Bedenken von Tierschützern: Kein Flug von Brieftauben bei Pfingstfest in Münchenlohra

Münchenlohra.  Nach besorgten Kommentaren im Internet sagt der Südharzer Kirchenkreis den Start weißer Brieftauben zum Pfingstsonntag ab.

100 weiße Tauben wollte der Südharzer Kirchenkreis am Pfingstsonntag an der Basilika in Münchenlohra in den Himmel fliegen lassen.

100 weiße Tauben wollte der Südharzer Kirchenkreis am Pfingstsonntag an der Basilika in Münchenlohra in den Himmel fliegen lassen.

Foto: Jens-Ulrich Koch / ddp

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Der Niedergebraer Pfarrbereich sagt den für Pfingstsonntag geplanten Start der Brieftauben ab, erklärt Regina Englert, Sprecherin des Südharzer Kirchenkreises. Der Gottesdienst soll jedoch wie vorgesehen um 9.30 Uhr stattfinden.

Geplant war ursprünglich, 100 weiße antrainierte Brieftauben als Abschluss des Gottesdienstes acht Kilometer bis zu ihrem Heimatschlag fliegen zu lassen – ähnlich der Taube Noahs nach der Sintflut, als Zeichen der Hoffnung. Dies war als besondere Aktion geplant, da es zum einen der erste Gottesdienst des Pfarrbereichs nach der Coronapause sein wird und zudem die Zahl der Gottesdienstbesucher aktuell durch die Pandemie noch begrenzt ist. Am Himmel wären die Tauben ein weithin sichtbares Zeichen der Hoffnung gewesen, auch für die Menschen, die nicht zum Gottesdienst kommen können.

Diese Ankündigung des Pfarrbereiches wurde im Internet unter Tierschützern bis nach Österreich geteilt. Folgende Argumente erreichten die Gemeinde daraufhin: Die Tiere seien nicht antrainiert, sie finden nicht mehr nach Hause, seien unterwegs Gefahren ausgesetzt und könnten verhungern. Den Aussagen des Züchters sei nicht zu trauen.

Von Hochzeiten und Veranstaltungen in Großstädten sei bekannt, dass teilweise untrainierte Tauben als Showeffekte eingesetzt werden, die dann tatsächlich solchen Gefahren ausgesetzt wären.

Dies war in Münchenlohra jedoch nicht der Fall, betont Regina Englert. Der Kooperationspartner habe der Gemeinde versichert, dass in Szenarien wie dem geplanten Flug die Tauben den Weg nach Hause finden.

Die Gemeinde hat die zahlreichen Telefonanrufe, Mails und Hunderte Facebookposts besorgter Tierschützer gelesen und gehört. Und auch mit dem Taubenzüchter Rücksprache gehalten. Eine Durchführung des Taubenflugs schien nicht mehr vorstellbar, da die Gemeinden für die Umsetzung der aktuellen Abstands- und Hygieneregeln verantwortlich sind. Schon eine Demonstration vor Ort hätte darum zu einem unwägbaren Risiko werden können, meint Regina Englert.

Die Gemeinden versuchen nun, wenn es die Auflagen für Veranstaltungen wieder zulassen, einen wertschätzenden Austausch zwischen Taubenschützern und Taubenzüchtern zu ermöglichen. Aktuell sei dies nicht möglich gewesen. Aus diesem Grund wurde der Taubenflug abgesagt.

Der Gottesdienst findet trotzdem wie geplant um 9.30 Uhr statt. In der Gemeinde wurde nun fleißig gebastelt, um für die Kinder eine kleine Überraschung bereithalten zu können.

Zum Hintergrund:

Aktuelle Reaktionen auf Facebook auf der Seite Nicolaikirche Niedergebra:

Ankündigung der Veranstaltung auf der Facebookseite am 25. Mai: 13.331 Interaktionen, 914 Kommentare, 227 Mal geteilt, 812 Emojis – 636 Hass / 157 Trauer / 19 Daumen hoch (Stand 29. Mai 2020, 12.45 Uhr)

Absage der Veranstaltung am 27. Mai: 2708 Interaktionen, 429 Kommentare, 73 Mal geteilt, 220 Emojis – 89 Hass / 69 Daumen hoch / 62 Lachsmileys (Stand 29. Mai 2020, 12.45 Uhr)

Gesprächsangebot mit Tierschutz am 27. Mai: 1017 Interaktionen, 83 Kommentare, 24 Mal geteilt, 182 Emojis – 139 Daumen hoch, 38 Herzen, 5 Lachsmileys (Stand 29. Mai 2020, 12.45 Uhr)

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