. Das zeige, dass die Stelle sehr begehrt gewesen sei.

Karen Büchner wohnt in Erfurt, wo sie zunächst ein Architektur-Studium angefangen hatte. Danach zog es sie aber doch zur Denkmalpflege, wo sie nach dem Studium in Dessau und Halle einen Abschluss als Master abgelegt hat. In ihrer Abschlussarbeit befasste sie sich mit dem komplizierten Thema des barrierefreien Umbaus des Olympiastadions in Berlin, das dafür international ausgezeichnet worden ist. Kompliziert deswegen, weil das in der Nazizeit errichtete Stadion unter Denkmalschutz steht und die Bauherren selbst Menschen mit Einschränkungen als „unwertes Leben“ angesehen haben.

Zu den beruflichen Stationen von Karen Büchner gehörte die Betreuung großer Bauvorhaben an Kulturdenkmalen in Berlin, darunter die Kapelle der evangelischen Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche. Danach wechselte sie an das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Erfurt. Von dort war sie als Gebietspflegerin für Gera, die Landkreise Sömmerda und Weimarer Land sowie für Weimar zuständig – ist also mit denkmalgeschützten Gebäuden in der Stadt bereits vertraut. In Weimar war sie im Bereich des Denkmalschutzes für nahezu alles zuständig, erläuterte die neue Abteilungsleiterin – mit Ausnahme von den Parkanlagen und den Immobilien der Klassik-Stiftung. So gehörte auch die anstehende Sanierung der Mensa am Park des Studierendenwerkes zu ihren Aufgabenfeldern.

Als Schwerpunkte ihres Interesses bezeichnete die neue Abteilungsleiterin das Denkmalrecht sowie Grundsatzfragen. Zu Letzterem zählen die Barrierefreiheit und der Klimaschutz. Zudem stehe für sie die Frage im Zentrum, wie sich Denkmalschutz mit den Bürgern und Eigentümern umsetzen lasse. Ihr Credo: Beim Planen sei für Bauherren der Kontakt zu Behindertenverbänden ebenso wichtig wie der zur Denkmalpflege.

Angesichts der langwierigen Diskussion darüber, wie sich in Weimar Denkmalschutz und die Bedürfnisse Behinderter im Alltag vereinbaren lassen, könnte Karen Büchner frischen Wind in die Diskussion bringen. In einem Vortrag bei einer interdisziplinären Konferenz zum Thema Barrierefreiheit im Denkmalbestand hatte sie 2018 betont: „Leben heißt … nicht nur zu wohnen und zu arbeiten, es beinhaltet auch die Teilnahme am öffentlichen Leben und kulturellen Ereignissen. Daher ist es von enormer Bedeutung, alle öffentlichen Bereiche in unserer Gesellschaft verfügbar und nutzbar für alle Menschen zu gestalten. Neben der Teilnahme an Veranstaltungen – ob kultureller, sportlicher oder politischer Art – gehört hierzu auch der barrierefreie Zugang zu dem physischen Erbe unserer Vorfahren – unseren Denkmalen.”

Weimar zählt gemessen an der Größe der Stadt zu den Kommunen mit einer immens hohen Dichte an Baudenkmälern. Neben Tausenden Einzeldenkmälern stehen jene 19 unter besonderem Schutz, die wegen des Bauhauses oder als „Klassisches Weimar“ als Unesco-Welterbestätten anerkannt sind.

Der bisherige Abteilungsleiter Klaus Jestaedt war nach 16-jähriger Tätigkeit in Naumburg Anfang 2009 in die Kulturstadt gewechselt. Seit dem Herbst des vergangenen Jahres ist er als Abteilungsleiter für Denkmalpflege im Amt für Bauordnung und Denkmalpflege der Stadt Leipzig tätig. Seine Vorarbeit sei eine gute Grundlage für ihre Arbeit, sagte Karen Büchner.

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